Fanartikel für Studenten: Unis verkaufen T-Shirts und Schlipse

Von: Andreas Heimann, dpa
Letzte Aktualisierung:
studenten / t-shirts
Die Uni als Marke: Was in den USA schon lange Mode ist, erhält jetzt auch hierzulande immer mehr Einzug. Foto: dpa

Oxford/Hamburg. Die spinnen, die Briten: Dass Studenten gerne zeigen, es bis Oxford geschafft zu haben, mag ja verständlich sein. Man soll sein Licht schließlich nicht unter den Scheffel stellen. Auch dass es Krawatten mit dem Logo der Uni gibt, ist noch im grünen Bereich. Aber dass der „University of Oxford Shop” gleich ein halbes Dutzend Uni-Schlipse im Angebot hat, mal mit breiten, mal mit Doppelstreifen, mal mit einer Abbildung des ausgestorbenen Vogels Dodo, dessen DNA von Forschern in Oxford isoliert wurde, dürfte Kontinentaleuropäern etwas spleenig vorkommen.

Dabei ist das längst nicht alles, was in Oxford an Fanartikeln zu haben ist. Und die englische Elite-Uni liegt voll im Trend: Immer mehr Hochschulen bieten heute T-Shirts, Base-Caps oder Kaffeetassen mit Uni-Schriftzug an. Oxford setzt hierbei Maßstäbe: Dort gibt es auch Golfbälle mit dem Logo der Universität, Rugby-Shirts, Bilderrahmen und Halsketten mit Uni-Signet, eine Serie von Kinderkleidung samt Babymütze für den akademischen Nachwuchs.

Von solchen Dimensionen ist Deutschland noch weit entfernt. „Aber im Prinzip macht das jede deutsche Hochschule auch”, sagt Jochen Taaks, Geschäftsführer der Universität Hamburg Marketing GmbH. „Das muss man heute haben.” T-Shirts und Sweatshirts seien am meisten gefragt - was ganz im Sinne des Marketings ist: „Weil man sie sofort sieht.” Das schätzen Hochschulen von Nord bis Süd genauso ein: Kleidungsstücke, bei denen in Brusthöhe der Name der Hochschule prangt, gibt es von Oldenburg über Münster bis Tübingen.

Die Uni Oldenburg hat Souvenirs vom Bleistift oder Kaffeebecher bis zur Visitenkartenbox oder dem Designerschal im Sortiment, die Uni Greifswald auch Kugelschreiber und College-Blöcke mit Uni-Logo. Bei der Bauhaus Universität in Weimar gibt es Stoffbeutel, die durch ungewöhnliche Aufdrucke auffallen: „Bauhaus lebt” etwa oder „Entdecke den Gropius in dir!”. Seit kurzem gibt es einen Uni-Shop im Foyer des Hauptgebäudes. Dort sind zwar auch Taschen, T-Shirts und Postkarten zu kaufen, allerdings nicht in erster Linie mit Uni-Logo.

„Uns geht es da weniger um Markenbildung, sondern darum, unser kreatives Potenzial zu zeigen”, sagt Raika Nebelung, die an der Bauhaus-Universität fürs Hochschulmarketing verantwortlich ist. „Was dort zu kaufen ist, ist von Studenten oder Absolventen entworfen worden.”

An selbst entworfenen Merchandising-Produkten wird zur Zeit aber gearbeitet. „Das Thema spielt schon eine Rolle”, sagt Nebelung. „Auch über ganz kleine Give-aways bleibt man in Erinnerung.” Das können Stifte oder Handy-Socken sein. „Bei der jüngsten Immatrikulationsfeier haben alle Neulinge einen Pin zum Anstecken bekommen”, sagt Nebelung. „Und die werden auch fleißig getragen.”

Die Universität Heidelberg hat einen Shop mitten in der historischen Altstadt - in unmittelbarer Nachbarschaft zu Karzer und Uni-Museum. Auch dort gibt es vom Schlüsselanhänger bis zur Laptop-Tasche alle erdenklichen Merchandising-Artikel. „Das kaufen bei uns viele Touristen”, sagt Uni-Sprecherin Marietta Fuhrmann. „Aber die wichtigste Zielgruppe sind unsere Studierenden und Alumni in aller Welt.”

Oft kommen die Produkte von Campus Sportswear aus Köln. Deren Gründer Alexander Grunert brachte die Idee Anfang der 90er Jahre aus den USA mit. „Am Anfang hat er die T-Shirts in Köln auf einem Tapeziertisch vor der Uni verkauft”, erzählt Mitarbeiterin Alexandra Breuers. Das Interesse war mäßig. „Aber seitdem hat sich viel verändert.” Auch, weil viele Studenten im Ausland die Erfahrung machten, dass dort Kleidung mit Uni-Bezug ganz selbstverständlich ist. „Und weil das Design cooler und trendiger geworden ist.”

In Zeiten, als Hochschulen mehr oder weniger austauschbar waren, weil man fast überall das gleiche studieren konnte, machte das Bekenntnis zur eigenen Uni nicht viel Sinn. „Aber das Hochschulsystem differenziert sich immer mehr aus”, sagt Marietta Fuhrmann. „Man muss viel bewusster entscheiden, an welche Uni man geht.” Gleichzeitig konkurrierten die Unis heute stärker um Wissenschaftler und um Studenten, ergänzt Raika Nebelung.

Nun kommt kein Studienanfänger an eine Uni, nur weil sie so schöne Krawatten oder Sweatshirts hat. „Merchandising kann man nicht isoliert betrachten, sondern im Kontext von Corporate Identity der Hochschulen”, sagt Marietta Fuhrmann. „In diesem Kontext wird es immer wichtiger.” Morgens seinen Kaffee aus der Uni-Tasse zu trinken oder zum Fitness-Training ein Kapuzenshirt mit dem Schriftzug der Hochschule zu tragen, klingt nicht weltbewegend. „Aber es hat auch einen imagebildenden und identitätsstiftenden Aspekt.”

Jochen Taaks warnt allerdings, Hochschul-Merchandising zu überschätzen: „Das kann man bei uns nicht mit amerikanischen Hochschulen vergleichen.” Die Nachfrage sei viel kleiner. So manches scheinbar originelle Produkt kann hierzulande als Ladenhüter enden.

Taaks erinnert sich noch gut an ein Verkaufsgespräch mit einem erfahrenen Händler, mit dem er über Krawatten mit Uni-Logo sprechen sollte: „Ich mache Ihnen ein gutes Angebot”, versprach der. „Sie überweisen mir 10.000 Euro, und ich schicke Ihnen dafür keine einzige Krawatte.” Was der Vorteil daran sein solle, fragte Taaks, worauf der Händler trocken erwiderte: „Sie sparen die Lagerkosten.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert