Biomaterialien: Tiefgekühltes Kapitel für die Forschung

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
6032585.jpg
Geprüft, gesichert und gut vorbereitet: Bis eine Gewebe-, Urin- oder Blutprobe in die Zentralisierte Biomaterial Bank aufgenommen wird und ihren Platz in einem der großen Spezialkühlschränke findet, durchläuft sie einen strengen Vorbereitungsprozess. Fotos (3): Ralf Roeger Foto: Ralf Roeger
6032586.jpg
Sie organisieren das Gedächtnis und den Datenschutz der RWTH Biomaterial Bank: Diplom-Informatiker Phi-lipp Leusmann (rechts, Biobank Manager IT) und Dr. Cord Spreckelsen, Wissenschaftlicher Berater für IT. Foto: Ralf Roeger
6032587.jpg
Ein gutes Team im RWTH-Institut für Pathologie: (von links) Dr. Jürgen Veeck (Manager Labor), Professor Dr. Ruth Knüchel-Clarke (Medizinische Leitung), Professor Dr. Edgar Dahl (Wissenschaftliche Leitung) und Dr. Jörg Jäkel (Manager Medizin). Foto: Ralf Roeger

Aachen. Krebserkrankungen wie die Tumore der Lunge, der Prostata oder der Brust, erbliche Nervendegeneration, die Parkinson‘sche Erkrankung, Wachstumsstörungen – die Liste der Bereiche, in denen die Forschung auf Hochtouren läuft, lässt sich weiter fortführen.

„Biologische Materialien wie Gewebeproben, Blut und Urin sind die Basis, um eine personalisierte, am Menschen orientierte Medizin zu erreichen”, betont Professor Dr. Edgar Dahl, Institut für Pathologie/Lehr- und Forschungsgebiet Tumorpathologie sowie Wissenschaftlicher Leiter der Zentralisierten Biomaterialbank der Uniklinik RWTH Aachen (RWTH cBMB).

Gemeinsam mit Professor Dr. Ruth Knüchel-Clarke, Leiterin des Instituts für Pathologie und Medizinische Leiterin der Biomaterialbank, sowie einem hoch spezialisierten Team aus Technikern, Pathologen, Biologen und Informatikern, ist er stolz darauf, dass zwei Jahre, nachdem die RWTH Aachen 2011 als einer von fünf universitären Standorten vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für den Aufbau einer Biobank ausgewählt wurde, die Aufbauarbeit jetzt abgeschlossen ist und die Biobank ihre Dienste anbieten kann.

Schon 16.000 Proben

Im Zuge der „Nationalen Biomaterialbanken-Initiative“ wird das Aachener Projekt bis 2016 mit insgesamt 1,3 Millionen Euro gefördert. Die Trägerschaft wird danach die Medizinische Fakultät der RWTH Aachen übernehmen.

Inzwischen konnten bereits 16.000 Biomaterialproben verschiedener Kliniken erfasst, verarbeitet und eingelagert werden. Die Schubladen der ersten zehn von geplanten 20 mannshohen Spezial-Kühlschränken mit einer Kühltemperatur von etwa Minus 80 Grad Celsius füllen sich – und sie sind höchst sensibel. Bereits beim Öffnen und Schließen zeigen sie einen drohenden Kühlverlust an, und wenn es nur ein Grad ist.

Sind die Lagerungs- und Arbeitsräume im Uniklinikum erstmal vollständig ausgebaut, agiert die Biobank auch äußerlich als geschlossener Komplex. „Unser Ziel ist die bestmögliche Ausnutzung der verfügbaren Ressourcen“, versichern Diplom-Informatiker Philipp Leusmann (Biobank Manager IT) und Dr. Cord Spreckelsen, Wissenschaftlicher Berater für IT. Es geht nicht nur um eine optimale Probenverwaltung, sondern um Datenschutz. „Das funktioniert tatsächlich anders, als bei der klinischen Routine”, sagt Leusmann.

„Nach der Einwilligung der Spender, also der Patienten, findet eine organisatorische Trennung zwischen den Daten einer Materialprobe und den Angaben zur Person statt, es wird pseudonymisiert gearbeitet.“

Ein „externer Datentreuhänder“ bewahrt die Informationen über einen Spender. Als Teil des Instituts für Pathologie sieht man sich mit der Biomaterialbank, wie Dahl und Ruth Knüchel-Clarke betonen, an einem „idealen Schnittpunkt von klinischer Routine und wissenschaftlicher Forschung“.

Biomaterialien wurden auch schon vor Gründung der Zentralisierten Biobank zu Forschungszwecken gesammelt – jetzt wirken wichtige Klinken des Uniklinikums und das ECCA (Euregionales comprehensive Cancer Center Aachen) bereits mit im großen Verbund, dem sich in Zukunft noch weitere „einliefernde“ Einrichtungen anschließen werden. „Damit stellen wir die Forschung auf eine Basis, die zunehmend interdisziplinärer und vernetzter wird. Zur Forschung braucht man zuverlässig dokumentiertes Probenmaterial“, versichert Edgar Dahl.

Und wie wird für Qualität gesorgt? Hier arbeiten Dr. Jürgen Veeck, Leiter des Biobank-Labors (Biobank Manager Labor) und Dr. Jörg Jäckel, Oberarzt im Institut für Pathologie und verantwortlich für den medizinischen Part als Biobank-Manager Medizin, Hand in Hand. „Wir leisten bei den Patienten Aufklärungsarbeit. Sobald sie von der Arbeit einer Biobank erfahren, willigen fast alle ein.“

Beim Blut werden meist die Derivate, also Plasma und Serum, eingelagert. Und Gewebeproben? „Vielfach wurde im Rahmen der Diagnostik Gewebe entnommen, da bleiben für uns noch wichtige Materialien übrig.“ Laborwerte, Röntgenergebnisse, histologische Ergebnisse, Informationen zur Tumorgröße und viele Ergebnisse mehr geben der Probe ihre Qualität, um späterer Forschung zu dienen.

Was eignet sich überhaupt?

Und bevor sie eingelagert wird, muss sicher sein, dass sie ich auch eignet. „Eine Gewebeprobe, die zum Beispiel gar keine Tumorzellen enthält, eignet sich nicht”, betont Veeck. „Bei Biopsien trifft man ja nicht immer Tumorgewebe, selbst dann, wenn eine Erkrankung vorliegt.“

Doch es geht nicht ausschließlich um die Erforschung von Krebserkrankungen und die Suche nach individuellen Therapien. „Bluthochdruck, Erkrankungen der Herzkranzgefäße, kurz alle Volkskrankheiten beschäftigen uns, grundsätzlich sind am häufigsten neurologische, onkologische und kardiologische Probleme, aber auch psychische Krankheiten”, versichert Ruth Knüchel-Clarke, die aufatmet: „Früher hat jeder für sich gearbeitet, jetzt herrscht große Offenheit unter den beteiligten Kliniken, zumal wir saubere ethische Bedingungen bieten.“

Wer die Biomaterialien der RWTH cBMB für ein Forschungsprojekt nutzen möchte, stellt einen offiziellen Antrag an die Biobank, der vor Herausgabe von Proben sorgfältig geprüft wird. „Wir sind zuversichtlich, dass die RWTH cBMB durch die Bereitstellung hochwertiger Biomaterialien einen Beitrag zur Weiterentwicklung der personalisierten Medizin leistet“, betont Dahl.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert