Aachen - Eklat im Studentenwerk: Fricke steigt aus

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Eklat im Studentenwerk: Fricke steigt aus

Von: Robert Esser
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Tritt enttäuscht als Vorsitzender des zerstrittenen Studentenwerks-Verwaltungsrats zurück: Der Unternehmensberater und frühere Oberkreisdirektor Dr. Walter Fricke (64) engagierte sich über acht Jahre in dem Gremium.

Aachen. Der Streit um den Kurs des Studentenwerks hat jetzt personelle Konsequenzen: Der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Dr. Walter Fricke, hat am Montag sein Amt zur Verfügung gestellt.

„Meine Aufgabe kann es nicht sein, dem Geschäftsführer Dirk Reitz den Rücken freizuhalten, wenn er sich nicht bemüht, auf die Wünsche der Studentenvertreter einzugehen”, sagte Aachens ehemaliger Oberkreisdirektor.

Geschäftsführer Reitz war vergangene Woche unter Beschuss geraten, weil der Allgemeinde Studierenden Ausschuss (AStA) der RWTH die Billigversorgung mit Prosecco, Wein und Bier im für 180.000 Euro eingerichteten „C-Café” im SuperC am Templergraben scharf kritisiert hatte.

AStA-Vorsitzende Kerstin Arlt wirft dem Studentenwerk unter anderem vor, dass mehrere Cafeterien nicht wirtschaftlich geführt werden können, weil Miet- und Nebenkosten zu hoch sind. Das Studentenwerk verschwende „Sozialbeiträge der Studierenden auf fahrlässige Art und Weise”.

Auch dieser Streit führte schließlich zum Eklat: Im siebenköpfigen Verwaltungsausschuss des Studentenwerks hatten die Studierendenvertreter von Geschäftsführer Reitz detaillierte Informationen über Wirtschaftlichkeitsrechnungen und die geplante Verwendung von 7,5 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket verlangt.

Weil der Geschäftsführer diese Informationen nach Einschätzung der Studierendenvertreter aber nur in unzureichender Form zur Verfügung stellen wollte, ließen die Studenten die jüngste Sitzung des Gremiums platzen - und Fricke erklärte seinen Rückzug aus dem Gremium.

„Herr Reitz genießt hohes Ansehen wegen seiner kaufmännischen Kompetenzen”, stellte Fricke gegenüber unserer Zeitung klar. „Aber es gelingt ihm einfach nicht, die Studierenden mit ins Boot zu holen. Die fühlen sich - nicht zu Unrecht - in vielerlei Hinsicht von ihm ignoriert.”

Der Studentenwerks-Geschäftsführer erklärte, er bedaure den Ausstieg von Fricke. „Wir haben eine gute und offene Zusammenarbeit gepflegt - auch wenn es Meinungsverschiedenheiten gab”, sagte Reitz. Ein Nachfolger werde bereits gesucht.

Der Chef des Studentenwerks betonte, dass die aktuelle Kritik vor allem von der liberalen Hochschulgruppe stamme: „Die hält uns für unfähig und würde am liebsten alles privatisieren lassen.”

Reitz rechnete vor, dass die Studentenwerksbeiträge mit 56 Euro pro Student und Semester die niedrigsten in ganz Nordrhein-Westfalen seien. „Und obwohl wir zuletzt eine 20-prozentige Zuschusskürzung und Personaltarifsteigerungen in Höhe von einer Million Euro verkraften mussten, haben wir 2008 einen Überschuss in Höhe von einer Million Euro erwirtschaftet.” So sei gewährleistet, dass die Sozialbeiträge auch im Jahr 2010 nicht steigen, sagte Reitz.

Die Kritiker seiner rigiden Geschäftspolitik fürchten hingegen, dass die stark bezuschussten Mensen und Edel-Cafeterien künftig ein höheres Defizit produzieren. Dann müsste das Studentenwerk Preis- und Zwangsbeitragserhöhungen auf die angehenden Akademiker in Aachen und Jülich abwälzen, hieß es. Die speisen derzeit 80 Prozent der Einnahmen.
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