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300 Worte Deutsch

Von: Fabian Nitschmann
Letzte Aktualisierung:
300 Worte Deutsch
Christoph Maria Herbst spielt einen Mitarbeiter im Ausländeramt. Foto: Oliver Berg

München. Auf der einen Seite ein strenger Ausländeramts-Chef, der am liebsten alle Neuankömmlinge sofort wieder abschieben würde. Auf der anderen Seite ein einfallsreicher Moschee-Vorsteher, der jungen Männern Bräute aus der türkischen Heimat vermittelt.

In der Komödie „300 Worte Deutsch” an diesem Freitag (20.15 Uhr) auf Arte prallen die Klischees aufeinander.

Die Alten führen einen Kleinkrieg - während die Jungen vermitteln. Die Alten, das sind Dr. Ludwig Sarheimer (Christoph Maria Herbst/ „Stromberg”) vom Ausländeramt und der Moschee-Vorsteher Cengiz Demirkan (Vedat Erincin/„Almanya - Willkommen in Deutschland”). Der Deutsche hat nur die Ausreise der Bräute im Kopf, der Türke dagegen nur alte Traditionen. Doch Demirkan hat ein Problem: Die eingereisten Frauen können kein Wort Deutsch.

Denn im Film gilt: Nur wer 300 Worte Deutsch spricht und 650 versteht, darf einreisen. Die Sprachtests in der Türkei wurden gefälscht, nun fordert der Leiter des Ausländeramts eine Wiederholung. Mit eingespannt in ihre jeweiligen Pläne wird der Nachwuchs: Demirkans Tochter Lale (Pegah Ferydoni/ „Türkisch für Anfänger”) soll die bereits eingereisten Frauen fit machen für den Sprachtest, Sarheimers Neffe Marc (Christoph Letkowski/ „Feuchtgebiete”) dagegen soll Infos sammeln und die Abschiebung mitorganisieren. Doch Lale und Marc haben anderes im Sinn.

„300 Worte Deutsch” ist eine flotte Komödie des Regisseurs Züli Alada („Elefantenherz”), die Anfang 2016 in die Kinos kam und mit Klischees sowie den entsprechenden Witzen um sich wirft. Die Schauspieler agieren mit großer Leidenschaft, sind überzeugend in ihren Rollen und schaffen es regelmäßig, den Fokus auf ihre schauspielerische Leistung statt die Klischees und rassistischen Vorurteile zu lenken.

Dennoch: Im Drehbuch (Ali Samadi Ahadi, Arne Nolting, Gabriela Sperl, Züli Alada) steht der Clash der Kulturen im Mittelpunkt. Bei den Alten bedeutet das ständiger Streit, bei den Jungen dagegen Völkerverständigung. In Zeiten von Rechtspopulismus und islamistischem Terror ist das nicht immer nur erfrischend, wird aber mit Einblicken in die Gedankenwelt der Gegenüber gut gewürzt. „Dein Mitleid ist schlimmer als der Rassismus Deines Onkel”, sagt Lale zu Marc - und bringt damit die Gefühlswelt im Konflikt der Kulturen auf den Punkt.

Der Film mit seiner recht vorhersehbaren Handlung arbeitet sich erfolgreicher an einer anderen Erkenntnis ab: Integration gelingt nur durch Sprachkenntnisse. Die Regelung, dass Einreisende 300 Worte Deutsch sprechen können müssen, ist allerdings frei erfunden - auch wenn es nach bürokratischer Wahrheit klingt.

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