Kassel/Hannover - Der Master zahlt sich aus: Absolventengehälter im Vergleich

Der Master zahlt sich aus: Absolventengehälter im Vergleich

Von: Tobias Schormann, dpa
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Der Master zahlt sich aus: Absolventengehälter im Vergleich
Ingenieure sind gefragt - ein Bachelor-Abschluss ist für sie langfristig nicht zwangsläufig mit weniger Einkommen verbunden. Foto: dpa

Kassel/Hannover. Angehende Ärzte fahren später dicke Autos, Germanisten lernen brotlose Kunst. Ganz so einfach ist es zwar nicht. Dennoch: Bei der Studienwahl entscheiden Schulabgänger auch über ihr späteres Einkommen. Wie viel ihr Abschluss auf dem Arbeitsmarkt wert ist, hängt aber nicht nur vom Fach ab.

Auch Uni- und FH-Abgänger werden nicht gleich gut bezahlt, und Bachelor und Master sind unterschiedlich lukrativ. Das einmal durchzurechnen, kann sich also lohnen. Dabei gilt es, mit gängigen Vorurteilen aufzuräumen.

BACHELOR IST ZWEITE KLASSE: Auf den ersten Blick scheint das zu stimmen - zumindest beim Einstiegsgehalt. Absolventen mit Bachelor (BA) verdienen beim Berufsstart deutlich weniger als Akademiker, die länger studiert haben: Ihr Einkommen ist im Schnitt etwa 15 bis 20 Prozent geringer als bei den alten Abschlüssen, wie Harald Schomburg von der Uni Kassel erläutert. Er und sein Team haben in einer Studie die Angaben von rund 35.000 Absolventen des Prüfungsjahrgangs 2007 ausgewertet.

Offen ist aber, ob diese Lücke längerfristig bestehen bleibt. Bei Ingenieuren zum Beispiel ist das nicht so, wie eine Studie vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln ergeben hat: „Nach drei bis fünf Berufsjahren nähern sich die Gehälter an”, erläutert der Geschäftsführer Hans-Peter Klös. Dann erreichen Bachelorabsolventen bei 80 Prozent der 1753 befragten Unternehmen das gleiche Gehalt wie Ingenieure mit Diplom. Der Satz „Der Bachelor ist ein Zweite-Klasse-Abschluss” ist also nur die halbe Wahrheit.

LÄNGER STUDIEREN LOHNT SICH: Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Den Master (MA) machen zahlt sich aus. Nach der Studie der Uni Kassel haben regulär Beschäftigte mit einem Bachelor einer Fachhochschule nach 18 Monaten ein Einkommen von 2635 Euro brutto, bei Uni-Abgängern sind es 2241 Euro. MA-Absolventen liegen mit Werten von 3284 Euro (FH) und 2803 Euro (Universität) deutlich darüber.

FH-ABSCHLUSS BRINGT WENIGER EIN: Uni-Absolventen verdienen auf lange Sicht gesehen im Schnitt mehr als FH-Abgänger, wie Kolja Briedis vom Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover erklärt. So verdienen vollzeitbeschäftigte Uni-Absolventen zehn Jahre nach ihrem Abschluss im Schnitt 64.300 Euro brutto im Jahr - bei der Fachhochschule sind es nur 59.400 Euro. Das HIS hat mehr als 5000 Absolventen mehrmals innerhalb von zehn Jahren befragt.

Das spiegele sich auch in einzelnen Fächern wieder. Während ein Bauingenieur von der Uni nach zehn Jahren ein Bruttojahreseinkommen von 56.100 Euro hat, bringt es sein Fachkollege mit FH-Abschluss nur auf 49.700 Euro. Auch in Elektrotechnik ist das Verhältnis 70.900 zu 64.200 Euro zugunsten der Uni-Absolventen. „In Deutschland wird eben stark nach dem formalen Abschluss bezahlt”, sagt Briedis. Bei den alten Abschlüssen zähle einer der Uni daher oft noch mehr als einer der FH. Die „Demarkationslinie” werde sich aber verschieben und künftig eher zwischen Bachelor und Master liegen.

Beim Berufseinstieg ist es der Uni Kassel zufolge teilweise allerdings umgekehrt: 1,5 Jahre nach dem Abschluss beträgt das monatliche Bruttoeinkommen von regulär erwerbstätigen Uni-Absolventen im Schnitt 2768 Euro - bei der Fachhochschule sind es 2852 Euro. Und Ausnahmen bestätigen die Regel: So verdienen zum Beispiel FH-Informatiker (77.300 Euro) laut dem HIS nach zehn Jahren im Schnitt deutlich mehr als ihre Uni-Kollegen (70.800 Euro).

JURA TOP - GERMANISTIK FLOP: Schaut man sich die nackten Zahlen an, dürfte eigentlich niemand eine Geistes- oder Sozialwissenschaft studieren. Denn lukrativ sind sie dem HIS zufolge nicht: FH-Abgänger im Fachbereich Sozialwesen kommen im Schnitt auf ein Jahresgehalt von rund 37.500 Euro brutto, Uni-Pädagogen verbuchen 41.700, Sprach- und Kulturwissenschaftler 51.300 Euro. Das große Geld lockt hier also nicht. „Das erwartet in diesen Fächern aber auch keiner”, sagt Briedis. „Romanistik zum Beispiel studiert man eher aus Interesse.” Das deckt sich mit einer Studie vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit: Demnach schätzen Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaftler eher Spaß und intellektuelle Entfaltungsmöglichkeiten an ihrer Arbeit.

Hohe Gehaltsaussichten versprechen laut Briedis zum einen die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Maschinenbauer mit Uni-Abschluss etwa haben ein Jahreseinkommen von 76.200 Euro. Aber auch bei Wirtschaftswissenschaftlern von der Uni kann sich das Gehalt mit 77.800 Euro sehen lassen.

Klassiker sind dabei nicht immer die beste Wahl. Humanmediziner erreichen inklusive aller Zulagen zwar 79.000 Euro. Fächer wie Jura seien heute aber keine sichere Bank mehr, sagt Briedis. Und mit 69.600 Euro im Schnitt ist längst nicht jeder Jurist ein Spitzenverdiener. Manche neuartigen Fächer sind dagegen einträglicher als Traditionsdisziplinen: Wirtschaftsingenieure etwa gehören mit mehr als 100.000 Euro im Jahr zu den Topverdienern unter Absolventen.

In „Frauenfächern” verdienen Absolventen weniger

In Fächern mit hohem Frauenanteil verdienen Absolventen oft weniger als in Fachrichtungen mit mehr männlichen Studenten. Das hat eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung ergeben. Demnach haben Absolventen aus Fächern wie Sozial- oder Erziehungswissenschaften ein um 26 Prozent niedrigeres Einkommen als Abgänger in klassischen „Männerfächern” wie Ingenieurswissenschaften.
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