Bildungsstreik: Protest statt Glauben an Wahlversprechen

Von: Christoph Classen
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Aachen. Wenn sie den Wahlplakaten Vertrauen schenken könnten, würden sie sich ihr Engagement sparen. Denn Lisa Schülke, Andreas Schmidt und Jens Wegener setzen sich für bessere Bildung ein. Genau das scheint das Ziel aller Parteien.

Es steht zumindest auf ihren Plakaten. Und so begründen sie, warum bei der Landtagswahl am 9. Mai jede Stimme bei ihnen am besten aufgehoben ist.

Jens Wegener kann den Versprechungen nicht recht glauben. Der junge Mann, Bachelor-Student der Politikwissenschaft und Soziologie an der RWTH, hat einfach schlechte Erfahrungen gemacht. Im vergangenen Jahr sind Auszubildende, Schüler und Studenten auf die Straße gegangen. 3000 waren es in Aachen, Bildungsstreik haben sie die Aktion genannt. Ihre Forderungen wurden von der Politik wohlwollend zur Kenntnis genommen. Passiert ist nichts.

„Was wird umgesetzt?”

Deswegen bittet Wegener nun erneut zum Streik. Am Donnerstag um 11.30 Uhr treffen sich die Demonstranten am Theaterplatz, danach ziehen sie zum Elisenbrunnen, wo es dann eine finale Kundgebung geben soll. „Wir sehen, dass das Thema Bildung den Wahlkampf dominiert. Aber was wird umgesetzt?”, fragt Wegener.

Den Parteien jedenfalls wollen sie auf den Füßen stehen, und deswegen gehen sie auf die Straße. Noch mehr Gruppen als beim letzten Mal seien dabei, neben Schülern, Azubis und Studenten von Fachhochschule (FH), Katholischer Hochschule sowie RWTH streikten diesmal auch Mitglieder von politischen Gruppen und Gewerkschaften. Das sagt Jens Wegener als Vertreter des organisierenden Bildungsstreikbündnisses.

Ihre Forderungen sind weitgehend unverändert geblieben. Mehr Azubis sollen übernommen werden, und Betriebe, die keine Ausbildungsplätze anbieten, müssten das finanziell ausgleichen. Auch in den Schulen gibt es Reformbedarf, sagt Lisa Schülke, Elftklässlerin an der Montessori-Gesamtschule: „Die Kopfnoten halten wir für ungerecht. Außerdem wollen wir kleinere Klassen.” Zudem sei die Summe, die Schüler aus eigener Tasche für Lernmaterialen aufwenden müssen, zu hoch. „Der Staat sollte mehr finanzieren”, sagt Schülke.

Ums Geld geht es auch an den Hochschulen, um das der Studenten. Das Streikbündnis fordert die Abschaffung der Studiengebühren. Weil sie „sozial ungerecht sind und die Probleme im Bildungssystem nicht lösen”, sagt Andreas Schmidt. Dass den Hochschulen damit eine wichtige Einnahmequelle wegfällt, lässt der hochschulpolitische Referent im Asta der FH als Argument nicht gelten. „RWTH-Rektor Schmachtenberg hat gesagt, dass nur fünf Prozent der Studiengebühren tatsächlich in die Hochschule fließen. Und das ist ein Betrag, den man auch anders finanzieren kann”, meint Schmidt.

Die Streikenden werden auch auf die Straße gehen, um für die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems zu demonstrieren. Ebenfalls eine Forderung, die auf manchen Wahlplakaten steht. Aber denen können Schülke, Schmidt und Wegener einfach nicht vertrauen.
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