Angehende Ingenieure müssen keinen „Schweinezyklus” fürchten

Von: dpa
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Ingenieure
Tüfteln für die Zukunft - in der Automobilindustrie werden Ingenieure gesucht, die an neuen Technologien arbeiten. Foto: dpa

Düsseldorf. Ingenieure sind derzeit Mangelware - und das dürfte auch für künftige Absolventen in Technikfächern gelten. So müssten Studienanfänger keine Angst vor einem „Schweinezyklus” haben, wenn sie sich jetzt für ein Ingenieursfach entscheiden, sagte Willi Fuchs vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Düsseldorf im Gespräch mit dem dpa-Themendienst.

Es sei nicht zu befürchten, dass wegen der derzeit guten Jobaussichten so viele junge Leute diesen Berufsweg einschlagen könnten, dass es in einigen Jahren ein Überangebot gibt.

Die meisten Nachwuchsprobleme stehen den Firmen, die Ingenieure beschäftigen, nach Einschätzung von Fuchs noch bevor. So liege das Durchschnittsalter solcher Technik-Fachkräfte derzeit bei 50 Jahren. „In den nächsten zehn Jahren werden daher bis zu 450.000 Ingenieure in den Ruhestand gehen”, sagte Fuchs. Vom aktuellen Fachkräftemangel dürften die diesjährigen Studienanfänger daher auch in ein paar Jahren noch profitieren, meinte Fuchs. „Der Ingenieur ist ein Zukunftsjob.”

Die aktuelle Situation sei auch nicht mit früheren sogenannten Schweinezyklen in den 1990er Jahren zu vergleichen. „Damals haben mehrere geburtenstarke Jahrgänge angefangen, zu studieren. Die haben wir nicht mehr”, erklärte Fuchs. Zwar werde es an den Hochschulen kurzfristig noch einmal einen Schub geben, weil in mehreren Ländern wegen der verkürzten Gymnasialzeit doppelte Abiturjahrgänge die Schulen verlassen. Aber langfristig fehle der Nachwuchs.

Das gilt generell für Absolventen in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). So werden laut einer Studie des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft in Essen bis 2020 voraussichtlich 230.000 Fachkräfte aus diesen Fächern fehlen. Denn derzeit gebe es einen jährlichen Bedarf von bis zu 113.000 MINT-Absolventen. Erwartet werden aber nur etwa 90.000 pro Jahr. Jedes Jahr fehlen also etwa 23.000 Fachkräfte.

Absolventen in Ingenieursfächern bräuchten in der Regel nicht lange, um einen Job zu bekommen, sagte Fuchs. Nach Daten des VDI finden 95 Prozent der Absolventen innerhalb von sechs Monaten nach dem Abschluss eine Stelle. Damit der Berufseinstieg schnell geht, sollten angehende Ingenieure sich aber ruhig schon vor dem Abschluss bewerben, riet Fuchs. „Damit kann man nicht früh genug anfangen.” Und es gebe genug Firmen, die Technik-Fachkräften eine Stelle in Aussicht stellen, bevor sie ihre Abschlussurkunde in den Händen halten.

Besonders gute Einstellungschancen hätten Studenten, die ihren Abschluss in Kooperation mit einer Firma machen. „Das ist der optimale Einstieg”, sagte Fuchs. Denn auf diese Weise könnten Absolventen Praxiserfahrung sammeln. Und die Firma bekomme einen Eindruck vom Bewerber. Macht er dabei eine gute Figur, wird er bestenfalls gleich nach dem Abschluss übernommen.

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