Was taugen Tablets mit Windows 8?

Von: Moritz Jäger
Letzte Aktualisierung:
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Aachen. Mit Windows 8 steigt Microsoft erneut in den Tablet-Markt ein. Doch können die Windows-Tablets der iPad- und Android-Konkurrenz Paroli bieten?

Selbst wenn es aktuell den Anschein hat: Apple hat den Tablet-Formfaktor nicht erfunden. Allerdings konnte der Konzern aus Cupertino als erster einen kommerziellen Erfolg mit den flachen Rechnern verbuchen.

Nun zieht vor allem die Konkurrenz der Android-Geräte nach, aber auch Microsoft will wieder in diesen Markt einsteigen. Wieder? Ja, denn dies ist mindestens der dritte Versuch des Windows-Anbieters aus Redmond, diesen Formfaktor zu etablieren.

Dabei helfen soll nicht nur verbesserte Technologie, sondern vor allem das kommende Betriebssystem Windows 8 mit einer optionalen Oberfläche für mobile Devices. Diese orientiert sich am Metro-Design, das Microsoft bereits jetzt auf seinen aktuellen Smartphones verwendet. Auf Wunsch soll sich Windows 8 aber umschalten lassen, dann ähnelt die Oberfläche eher der von Windows 7.

Aktuell befindet sich das neue Betriebssystem noch in der Entwicklung. Im Januar 2012 wurde im Rahmen der Technikmesse CES in Las Vegas bereits die Beta-Version demonstriert.

Am 29. Februar wurde diese schließlich der Öffentlichkeit präsentiert. Ähnlich wie bei der Einführung von Windows 7 holt sich Microsoft früh die Community als Tester mit ins Boot.

Das ist keine schlechte Strategie, schließlich gilt Windows 7 als eins der ausgereiftesten Betriebssysteme des Konzerns.

Bereits bevor Apple das iPad nur als Gerücht in die Welt gesetzt hatte, versuchte sich Microsoft 2002 an einem entsprechenden System. Helfen sollte dabei eine Tablet Edition von Windows XP.

Die Industrie nahm die neue Eingabemethode begeistert auf und stellte erste Convertible-Geräte vor, deren Display sich drehen und auf der Tastatur ablegen ließ.

Eingaben wurden nicht auf einem Touchscreen getätigt, sondern mit Hilfe eines speziellen Stiftes. Funktionen wie Multi-Touch waren technisch kaum möglich.

Die CW-Schwesterpublikation TecChannel nahm die vorgestellten Geräte, darunter das Compaq HP TC1000 oder das Toshiba Portege 3500, seinerzeit genauer unter die Lupe.

Die Convertibles gibt es immer noch, sie fristen aber eher ein Nischendasein. Nachdem Apple allerdings 2007 mit dem ersten iPhone demonstrierte, dass sich eine Touch-basierte Bedienung mit einem anständigen Display und ohne zusätzlichen Stylus nicht ausschließen müssen, tauchte im Jahr 2008 ein neuer Prototyp von Microsoft auf - das Microsoft Courier.

Das Gerät brachte zwei Touchscreens mit, die sich zusammenfalten lassen. Bedient wurde es wahlweise per Stylus oder Finger. Das Courier bot bereits einige interessante Konzepte, darunter etwa die Unterstützung für Induktion, mit der sich die Batterie kabellos aufladen lies, eine Kamera oder GPS.

Leider sah dieses Gerät niemals eine Massenfertigung, am 29. April 2010 wurde die Entwicklung eingestellt.

Wer die Preview-Version von Windows 8 installiert, dem fallen sofort die optischen Neuerungen auf.

Windows 8 lässt sich zwar auch in die aus Windows 7 bekannte Ansicht umschalten, normalerweise zeigt das System aber verschiedene Vierecke auf einem schwarzen Hintergrund.

Diese Oberfläche kommt nicht von ungefähr, Microsoft nutzt das Metro genannte Nutzer-Interface bereits auf seinen aktuellen Smartphones. Die Vierecke sollen aber nicht nur simple Icons sein wie in Windows 7, sondern dem Nutzer auch Informationen bieten und so im Endeffekt die Gadgets ersetzen.

In diesem Blogeintrag erklärt Microsoft diese Funktionen im Detail. Dabei soll das Ziel sein, dass der Nutzer hunderte dieser sogenannten Live Tiles samt dynamischen Updates anzeigen lassen kann, ohne negative Einflüsse auf die Batterielaufzeit.

Der Trick ist, dass die Live Tiles keine App im Hintergrund benötigen, sondern ihre Daten über einen so genannten Windows Push Notification Service beziehen, ähnlich der mobilen Plattform.

Windows 8 wird aber noch weitere Neuerungen bringen. Microsoft hat von Apple gelernt und wird einen App-Store für Nutzer bereitstellen.

Dieser wird nicht nur Anwendern, sondern auch Unternehmen offenstehen, die darüber eigene Anwendungen an Nutzer verteilen können. Dennoch ist davon auszugehen, dass man auch weiterhin ohne Umweg über den Store neue Programme installieren kann. Der Store ist auch im Hinblick auf die neu unterstützte ARM-Architektur wichtig:

Anwendungen, die auf diesen Systemen laufen sollen, müssen neu geschrieben und kompiliert werden, unterscheidet sich die ARM-CPU doch deutlich von der bisherigen x68-Architektur. Ein zentrales und geprüftes Software-Verzeichnis kann hier mögliche Verwirrungen und Fehlkäufe vermeiden.

Hardware-Anbieter werden sich mit Windows 8 aber auf neue Anforderungen einstellen müssen. Ähnlich wie bei Windows Phone 7 will der Konzern scheinbar eine einheitliche Mindestplattform schaffen.

Das offizielle Lesematerial für die Hardware-Anforderungen umfasst aktuell 293 Seiten (hier zum Download). Wer also sein Tablet offiziell mit Windows 8 ausstatten will, der muss dem Nutzer folgende Komponenten und Funktionen bieten:

Zehn GByte freier Speicher , eine 720p-fähige Kamera, eine Auflösung von mindestens 1366 x 768 Pixel, ein USB-2.0-Host mit mindestens einem USB-Anschluss, Sensoren für das Umgebungslicht und Beschleunigung, ein Magnetometer, ein Gyroskop, Multi-Touch-fähiger Bildschirm, der mindestens fünf Touchpunkte gleichzeitig unterstützt, fünf Hardware-Knöpfe: Windows-Taste, Ein/Aus, Lauter, Leiser und eine Sperre für die Bildschirmrotation, Geräte auf x86-Basis müssen innerhalb von zwei Sekunden aus dem Schlafmodus nutzbar sein.

Unterstützt das Gerät Near-Field Communication, muss der Punkt sichtbar gemacht werden, an dem der Nutzer kompatible Geräte hinhalten kann.

Die relativ engen Vorgaben haben Vor- und Nachteile. Sie sorgen in jedem Fall dafür, dass sich die Geräte ähnlich gut bedienen lassen. Das Problem dabei ist jedoch, dass sich die verschiedenen Produkte der Hersteller, zumindest zu Beginn, kaum unterscheiden dürften.

Eine ähnliche Entwicklung ließ sich beispielsweise bei Windows Phone 7 Smartphones beobachten. Bleibt zu hoffen, dass die Entwickler um dieses Problem herumarbeiten können.

Es ist allerdings beispielsweise möglich, sich durch die verwendeten Materialen, Zubehör oder zusätzliche Hardware von der Konkurrenz abzuheben.

Dass die von Microsoft aufgestellten Forderungen gar nicht so unrealistisch sind, zeigen indes die ersten Vorseriengeräte, die auf der CES präsentiert wurden.

Für die Hersteller von Tablets ist vor allem interessant, dass Microsoft nicht mehr allein auf die x86-Architektur setzt. Im Gegenteil, Windows 8 wird offiziell auch Chipsätze auf ARM-Basis nutzen - entsprechende Produkte haben nahezu alle Anbieter von aktuellen Smartphones im Programm.

Das bedeutet beispielsweise auch, dass Hersteller auf derselben Hardware-Plattform sowohl Android- als auch Windows-Systeme entwickeln und auf den Markt bringen könnten - ein interessanter Gedanke.

Der Chiphersteller Nvidia zeigte beispielsweise bereits ein Windows 8 Tablet, das auf dem aktuellen Tegra-3-Chipsatz basiert. In eine ähnliche Kerbe schlägt der Konkurrent Qualcomm. Dieser demonstrierte seine Snapdragon-S4-Plattform samt integrierte LTE-Unterstützung unter Windows 8.

Der Hersteller Lenovo andererseits demonstriert die Zukunft der Convertible Geräte. Das Lenovo Yoga bietet ein berührungsempfindliches Display und eine Tastatur.

Klappt der Nutzer den Bildschirm über die Tastatur, schaltet Windows von der Standard-Ansicht in die mit dem Finger leichter zu bedienende Metro-Oberfläche. Asus will seine Eee-Pads künftig nicht mehr nur mit Android oder Windows anbieten, im dritten Quartal sollen entsprechende Geräte mit Windows 8 folgen.

Es ist zu erwarten, dass andere Hersteller im Laufe des Jahres ähnliche Produkte vorstellen, spätestens wenn sich Windows 8 der Fertigstellung nähert.

Microsoft hat sich für den Neustart ins Tablet-Geschäft einen interessanten Zeitpunkt ausgesucht. Denn es gilt ja nicht nur, die Vormachtstellung von Apple und dem iPad zu brechen; mit Google Android 4.0 ist ein weiterer potenter Mitspieler im Markt.

Dazu kommen kleinere Rivalen, etwa Research in Motion mit seinem Blackberry Playbook. Der große Vorteil der Windows-Company ist sicherlich die stabile Nutzerbasis von Windows.

Schafft es Microsoft beispielsweise, in Windows 8 die Verwaltungsfunktionen des aktuellen Betriebssystems zu integrieren, sind die Tablets für jede IT-Abteilung eine interessante Alternative zu Apple und Google.

Dazu kommt eine solide Basis an Programmierern, die Microsoft aber langfristig für den zentralen App-Marktplatz begeistern muss. Dies dürfte allerdings weniger ein Problem der Plattform sondern vielmehr der Gebühren sein, die für die Vermittlung der Anwendungen anfallen.

Man darf nicht vergessen, dass Microsoft bereits mehrfach das Zeitalter des Tablet-PCs ausgerufen hat. Etliche schnelle Urteile wurden da gefällt, die sich nachträglich als falsch erwiesen.

Sicherlich wird Microsoft die Konkurrenz nicht vom Stand weg vom Markt fegen. Deutlich wahrscheinlicher ist, dass sich der Konzern langfristig eine Nische sichern kann. Sollte Windows 8 Geräte hervorbringen, die nicht nur optisch, sondern auch in punkto Funktionsumfang mit der Konkurrenz von Apple und Google mithalten können, dann wird 2012 ein interessantes Jahr für Tablet-PC-Fans.
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