Der Kampf mit dem Kleingedruckten: Bafög rechtzeitig beantragen

Von: Sascha Rettig, dpa
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Dresden/Hannover. Vor Studienbeginn müssen oft tausend Dinge erledigt werden - das kann ganz schön stressig sein. Damit dann nicht auch noch das Konto leer ist, müssen angehende Studenten die Studienfinanzierung frühzeitig klären. Das gilt besonders, wenn sie Bafög beantragen wollen. Denn um in den Genuss der staatlichen Ausbildungsförderung zu kommen, ist oft ein kleiner Papierkrieg nötig.

Einfach zu durchschauen ist der Paragrafendschungel nicht. Ein Versuch lohnt sich aber auf jeden Fall.

„Wichtig ist, den Bafög-Antrag rechtzeitig zu stellen, da die Bearbeitungszeit bis zu zwei Monate dauern kann”, rät Manfred Krebs, Leiter des Bafög-Amts im Studentenwerk Dresden. Generell gelte: Wird der Antrag vor Studienbeginn gestellt, gebe es die Förderung ab dem ersten Monat der Ausbildung. Wer aber zu spät kommt und seinen Antrag erst im Laufe des Semesters abgibt, hat das Nachsehen: Dann bekommt er die Förderung erst ab dem Monat, in dem der Antrag im Amt eingeht.

Die benötigten Formulare für die Förderung, die jeweils zur Hälfte als Zuschuss und als zinsloses Darlehen gezahlt wird, gibt es entweder direkt im Amt für Ausbildungsförderung oder auf der Internetseite www.das-neue-bafoeg.de.

„Das Ausfüllen bereitet eigentlich selten Probleme, denn es gibt zu jedem Formblatt auch ein Erklärungsblatt”, sagt Andreas Bill vom Studentenwerk Hannover, der dort in der Bafög-Abteilung tätig ist. Häufiger komme es vor, dass Dokumente fehlen, die mit den Antragsformularen eingereicht werden müssen. „Dann verzögert sich natürlich auch die Bearbeitungszeit.”

Deshalb ist es sinnvoll, den Antrag persönlich im Amt für Ausbildungsförderung abzugeben, um festzustellen, ob Dokumente nachgereicht werden müssen. „Dann kann der Sachbearbeiter den Antrag gleich durchgehen und genau aufschreiben, was noch fehlt”, erläutert Krebs. Grundsätzlich gehören zum Antrag unter anderem die Immatrikulationsbescheinigung, ein Nachweis der Mietkosten und ein Kontoauszug vom Zeitpunkt der Antragstellung.

Heute erhält rund jeder vierte Student Bafög - 43 Prozent davon bekommen laut dem Statistischen Bundesamt den Höchstsatz, der derzeit 648 Euro im Monat beträgt. Wie hoch die Unterstützung ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. „Das kommt auf das Einkommen der Eltern an und welche Freibeiträge sie haben”, erläutert Bill. „Oder ob es beispielsweise noch Geschwister gibt, die sich ebenfalls in einer Ausbildung befinden.”

Deshalb müssen die Eltern ein Formblatt zu ihren Familien- und Einkommensverhältnissen ausfüllen. „Maßgeblich ist dabei das Einkommen aus dem vorletzten Kalenderjahr”, erklärt Krebs. „Für den Fall, dass das in der Zwischenzeit niedriger geworden ist, kann man aber auch einen Antrag auf Aktualisierung stellen.”

Es gibt aber auch Fälle, in denen Studenten unabhängig vom Einkommen der Eltern gefördert werden. Dazu müssen bestimmte Bedingungen erfüllt werden: „Eine dieser Voraussetzungen ist, dass man vor Beginn der Ausbildung, aber nach Vollendung des 18. Lebensjahres bereits fünf Jahre erwerbstätig war”, erläutert Krebs. „Oder man hat beispielsweise eine dreijährige Ausbildung hinter sich und war darüber hinaus drei Jahre erwerbstätig.”

Wer selber genug Geld verdient oder eigenes Vermögen von mehr als 5200 Euro hat, wird nicht gefördert. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich Bafög-Empfänger nichts dazuverdienen können. „Auszubildende dürfen kontinuierlich einem 400-Euro-Minijob nachgehen, ohne dass monatliche Abzüge von der Förderung vorgenommen werden”, sagt Tiziana Zugaro, Sprecherin des Bundesbildungsministeriums in Berlin.

Darüber hinaus können Auszubildende, die Kinder unter zehn Jahren haben, einen Extra-Zuschuss bekommen. „Der Zuschlag für Kinderbetreuung wird pauschal und als Vollzuschuss zusätzlich zum Bedarfssatz bewilligt”, erklärt Zugaro. Das bedeutet, dass davon später nichts zurückgezahlt werden muss. Dieser Kinderbetreuungszuschlag beträgt 113 Euro monatlich für das erste Kind und 85 Euro für jedes weitere.

Wer statt in Deutschland lieber gleich vom ersten Semester an im Ausland studieren möchte, kann seit 2008 ebenfalls Bafög beantragen. „Die obligatorische Orientierungsphase, die es früher gab, ist für Aufenthalte innerhalb der EU und der Schweiz jetzt weggefallen”, sagt Zugaro. Damit seien Studierende nicht mehr gezwungen, ihr Studium in Deutschland zu beginnen, sondern könnten auch für Ausbildungsgänge Bafög bekommen, die vollständig im europäischen Ausland absolviert werden. „Dabei wird die Auslandsförderung, die früher als Vollzuschuss geleistet wurde, Studierenden künftig - wie die Inlandsförderung auch - mit hälftigem Darlehensanteil gewährt.”

Bafög-Rechner im Internet

Um vorab zu prüfen, ob Anspruch auf Unterstützung besteht, können Bafög-Rechner im Internet hilfreich sein. „Dazu müssen allerdings auch die richtigen Daten eingegeben werden”, sagt Andreas Bill vom Studentenwerk Hannover.

Vom Geschwisterfreibetrag bis zu den korrekten Mietkosten schleichen sich bei vielen Studierenden Fehler ein. Deshalb kann der Bewilligungsbescheid später durchaus negativ ausfallen - unter Umständen kommt aber auch mehr heraus als erwartet.
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