Bochum/Herne - Zwischen Kreativität und Technik: Case-Modding macht PCs einzigartig

Zwischen Kreativität und Technik: Case-Modding macht PCs einzigartig

Von: Philipp Laage, dpa
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Case-Moddding
Rechner im schrillen Gehäuse - Case-Modder sind auf eine möglichst spektakuläre Optik aus. Foto: dpa

Bochum/Herne. Ein Computer steht gewöhnlich unter dem Schreibtisch und zieht wenig Aufmerksamkeit auf sich. Es gibt aber auch Menschen, die in ihrem PC mehr als nur ein nützliches Arbeitsgerät sehen.

Sie betreiben Case-Modding - das ist eine Abkürzung für Case Modification und meint die Umgestaltung des Computergehäuses. Dabei kommen verschiedene Materialien und Techniken zum Einsatz, die den PC optisch aufwerten sollen.

Die besten Case-Modder treffen sich einmal im Jahr zur Deutschen CaseMod Meisterschaft. Case-Modding sei Ende der 90er Jahre auf LAN-Parties entstanden, erklärt Michael Wegner von der Veranstaltungsagentur „PlanetLAN” in Bochum, die jedes Jahr die Deutsche Meisterschaft ausrichtet. „Dort standen 500 graue Kästen herum, die alle gleich aussahen.” Daraus sei die Idee entstanden, Computergehäuse individuell zu gestalten. Von der Gamer-Szene sei das Case-Modding dann schnell auf andere Hobbybastler übersprungen.

Grundsätzlich werde zwischen herkömmlichem Case-Modding und Case Construction unterschieden, erklärt Wegner. Bei den Case-Mods bauten die Bastler bestehende Seriengehäuse um. Die Case-Cons hingegen nutzen jede Art von Material, um darin ihre PCs einzubauen - zum Beispiel Autoreifen oder Getränkekästen. Die Übergänge zwischen beiden Disziplinen sind aber fließend, sagt der mehrfache deutsche Case-Mod-Meister Benjamin Franz aus Herne. „Wir können beides bauen.”

Die meisten Case-Modder besorgen sich zunächst einen Komplett-PC und basteln daran herum. Diese Variante ist vor allem für Einsteiger geeignet, da es alle Einbauteile im Geschäft oder Internet zu kaufen gibt.

Bei vielen Einsteigern ist es beliebt, zunächst einmal Fenster in die Seitenteile des Rechners einzusetzen, da dies wesentlich die Optik des Rechners prägt. Dort wird meist mit Plexiglas und Kaltlichtkathoden gearbeitet, die an der Innenseite des Gehäuses angebracht werden. Licht ist ein wichtiger Faktor beim Case-Modding, da die LAN-Parties meist in abgedunkelten Räumen stattfinden.

Das Fenster in der Seitenwand sei ein guter Start, um das Innenleben des Rechners zu zeigen, erklärt Franz. „Das macht man am besten mit einem Dremel oder einer Stichsäge.” Dazu werde häufig eine Unterbodenbeleuchtung mit LED-Leuchten angebracht. Anspruchsvoller wird es dann bei der Lackierung der Gehäuse. Viele Modder arbeiten dabei mit der Airbrush-Technik. „Damit lassen sich die wildesten Motive auf die Rechner bringen”, sagt Wegner.

Case-Mod-Meister Benjamin Franz rät Anfängern, sich für wenig Geld ein altes PC-Gehäuse zu besorgen, um damit zu üben, zum Beispiel das Lackieren. Nützliche Bauanleitungen und weitere Informationen findet der Bastler dann im Internet.

Case-Modding ist ein sehr günstiges Hobby, sagt Wegner: Die ersten Unterboden-LEDs kosten wenige Euro und erzielen dennoch ein schöne Wirkung. Ein vorgefertigtes, umgebautes Komplettgehäuse kostet laut Wegner etwa 100 Euro. „Nicht das Material ist teuer, sondern die Zeit, die man investiert.”

Handwerkliches Geschick ist beim Modding ebenfalls gefragt. Gerade das würde aber vor allem von jüngeren Bastlern vernachlässigt, so Franz. Einsteiger sollten zunächst Grundlagen wie das Dremeln üben - etwa mit einer einfachen Aluminiumplatte aus dem Baumarkt. „Anfänger nehmen sich bei ihrem ersten Gehäuse am besten nicht zu viel vor.” Es gehe vor allem um den Spaß am Basteln und darum, Erfahrungen für das nächste Projekt zu sammeln. Wer sich auf Meisterschaften durchsetzen will, müsse vor allem auf Details achten und sauber arbeiten.

Bei der Deutschen CaseMod Meisterschaft werden Exponate in den Kategorien Case-Mods, Case-Cons und auch Consumer Electronics ausgestellt, erklärt das Jurymitglied Bastian Neumann aus Berlin. Bewertungskriterien seien neben der Elektronik und dem handwerklichen Geschick auch das kreative Konzept und dessen Umsetzung. „Case-Mods und Case-Cons müssen einen funktionierenden PC enthalten - das ist die Bedingung.” Die Rechner werden bei der Präsentation vorgeführt und müssen schließlich auch funktionieren.

Neben dem Wettkampf sei Case-Modding aber in erster Linie ein Weg, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen, sagt Neumann. Der Case-Modder sieht das Gehäuse und weiß, was er damit machen will. „Er ist wie ein Bildhauer, der schon im Stein die Figur sieht, die er nur noch freilegen muss.” Hier bieten die Case-Cons die größten Freiheiten. „Einer hat seinen PC in den Topf einer zwei Meter großen Zimmerpflanze eingebaut”, sagt Wegner. Die Pflanze habe man sogar gießen können, ohne den Rechner zu beschädigen.
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