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TV-Dokus zu Falcos 60. Geburtstag

Von: Dorit Koch
Letzte Aktualisierung:
Falco
Falco wurde nur 40 Jahre alt. Foto: Jörg Schmitt

Hamburg/Wien. „Viel zu früh” für Memoiren, fand Falco, als 1986 eine Biografie über ihn erschien. Es war das Jahr, in dem Österreichs Superstar es mit „Rock Me Amadeus” als erster deutschsprachiger Künstler an die Spitze der US-Charts geschafft hatte.

Falco, noch nicht einmal 30, hielt es eigentlich erst mit 60 für angemessen, sich ausführlich den Lebenserinnerungen zu widmen. „Ich kann keine Memoiren schreiben, weil ich heute nicht einmal Bilanz einer Halbzeit meines Lebens ziehen kann”, erklärte er damals im Vorwort des von ihm autorisierten Buches. Zwölf Jahre später war er tot. Am Sonntag (19. Februar) wäre er nun 60 Jahre alt geworden - Anlass für zwei große TV-Dokumentationen am Wochenende.

Vox hat für das Wiener Pop-Genie den gesamten Samstagabend (18. Februar, 20.15 Uhr) reserviert. Rund 260 Minuten lang zeigt „Er war Superstar - Falco. Eine Legende wird 60” die Geschichte des Ausnahmekünstlers. Es geht um den Aufstieg und den Fall des Johann „Hans” Hölzel, der als Falco zum Star und zur Stilikone wurde und ein ewig Suchender blieb.

Die größten Erfolge hatte er in den 80er Jahren, mit Hits wie „Der Kommissar”, „Rock Me Amadeus” und „Jeanny” verkaufte er Millionen Platten. Sein Markenzeichen war deutsch-englischer Sprechgesang, viele sehen in ihm den Vorreiter des weißen Rap. Doch dem kometenhaften Aufstieg folgte der Absturz, begleitet von Drogen- und Alkoholkonsum.

Auch die Vox-Doku entstand unter der Federführung von Falco-Biograf Peter Lanz. Er lässt enge Freunde, Familie, Weggefährten und Kollegen zu Wort kommen. Falcos Ex-Frau Isabella Vitkovic etwa oder seine vermeintliche Tochter Katharina Bianca: Im Alter von sieben Jahren hatte diese erfahren, dass Falco nicht ihr biologischer Vater ist - ein Schock für sie und ihn selbst. „Wenn er da war, war ich Nummer eins bei ihm”, erzählt sie. Das letzte Telefonat, das sie kurz vor seinem Tod mit ihm führte, war ein Streitgespräch, weil das Mädchen, das seinetwegen „in der Schule schikaniert” wurde, nicht mehr seinen Nachnamen tragen wollte.

In den von den Machern vorgestellten Ausschnitten erinnern sich auch sein ehemaliger Manager Hans Bork und Produzent Markus Spiegel, der Falco zu seinem ersten Plattenvertrag verhalf, sowie prominente Kollegen an den Star. „Wie viele interessante Künstler war er ziemlich zerrissen”, sagt Rockmusiker Udo Lindenberg. „Er war wirklich sehr schön verrückt.” Für Filmemacher und Videopionier Hannes Rossacher war Falco schlechthin „der perfekte Popstar für die 80er Jahre”. Und Moderatorin Désirée Nosbusch war damals „genauso ein Fan wie tausende und tausende von anderen jungen Mädchen und Frauen”. Oder wie Falco selbst in „Amadeus” sang: „Er war Superstar, er war populär, er war so exaltiert, because er hatte Flair.”

Neben Archivmaterial aus Interviews mit Falco und auch dessen Mutter Maria Hölzel zeigt die Doku Ausschnitte aus Videos und Konzerten, die Falco wieder aufleben lassen. Sein Tod im Alter von 40 Jahren, als er bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik ums Leben kam, liefert immer wieder Stoff für Spekulationen und Schlagzeilen.

Ein „Selbstmordkandidat” sei Falco definitiv nicht gewesen, sagt seine enge Freundin Maria-Luise Heindel. Auch sein Freund Billy Filanowski erzählt: Der Musiker habe seinen Geburtstag geplant, sie hätten telefoniert wegen der Flüge - und kurz darauf der Schock am Telefon, als ihm mitgeteilt wurde: „Der Hans ist tot.” Alkohol, Kokain und Marihuana fand man später bei der Obduktion in Falcos Blut.

Am Sonntagabend (20.15 Uhr) will dann Kabel 1 Interviews, exklusive Tagebuchnotizen und neue Augenzeugenberichte präsentieren. Verantwortlich für das Porträt „Falco - Die ultimative Doku zum 60. Geburtstag” ist Rudi Dolezal, der mit Rossacher einst die DoRo Produktion betrieb, die auch Falco-Videos in Szene setzte. „Es soll nicht nur der beste Falco-Film sein, sondern DER Falco-Film schlechthin”, zitiert der Sender Dolezal, der schon mehrere Dokus über den Musiker gemacht hat. „So dass Falco darüber in seiner ureigenen Art gesagt hätte: Ned schlecht, Oida! - das war das höchste Lob, das man von ihm bekommen konnte.”

Auch Dolezal lässt engste Vertraute und prominente Kollegen wie Falcos Video-Partnerin Brigitte Nielsen über Erlebnisse mit der Pop-Ikone erzählen und das Phänomen beschreiben. „Die Figur Falco ist größer als nur ein Typ, der in den 80er Jahren einige Hits hatte”, sagt Produzent Rob Bolland. „Die Kunstfigur, die er schuf, war einmalig.” Auch Falco selbst kommt oft zu Wort - und mit einem Zitat von ihm, kurz vor seinem Tod, beginnt die Doku auch: „Wenn ich morgen meinem Gott gegenüberstehe, kann ich ihm sagen: Ich bin unschuldig. Ich habe niemanden betrogen, ich habe niemandem weh getan, außer mir selbst. Und das wird er mir verzeihen.”

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