Campus: Für die Zauberformel fehlen Wohnungen

Von: Christoph Classen
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Versuchten das Erfolgsgeheimnis einer attraktiven Stadt zu lüften: Hans Hoorn (von hinten nach vorne), Harald Heinz (verdeckt), Lars Klatte, Rolf Pangels und Werner Wingenfeld im Gespräch mit AZ-Redakteur Robert Esser. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Bedenken von Dr. Hans Hoorn sind durchaus elementarer Natur. Der niederländische Stadtsoziologe bezweifelt gar, dass das, was die RWTH in den Bereichen Melaten und Westbahnhof derzeit plant, seinen Namen überhaupt verdient hat.

Auf beiden Arealen soll bekanntlich ein Campus entstehen. Hoorn glaubt das nicht. Weil auf einem Campus nach gängiger Definition nicht nur geforscht und gearbeitet, sondern auch gewohnt wird. Gebäude, die letztere Funktion erfüllen, konnte Hoorn trotz intensiven Studiums der aktuellen Pläne nirgendwo entdecken. Deswegen fiel sein Urteil folgendermaßen aus: „Ich möchte hier nicht tot gefunden werden.”

Für markige Sprüche ist der Mann, der unter anderem als Direktionsmitglied des Maastrichter Stadtentwicklungsamtes tätig war, bekannt. Sicher ein Grund, warum er als Referent zur Podiumsdiskussion zum Thema RWTH Campus - veranstaltet von Initiative Aachen, RWTH-Aachen-Campus GmbH und Zeitungsverlag Aachen - eingeladen worden war.

Ausschlaggebend war aber sicher der Sachverstand, Hoorn gilt als renommierter Experte in Sachen Stadtentwicklung. „Wohnen und Einkaufen” lautete das Thema der fünften Veranstaltung zum Campus, bei der Professor Gisela Engeln-Müllges, Vorstandssprecherin der Initiative Aachen, gut 400 Zuhörer begrüßen konnte. Moderiert wurde das Ganze von AZ-Redakteur Robert Esser, der die gewaltige Aufgabe lösen musste, dem Podium ähnlich konkrete Aussagen zu entlocken, wie sie Hoorn freiwillig verlauten ließ.

Der Niederländer war dazu aufgerufen, das Geheimnis der Attraktivität einer Stadt zu verraten. „Ich denke, es gibt da eine Zauberformel”, sagte Hoorn. Deren Anwendung gelänge aber nicht jedermann. Es bräuchte vielmehr „Visionen”, Stadtplaner, die „urbanen Magiern” glichen und die bereit sein müssten, „Kopf und Kragen zu riskieren”.

Hoorns Zauberformel für die attraktive Stadt liest sich dagegen vergleichsweise profan und besteht im Wesentlichen aus sechs Zutaten: Arbeitsplätze, historische Innenstadt, schöne Architektur, Angebote unterschiedlichen Wohnraums, kulturelles Angebot plus Fußballverein, Nähe zur Natur und wenige Gewaltverbrechen.

Gemessen an diesen Faktoren, sieht Hoorn Aachen generell gut aufgestellt. Einzige Ausnahme: die Architektur. Der Bushof ist ein Beispiel. „Abreißen, am besten morgen”, sagte Hoorn. Und dass er in den Campus-Plänen keine Wohnbebauung findet, das gefällt ihm gar nicht.

„Wohnen und Einkaufen in den Campus zu integrieren, ist eine unserer zentralen Bemühungen”, versicherte Dr. Harald Heinz, Stadtplaner und Mitglied des Architektenbeirats. Lars Klatten, der bei der RWTH-Aachen-Campus GmbH für den Bereich Wohnbebauung zuständig ist, stellte allerdings klar: „Wenn man große Entwicklungsinstitute in die Stadt holt, schließt das eben an manchen Stellen Wohnraum aus.” Da hilft wohl auch eine Zauberformel nicht wirklich weiter.
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