Hamburg - FH oder Uni: Was bei der Wahl der Hochschule zu beachten ist

FH oder Uni: Was bei der Wahl der Hochschule zu beachten ist

Von: Tobias Schormann, dpa
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Studentenprotest gegen Platzmangel an der Hochschule: Vor allem an Universitäten leiden viele unter Massenvorlesungen und überfüllten Hörsälen.

Hamburg. FH oder Uni? An dieser Frage scheiden sich bei der Studienwahl immer noch die Geister. Das eine Hochschulmodell setzt traditionell mehr auf die Praxis, das andere eher auf die Forschung.

Durch die Umstellung auf Bachelor und Master hat sich in dieser Hinsicht zwar einiges geändert: Beide Hochschularten vergeben jetzt die gleichen Abschlüsse und haben dafür auch ihre Lehrpläne überarbeitet. Dennoch gibt es immer noch viele Unterschiede, die Studienanfänger beachten müssen.

Mit der Einführung der neuen Studienabschlüsse nähern sich die beiden Hochschultypen einerseits stärker an. „Die Unterschiede sind inzwischen immer schwieriger zu erkennen - das fängt schon mit den Namen an”, sagt Thomas Vielhauer vom Hochschulteam der Arbeitsagentur in Hamburg. So nennen sich viele Fachhochschulen heute lieber „Hochschule für angewandte Wissenschaften” oder neudeutsch „University of Applied Sciences”. Das ändert aber nichts an den verschiedenen Regeln für die Zulassung: Für ein FH-Studium reicht die Fachhochschulreife, Universitäten verlangen in der Regel das Abitur.

Besonders in Technik-Fächern sehen die neuen Studienangebote jetzt auf den ersten Blick oft identisch aus, seit bei Ingenieuren nicht mehr wie früher zwischen einem Uni-Diplom und Abschlüssen mit dem ehemaligen Pflichtzusatz „FH” unterschieden wird. Dennoch haben Maschinenbau-Studiengänge an einer FH und einer Uni selten den gleichen Inhalt: „Nach außen hin sieht jetzt zwar alles gleich aus, nach innen hin bleiben aber die Unterschiede”, sagt Prof. Manfred Nagl vom Dachverein „Fakultätentage der Ingenieurwissenschaften und der Informatik an Universitäten” (4ING) in Aachen.

Auf folgende Punkte kommt es bei der Wahl der Hochschulart an:

MEHR PRAXIS ODER THEORIE: „An Universitäten steht klassischerweise eher die Theorie im Vordergrund, an Fachhochschulen ist das Studium meist praktischer angelegt”, sagt Thomas Vielhauer. Auch kämen die Dozenten an Fachhochschulen meist aus der Praxis, an Universitäten lehrten eher Forscher. „Da muss man sich also fragen: Was bin ich für ein Typ, und welche Richtung passt eher zu mir?”

Der geringere Praxisbezug wird von Uni-Studenten entsprechend öfter als Manko ihrer Ausbildung angesehen: Laut einer Befragung des Hochschul-Informations-Systems (HIS) in Hannover bewertet jeder Dritte (35 Prozent) sein Studium in diesem Punkt als schlecht - an Fachhochschulen tun das nur 15 Prozent. Die Forschung sehen dagegen 35 Prozent der Uni-Studenten und nur 24 Prozent an der FH im Lehrplan gut vertreten. Durch den Bachelor gibt es aber auch an Unis mehr Praxisphasen als früher. „Der Abschluss soll prinzipiell ja immer berufsvorbereitend sein. Daher steht da jetzt auch an der Uni öfter ein Praktikum auf dem Lehrplan”, sagt Vielhauer.

LÄNGERE ODER KÜRZERE REGELSTUDIENZEIT: Nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz in Bonn ist ein Großteil (42 Prozent) der Bachelorangebote an Fachhochschulen derzeit auf sieben Semester ausgelegt. An der Uni sind dafür fast immer sechs Semester eingeplant. FH-Studenten brauchen für den ersten Abschluss also etwas länger, haben aber mehr Zeit, um zum Beispiel ein Praktikum unterzubringen. Dafür ist an Fachhochschulen rund ein Drittel der Masterangebote (31 Prozent) dreisemestrig. An Universitäten dauern sie in der Regel vier Semester.

STUDIUM IN EIGENREGIE ODER VERSCHULTES LERNEN: „An der FH ist das Studium strukturierter und etwas verschulter”, sagt Vielhauer. So verbringen Fachhochschüler laut der jüngsten Sozialerhebung des Studentenwerks in Berlin die meiste Zeit ihres Studiums in Lehrveranstaltungen. An Universitäten nimmt dagegen das Selbststudium den Großteil der Lernzeit ein. An Unis sei daher ein höheres Maß an Eigenverantwortung und Selbstständigkeit nötig, sagt Prof. Nagl. Insgesamt büffeln Studenten laut dem Studentenwerk an beiden Hochschularten aber gleich viel: Das Lernpensum an Universitäten und Fachhochschulen beträgt im Schnitt jeweils 34 Wochenstunden.

MASSENVORLESUNGEN ODER KLEINE LERNGRUPPEN: FH-Studenten fühlen sich in der Regel besser betreut, sagt HIS-Expertin Janka Willige. Laut der von ihr betreuten Studie sind 57 Prozent an der FH in diesem Punkt zufrieden, an der Uni sind es nur 45 Prozent. Auch bei guten Noten für die Ausstattung erzielt die FH aus Sicht der Studenten mit 55 zu 37 Prozent einen Punktsieg. Unter zu vollen Hörsälen und Seminaren leiden dagegen vor allem Uni-Studenten. Jeder zweite Student an einer Universität fühlt sich den Befragungen zufolge häufig durch überfüllte Veranstaltungen beim Lernen beeinträchtigt - an der FH sagt das nur jeder Fünfte. „Da bestätigt sich also oft noch das verbreitete Bild von der anonymen Massenuni.”


Anerkennung beim Wechsel rechtzeitig klären

Die neuen Bachelor- und Masterabschlüsse an Fachhochschulen und Universitäten sind laut der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Bonn formal gleichwertig. Masterangebote an der Uni stehen generell also auch FH-Bachelorabsolventen offen. Allerdings können die Hochschulen zusätzliche Zulassungskriterien für Masterstudiengänge festlegen. Bei der individuellen Anerkennung der Studienabschlüsse gibt es laut HRK daher „keinen Automatismus”. „Das Motto "Bachelor ist Bachelor" stimmt so also nicht”, sagt Prof. Manfred Nagl vom Dachverein 4ING in Aachen. So könne es sein, dass FH-Absolventen zum Beispiel einen Theoriekurs nachholen müssen, wenn sie zum Master an die Universität wechseln.

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