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Ausländer mit Abi: Studierwille ist nicht gleich Studienerfolg

Von: Axel Borrenkott
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Mindestens ein Viertel hält n
Mindestens ein Viertel hält nicht durch: Die Abbrecherquoten an deutschen Hochschulen sind immer noch hoch.
Bessere Betreuung scheint gerade auch für ausländische Studierende geboten. Foto: dpa

Aachen/Bonn. Sie machen gerade einmal gut drei Prozent aller Studierenden in Deutschland aus. Doch man achtet zunehmend auf sie, denn auf ihnen ruhen Hoffnungen: Bildungsinländer. So heißen auf Amtsdeutsch Studierende mit ausländischer Staatsbürgerschaft, die an einer deutschen Schule Abitur gemacht haben.

Ihre Zahl steigt, doch ihr Potenzial ist noch wenig genutzt. Sie studieren häufiger als Deutsche, brechen aber öfter ihr Studium wieder ab. Doch Ingenieur-Verbände und die Industrie hoffen, einen Teil des Ingenieur-Mangels mit diesem Nachwuchs zu beheben. RWTH und FH Aachen bemühen sich mit einer Reihe von Aktivitäten, ihre ausländischen Studierenden besser zu betreuen.

Rund 63.500 Bildungsinländer studierten im Jahr 2010 an deutschen Hochschulen. Mehr als ein Viertel von ihnen besitzt die türkische Staatsbürgerschaft. Das entspricht auch ziemlich genau deren Anteil an der RWTH Aachen, wo insgesamt derzeit 1268 Ausländer mit deutschem Abitur eingeschrieben sind, macht 3,5 Prozent der aktuell 35.813 TH-Studenten.

86 Nationen studieren in Aachen

Im Übrigen studiert fast die halbe Welt in Aachen, 86 verschiedene Staatsangehörigkeiten kommen hier zusammen. Chinesen (107) bilden an der TH nach den Türken die größte Gruppe, sodann die Griechen (73), Iraner (52), Niederländer (51). Die meisten, rund 500 an der Zahl, studieren technische Fächer, vor allem naturgemäß Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik.

Was das HIS-Institut für Hochschulforschung im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) jetzt für alle deutschen Hochschulen errechnet hat, trifft in der Tendenz auch auf Aachen zu: Der Studienerfolg der Bildungsinländer, die Abschlussquote, ist mit 43 Prozent deutlich geringer als die der Deutschen (59 Prozent). Die Quote habe sich aber mit Einführung der Bachelor-Studiengänge im Vergleich zum Diplomstudium verbessert.

Relativ hohe Erfolgsrate

Bundesweit beenden, nach Angaben von HIS (Hochschul-Informations-System), die Hälfte der Bildungsausländer, 59 Prozent der Bildungsinländer, hingegen 75 Prozent der Deutschen ihr Studium erfolgreich. Solche Durchschnittswerte sagen allerdings nichts über die je nach Fach sehr unterschiedlichen Abbrecherquoten, und sie beziehen sich zum Teil auf frühere Jahre. Zum Vergleich: Das ehrgeizige Programm der RWTH „Exzellente Lehre” strebt eine Abschluss-Erfolgsquote von 75 Prozent in allen Fächern für 2020 an.

Die RWTH jedenfalls stellt fest, dass „seit einigen Jahren der Studienerfolg aller internationalen Studierenden - sowohl Bildungsinländer als auch Bildungsausländer -deutlich gewachsen” ist. Insgesamt sei „die vergleichsweise hohe Erfolgsrate als sehr erfolgreich zu bewerten”. Ohne dies „im Einzelfall belegen zu können, machten sich hier aus unserer Sicht die zahlreichen RWTH-Aktivitäten zur Verbesserung der Betreuungssituation der letzten Zeit bemerkbar”, so die Auskunft.

Während auch der DAAD bekundet, dass der Studienerfolg aller ausländischen Studierenden „deutlich gewachsen” sei und dies auch auf „die bessere Betreuung durch die Hochschulen” zurückführt, sieht man sie doch noch „mit einigen Schwierigkeiten” konfrontiert. Bei zu vielen Studierenden „bestehen noch sprachliche Defizite. Auch fühlen sie sich häufig nicht ausreichend an der Hochschule integriert”, so Simone Burkhart, Leiterin des Referats Evaluation und Statistik beim DAAD.

Häufiger jobben

Daneben bereite die Studienfinanzierung „einem beträchtlichen Teil” der Bildungsinländer Probleme. „Keine andere Gruppe von Studierenden muss so häufig während des Studiums durchgehend einer Erwerbstätigkeit nachgehen”, erläutert Ulrich Heublein vom HIS-Institut.

Kaum zuverlässige Informationen gibt es aber darüber, was sich hinter den Abbrecherquoten verbirgt. Ob also das Studium beendet oder nur die Uni gewechselt wird, oder ob ein Berufseinstieg ohne Abschluss gelungen ist.

Der gesamte „Datenreport Bildungsinländer” ist im Internet publiziert.

Die RWTH und die FH wurden soeben mit dem „Preis für exzellente Betreuung ausländischer Studierender an deutschen Hochschulen 2011” ausgezeichnet.

Konkret ehrt das Auswärtige Amt mit dem Preis das Interkulturelle Zentrum Aachener Studierender (INCAS), das sich über mehrere Studentengenerationen hinweg ehrenamtlich und erfolgreich engagiere.

Die Initiative INCAS setzt sich aus über 20 ausländischen und deutschen Studierenden zusammen. Sie organsiert Zusammenkünfte zum kulturellen Austausch und unterstützt ausländische Studierende im Alltag, bei Wohnungssuche etc..

Die Verwendung des Preisgelds von 15.000 Euro ist noch nicht entschieden. Benötigt wird u.a. ein „Sprachpartnervermittlungssystem”.

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