Arbeiten neben der Uni: Was Studenten beim Jobben beachten müssen

Von: Philipp Laage, dpa
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Studentenjob
Von wegen, Reichtümer anhäufen: Die allermeisten Studenten jobben, um über die Runden zu kommen. Foto: dpa

Berlin. Fast zwei Drittel aller Studenten arbeiten neben dem Studium. Laut der jüngsten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks waren es im Sommersemester 2006 genau 63 Prozent.

Manche brauchen das Geld, um sich das Studium zu finanzieren, andere möchten sich einfach über Miete und Essen hinaus etwas leisten können. In jedem Fall gehört das Arbeiten für viele Studenten zum Alltag dazu. Damit der Nebenjob in anderen Bereichen nicht zu Nachteilen führt, ist bei Versicherungen und Einkommen einiges zu beachten.

Viele Studenten sind über die gesetzliche Krankenkasse ihrer Eltern mitversichert. Voraussetzung für eine solche Familienversicherung ist allerdings, dass eine bestimmte Einkommensgrenze nicht überschritten wird, erklärt Michael Neugebauer vom AOK-Bundesverband in Berlin.

„2009 liegt die Grenze bei 360 Euro pro Monat.” Dieser Beitrag ändere sich jedes Jahr. Eine Ausnahme bestehe für sogenannte geringfügige Beschäftigungen - also Mini-Jobs auf 400-Euro-Basis. Auch bei diesen Beschäftigungsverhältnissen bleibe die Familienversicherung bestehen.

Will der Student über die Eltern versichert bleiben, darf er darüber hinaus nicht mehr als 20 Stunden in der Woche arbeiten, fügt Achim Meyer auf der Heyde hinzu, Generalsekretär beim Deutschen Studentenwerk in Berlin.

Das gelte auch, wenn der Betroffene eine studentische Krankenversicherung hat. „Ansonsten könnte man unterstellen, dass sein Schwerpunkt nicht auf dem Studium, sondern auf der Arbeitstätigkeit liegt.” Damit würde er als Erwerbstätiger gelten und müsste sich selbst versichern.

Ein Kellner-Job am Wochenende kann bei der studentischen Krankenversicherung eine Ausnahme sein. „Wird die Beschäftigung überwiegend am Wochenende ausgeübt, kann die Krankenversicherung des Studenten bestehen bleiben - auch wenn er mehr als 20 Stunden arbeitet”, sagt Neugebauer. Wichtig sei, dass Zeit und Arbeitskraft des Studenten überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden. Der Einzelfall sollte am besten mit der Kasse abgesprochen werden.

Auch Altersgrenzen sind zu beachten. Die beitragsfreie Familienversicherung gelte nur solange, wie der Student das fünfundzwanzigste Lebensjahr noch nicht vollendet hat, ergänzt Meyer auf der Heyde. Wehr- oder Zivildienst verlängern diese Frist um ein Jahr. Wer die Familienversicherung nicht als Kind, sondern über den Ehepartner nutzen möchte, müsse die gleichen Einkommensgrenzen beachten, sagt Neugebauer. Die Altersgrenze falle dann jedoch weg.

Auch bei der Bafög-Förderung muss der Student aufpassen, sagt Meyer auf der Heyde. „Hier dürfen durchschnittlich 401 Euro monatlich nicht überschritten werden. Ansonsten kann das Bafög gekürzt werden.” Bei einem Verdienst von mehr als 7680 Euro im Jahr entfalle außerdem der Anspruch auf Kindergeld. Um diesen Betrag zu überschreiten, muss der Student allerdings deutlich mehr als 400 Euro monatlich verdienen.

Studenten müssen häufig auch bei einem Einkommen von über 400 Euro keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen, erklärt Christian Arnold, Anwalt für Arbeitsrecht in Stuttgart und Mitglied der Fachgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein. Auch hier gelte grundsätzlich die 20-Stunden-Grenze. Überschreitet die Tätigkeit diese Grenze nicht, seien Studenten von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung befreit, nicht aber von der Rentenversicherung.

Interessant wird es für den Studenten dann, wenn er besonders viel in den Semesterferien jobbt. Für die Familienversicherung gilt: Der Student kann auch 40 Stunden die Woche arbeiten, ohne dass sein Anspruch entfällt, wenn er über das Jahr gerechnet nicht mehr als 4800 Euro verdient, erklärt Meyer auf der Heyde. Die 20-Stunden-Grenze könne in der vorlesungsfreien Zeit ausgeweitet werden, ohne dass der Anspruch auf die Familienversicherung erlischt, sagt Neugebauer.

Studenten sind außerdem per Gesetz unfallversichert, jedoch nur für Unfälle, die im Zusammenhang mit ihrem Studium entstehen, erklärt Arnold. Für Unfälle, die bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin passieren, greift dagegen die ebenfalls kraft Gesetzes bestehende, für alle Arbeitnehmer geltende Unfallversicherung.

Warum Studenten jobben

Aus der jüngsten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes aus dem Jahr 2006 geht hervor: Insgesamt 71 Prozent der Studierenden wollen sich neben dem Studium etwas mehr leisten können.

Für 57 Prozent ist das verdiente Geld für den Lebensunterhalt absolut notwendig. Ebenso hoch liegt der Prozentsatz der Studenten, die durch den Nebenverdienst finanziell unabhängig von den Eltern sein möchten. Fast der Hälfte geht es darum, praktische Erfahrungen zu sammeln. Und ein gutes Drittel möchte außerdem Kontakte für eine spätere Beschäftigung knüpfen.
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