Die Campus-Bahn wird nicht gestoppt

Von: Christoph Classen
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Entschieden: Der Campus-Melaten wird gebaut. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ist der Zug für die Campus-Bahn schon abgefahren? Andreas Müller (Linke) beschlich dieser Verdacht, zumindest klang es in den Ohren von Gisela Nacken so. Die Beigeordnete antwortete nämlich auf den Wortbeitrag Müllers folgendermaßen: „Sie stellen Fragen, die den Eindruck vermitteln, man wolle die Campus-Bahn nicht. Das ist nicht so.”

Vielmehr habe die Verwaltung „alles gemacht, was planungsmäßig möglich ist”, um eine Trasse für das alternative Verkehrssystem realisieren zu können.

Es war die erste Sitzung des nun in Mobilitätsausschuss umbenannten Verkehrsausschusses. Und sie brachte Bewegung in die Straßenplanung für den Campus Melaten. Die wurde nach den Vorstellungen der Verwaltung von den Ausschussmitgliedern beschlossen.

Ein wichtiger Schritt hin zur Realisierung des ambitionierten Projekts, das im Nord-Westen Aachens auf einem rund 270.000 Quadratmeter großen Areal die Forschungslandschaft entstehen lassen soll, in der RWTH und Unternehmen Hand in Hand arbeiten. Das sagte Uwe Müller vom städtischen Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen: „Es geht darum, im Gleichklang zum Bebauungsplanverfahren die Erschließungsthematik weiter zu bearbeiten.” Beides müsse im Einklang zueinander stehen.

Und weil der Zeitrahmen für die Verabschiedung des Bebauungsplans recht eng ist, gilt gleiches auch für die Straßenplanung. Letztere sieht generell auch ein alternatives Verkehrskonzept vor. Die Ideen reichen von Schienen- bis Seilbahn, laut Uwe Müller wird es im kommenden Januar eine Diskussion geben, von der die Einigung auf ein Modell zu erwarten ist. Die Straßenplanung soll aber - siehe oben - schon vorher verabschiedet sein. Deswegen ist in ihr derzeit kein Verkehrserschließungskonzept für eine Bahn vorgesehen. Laut Verwaltungsmann Müller sei das aber für die spätere Realisierung einer solchen unproblematisch.

Anders sieht das Linken-Vertreter Andreas Müller. Er forderte eine „Planung aus einem Guss”, die bereits jetzt eine Trasse für das alternative Verkehrssystem berücksichtige. Bis die Bahn kommt, könne sie ja von Bussen genutzt werden. Das koste nichts „außer ein wenig Zeitverzögerung”, so Müller. Zudem kritisierte er, dass die Radwege innerhalb des Plangebiets an einigen Stellen nur 1,5 Meter breit seien.

Damit schien auch Achim Ferrari (Grüne) nicht ganz glücklich: „Das ist sehr knapp. Aber ich habe noch mal nachgesehen, wir haben das so schon im März beschlossen.” Die Verwaltung führte für die Enge der Radwege ökologische Gründe an. „Wir haben um jeden Zentimeter schützenwerten Gutes gekämpft. Da muss man eben auch beim Radverkehr Kompromisse machen”, sagte Nacken. Ziel der Verwaltung war es, möglichst wenig Fläche zu versiegeln, weil diese eine wichtige Versickerungsfunktion erfülle.

Zwei je 2,35 Meter breite Fahrbahnen sollen Radlern dagegen auf dem großen Kreisverkehr im äußersten Süden des Planungsgebiets zur Verfügung stehen, für den die Verwaltung den Namen „ovale Ringfahrbahn” geprägt hat.

Das trieb allerdings Aseag-Vertreter Hermann Paetz Sorgenfalten auf die Stirn, der befürchtete, das den Bussen zu wenig Platz bleibt und damit der komplette Verkehrsfluss zum Erliegen kommt. Deswegen sollen die Radwege jetzt mit gestrichelten Markierungen gekennzeichnet werden, so dass diese auch von anderen Verkehrsteilnehmern nutzbar sind. CDU, SPD, Grüne und FDP stimmten für die Verkehrsplanung, die Linke nicht. Das sei aber „nicht die Bibel”, sagte Gaby Breuer (CDU). Änderungen sind noch möglich.

Seffenter Weg: Berliner Kissen und (zumindest vorerst) kein Tempo 30

Nachdem die Zählstellen für den Verkehr auf der Hörn installiert wurden (www.aachen.de/DE/stadt_buerger/verkehr_strasse/), ist der Weg frei für die lange beschlossenen Sofortmaßnahmen zum Schutz der Anwohner.

„Berliner Kissen” sollen dabei zum Einsatz kommen, laut Dezernentin Gisela Nacken sind sie effektiv: „Für Pkw-Fahrer wird das ein ziemlich unangenehmes Gerumpel.” Die Bodenschwellen sollen auf dem Seffenter Weg südlich des Kastanienwegs und nördlich der Einmündung Mies-van-der-Rohe-Straße eingerichtet werden. Das beschloss der Mobilitätsausschuss einstimmig.

Vom Tisch ist damit eine abknickende Vorfahrt an der Einmündung Mies-van-der-Rohe-Straße-/Seffenter Weg (Bild), für die zunächst 32000 Euro veranschlagt waren. Die Verwaltung betont, die „Berliner Kissen” seien besser und deutlich günstiger. Ebenfalls vom Tisch ist zumindest vorerst die Eingliederung des Seffenter Weges in eine Tempo-30-Zone, die von der SPD beantragt worden war.

Dieses Tempolimit soll erst im Zuge der verkehrlichen Erschließung des Campus-Melaten eingeführt werden. Uwe Müller vom Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen begründete: „Ansonsten haben wir da Schilder aufgestellt, die nur mit Hilfe der Polizei eingehalten werden.”
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