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Döner, Schweiß und dumme Fragen: Diese Dinge sind im Hörsaal tabu

Von: Andreas Thieme, dpa
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Knutschen, kabbeln, Zeitung lesen: Langweilige Vorlesungen machen Studenten erfinderisch. Der Spaß hört aber auf, wenn sich die Sitznachbarn gestört fühlen. Foto: dpa

Berlin. Endlos quasselnde Teilnehmer, klingelnde Handys, und der Banknachbar will schon wieder aufs Klo - in Vorlesungen kann das einem den letzten Nerv rauben. Auch wenn es keine offiziellen Benimmregeln an Hochschulen gibt: Wer es sich mit Kommilitonen und Lehrenden nicht verscherzen will, sollte ein paar Dinge beachten.

Zu spät kommen: Während der Professor schon redet, geht die Tür auf, und eine Studentin klackert auf High-Heels durch das Audi-Max. Mehr Ablenkung gibt es kaum. Wer das akademische Viertel schon überdehnt, sollte zumindest den Raum leise betreten, rät Stiltrainer Jan Schaumann aus Berlin. „Anschließend am besten direkt an den Rand setzen.”

Tuscheln und Telefonieren: Ständiges Gequatsche nervt jeden Dozenten. „Viele Zuhörer aber auch”, sagt Milo¨ Vec, Herausgeber und Mitautor des Buches „Der Campus-Knigge”. Richtig dreist sei Telefonieren und Handy-Gebimmel - das störe die Konzentration erheblich. Teils liege der Lärmpegel im Hörsaal aber auch an schlechten Präsentationen oder langweiligen Vorträgen der Professoren selbst. Trotzdem: „Als Dozent sieht man sehr wohl, wer zuhört oder wer nicht.”

Dumme Fragen: Gibt es nicht? Und ob! „Und zwar Profilierungsfragen”, erklärt Milo¨ Vec. Dabei wiederholt der Fragende bereits Erklärtes, um sich in den Vordergrund zu drängen - was jeden nervt. Schlimm wird es, wenn dafür noch das Mikro missbraucht wird. Wer wirklich einmal etwas verpasst hat, sollte Schaumann zufolge erst den Nachbarn fragen, notfalls bis Vorlesungsende damit warten und dann den Dozenten direkt ansprechen. Für Verständnisfragen gibt es natürlich immer Gelegenheit.

Essen und Trinken: Ein Döner im Hörsaal ist das Grauen vieler Kommilitonen. Auch das Brötchen mit Mett ist tabu. „Im Theater isst man ja auch nicht”, so Horst Hanisch, Etikette-Trainer aus Bonn. Wasser und Säfte sind Ausnahmen. Heißgetränke und Feierabendbier aber nicht: Sie könnten umfallen, andere verbrühen oder Bücher beschmutzen. Als Faustregel gilt: Was riecht oder raschelt, wird draußen gegessen.

Hygiene und alte Socken: Nach dem Sportkurs in die Vorlesung? Da ist Duschen und Umziehen eigentlich Pflicht. Bei einer Veranstaltung mit so vielen Leuten gilt es, Rücksicht zu nehmen, sagt Hanisch, der auch Lehrbeauftragter an der Cologne Business School ist. Falls zwischen zwei Kursen keine Zeit bleibt, sei die „Deo-Dusche” besser als gar nichts. Wer frische Kleidung nicht zur Hand hat, sollte sich nicht mitten ins Auditorium setzen.

Styling und Körperpflege: Auch Haare kämmen, schminken, rasieren oder Nägel schneiden kommt nicht gut an im Uni-Hörsaal. „Das ist störend bis eklig”, erklärt Stiltrainer Schaumann. Selbst die Nase pudern oder kurz den Lippenstift nachziehen gehöre sich eher nicht. „Man geht ja nicht zu einer Party.” Deshalb besser auch mit Düften sparen: Ein Tagesparfüm sei frisch und dezent. Im Zweifel: Mitbewohner fragen!

Bikini im Hörsaal: Wer sich statt des Schwimmbad-Besuchs doch für die Vorlesung entscheidet, sollte trotzdem nicht in Badekleidung kommen. Gerade der Bikini sei nicht angebracht, sagt Etikette-Experte Hanisch. „Das lenkt andere ab.” Wickelrock, Tunika oder Pareo sind Alternativen. Flip-Flops, Bermuda-Shorts oder T-Shirt können aber jederzeit getragen werden, so Schaumann.

Flirten, Kuscheln, Knutschen: Die Uni ist die Kontaktbörse schlechthin. Zum Kennenlernen gibt es immer einen Aufhänger, weiß Schaumann aus Erfahrung. Im Hörsaal gelte das nur bedingt: So schön Kuscheln und Knutschen für Pärchen ist, so nervtötend ist es für die Zuschauer. Ebenso das Anbaggern: „Ein Flirt sollte lieber nach der Vorlesung vertieft werden - beim gemeinsamen Kaffee oder Mensa-Besuch.”

Krank zur Uni gehen: Die Nase läuft, der Hals kratzt. Nachts noch Fieber und dann zur Uni? „Lieber nicht”, rät Schaumann. Gerade vor Prüfungen sollte man aufpassen, dass man andere nicht ansteckt. Daneben sind lautes Schneuzen und Husten oft störend für Anwesende, sagt Horst Hanisch.

Wie Dozenten sich gegen Störer wehren

Kreide und Schwämme nach Schwätzern schmeißen - das konnte man früher machen. Effektiver sei, sie öffentlich bloßzustellen, hat Milo Vec beobachtet, der auch Jura an der Uni in Frankfurt am Main lehrt. „Sie wollen doch hier nicht essen?!”, sei ein möglicher Appell. Das Reden zu unterbrechen, ist eine weitere Taktik, auf Störer hinzuweisen. Teils mache es auch Sinn, den Grund der Unruhe zu erfragen: Kursiert plötzlich ein wichtiges Ereignis im Web, dürfe das kurz Thema werden.

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