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Campusbahn: Die Bürger sollen mitbestimmen

Von: Gerald Eimer
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Aachen. Stuttgart 21 ist überall - sogar auf dem RWTH-Campus. Dort wollen Politik und Verwaltung bekanntlich den Neueinstieg in den Schienenverkehr wagen und eine Campusbahn aufs Gleis setzen.

Inzwischen zeichnet sich immer deutlicher ab, dass dieses Megaprojekt nicht ohne breite Bürgerbeteiligung angegangen werden soll. Auch ein Bürgerentscheid zur Wiedereinführung der Stadtbahn ist denkbar.

Erstmals bringt jetzt Roland Jahn, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen und Vorsitzender des Mobilitätsausschusses, diese Variante ins Spiel. „Ohne Bürgerbefragung wird es aus meiner Sicht keinen Baubeschluss geben”, sagte er beim sogenannten Grünen Donnerstag, dem monatlichen Treffen im Parteibüro, in dem sich diesmal alles um die Campusbahn drehte. „Wir brauchen ein breites bürgerschaftliches Votum”, betonte er vor knapp 40 Anwesenden, unter ihnen Aseag-Chef Hans-Peter Appel.

Zum Streitfall könnte die Campusbahn vor allem wegen ihrer gewaltigen Kosten werden. Einer ersten Machbarkeitsstudie zufolge müssten für die Trasse vom Bushof zur Vaalser Grenze samt der nötigen Bahnen 126 Millionen Euro aufgebracht werden. Und das wäre erst der Anfang. Denn inzwischen sind Politik und Verwaltung überzeugt, dass die benötigten Fördermittel nur fließen und ein wirtschaftlicher Betrieb nur möglich ist, wenn die Linie mindestens bis Brand weitergeführt wird. Appel spricht sich gar dafür aus, den großen Wurf zu wagen und auf die Pläne von 1998 für ein stadtweites Straßenbahnnetz zurückzugreifen.

Doch schon damals hatte dies zu erheblichen politischen Kontroversen geführt. Rot-Grün wurde wenig später abgewählt, das Projekt wurde beerdigt. Mit der Campusbahn soll nun ein neuer Anlauf erfolgen, wobei auch diesmal harte Auseinandersetzungen erwartet werden. CDU, SPD, Grüne und Linke ziehen bislang an einem Strang und haben sich als klare Befürworter positioniert. Ablehnend bleibt die FDP, unter anderem, weil Doppelgelenkbusse eine ähnlich gute Beförderungskapazität bei deutlich niedrigeren Investitionen hätten.

Aus Sicht der Befürworter ist die Stadtbahn jedoch ein innovatives und nahezu emmissionsfreies Verkehrsmittel der Zukunft, das die Stadt deutlich attraktiver mache.

Vorerst gelte es, eine seriöse Kostenberechnung zu erstellen, sagt Gaby Breuer, verkehrspolitische Sprecherin der CDU, die sich grundsätzlich auch für eine Bürgerbeteiligung erwärmen kann. Ähnlich sehen es Peter Blum (FDP) und Michael Servos (SPD): „Wenn alle Fakten vorliegen, ist eine Bürgerbefragung sinnvoll.” Zurückhaltend bleibt Andreas Müller (Linke), der eine „umfassende Information” wichtiger findet als einen Bürgerentscheid. „Wir müssen die Bürger mitnehmen und von den Vorzügen einer Stadtbahn überzeugen.”

Mitte nächsten Jahres sollen die wesentlichen Zahlen vorliegen. Spätestens dann muss der Grundsatzbeschluss zur Campusbahn fallen, und spätestens dann werden die Politiker in Aachen zeigen müssen, was sie aus dem Desaster um den Bahnhofsbau in Stuttgart gelernt haben.

Die wichtigsten Daten zur bisher geplanten Campustrasse zwischen Bushof und Grenze: knapp acht Kilometer lang, 14 Haltestellen, Gesamtfahrzeit 20 Minuten. Pro Stunde können bis zu 900 Menschen befördert werden. Die Gesamtinvestitionskosten sind auf rund 126 Millionen Euro veranschlagt. Bis zu 90 Prozent der Kosten werden im Idealfall von Land, Bund und EU übernommen. Die jährlichen Betriebskosten liegen bei rund 6,5 Millionen Euro. Inbetriebnahme nicht vor 2020.

Der Planungsausschuss hat bereits den Termin bestimmt, an dem Anwohner und interessierte Bürger in einer öffentlichen Veranstaltung über die Ziele und die Bauvorhaben des sogenannten Campus West informiert werden sollen. So lädt die Stadt für den 8. Februar zu einem umfassenden Informationsabend ein, an dem auch der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes NRW gemeinsam mit Vertretern der Campus GmbH das Großprojekt vorstellen wird. Bei dem Vorhaben wird es unter anderem darum gehen, wie beispielsweise die Eingangssituation am Republikplatz geplant wird oder welche Höhe die geplanten Hochhäuser erreichen sollten. Ebenso wird das Verkehrskonzept auf dem Prüfstand stehen.
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