Videospieler als Leistungssportler: Blick auf eine aufstrebende Szene

Von: rd
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Berlin. Das Spielen an Computer, Konsole oder Smartphone gehört heute viel selbstverständlicher zur Freizeitgestaltung, als es noch vor einigen Jahren der Fall war. Mittlerweile hat sich aber auch eine große und durchaus ernstzunehmende Szene um das wettbewerbsmäßige Spielen in virtuellen Welten entwickelt: eSports nennt man diese professionellen Wettkämpfe.

Auch in Deutschland ist das Interesse für diesen "Sport 2.0" größer, als mancher glaubt.

Athleten an der Tastatur

Dass im Fußballgeschäft tätige Trainer und Sportfunktionäre ihre Jobs dem Gefühl nach häufiger wechseln, als der Durchschnittsbürger seine Bettwäsche, ist nicht ungewöhnlich. Der Wechsel von Robin Dutt – der unter anderem als Trainer beim SC Freiburg, Bayer Leverkusen und Werder Bremen arbeitete und auch schon als DFB-Sportdirektor und Sportvorstand beim VfB Stuttgart tätig war – machte aber dennoch Schlagzeilen.

Er schloss sich nämlich keinem Fußballverein, sondern der Vermarktungsagentur eSportsReputation in beratender Funktion an. Es geht dabei im Kern darum, Deutschland als eSports-Standort zu etablieren.

Dutts erstes Projekt in seiner neuen Funktion ist der Aufbau eines Leistungszentrums für professionelle FIFA-Spieler, das voraussichtlich am Standort Berlin entstehen soll. Bei FIFA handelt es sich um eine Fußballsimulation, bei der ein (oder mehrere) Gamer per Gamepad die Steuerung eines Teams übernehmen und gegeneinander antreten können.

"Leistungszentrum" klingt erst einmal nach Spitzensport – ein Begriff, den man nicht unbedingt mit Videospielen assoziert, denkt man dabei doch eher an das unbewegliche Herumsitzen vor der Flimmerkiste.

Eine Studie der renommierten Deutschen Sporthochschule in Köln kam jedoch zu dem Ergebnis, dass professionelle eSportler im Wettkampf kognitiv und körperlich Belastungen ausgesetzt sind, die in dieser Form auch bei Marathonläufern oder professionellen Tischtennisspielern auftreten. Und auch in anderen Bereichen stehen die digitalen Athleten ihren traditionellen Sportkollegen in nichts nach.

Die Sportstars von morgen

Große eSport-Wettkämpfe können es nämlich mittlerweile in puncto Größe, Professionalität und Preisgeld mit anderen Sportveranstaltungen locker aufnehmen.

Ein Beispiel: Anfang Juli fand in Köln mit der ESL One Cologne das weltgrößte Turnier in einer noch vor wenigen Jahren als "Killer-Spiel" geächteten Disziplin statt. Es wurde Counter-Strike: Global Offensive gespielt – in der Lanxess-Arena sahen allein am Finaltag 15.000 Fans die Partien vor Ort, bei denen die weltbesten Teams gegeneinander antraten.

Mehrere Millionen weiterer Zuschauer verfolgten die Geschehnisse über Internet-Livestreams. Die brasilianischen Sieger durften sich nicht nur über einen stattlichen Pokal, sondern auch über 100.000 US-Dollar Preisgeld freuen.

Neben FIFA und Counter-Strike sind kostenlose Online-Spiele, wie man sie auf Plattformen wie Browsergames.de herunterladen und spielen kann, in der Spieler- und Fangunst ganz oben. Beim beliebten Kostenlos-Spiel League of Legends geht es im eSports-Bereich bei hoch dotierten Turnieren um Preisgelder in Millionenhöhe. Das Fan-Interesse ist ebenfalls riesig, genauso wie das Vermarktungspotenzial.

Vor dem Hintergrund dieser Zahlen ist es kaum verwunderlich, das Robin Dutt davor mahnt, dass Deutsche Vereine dem eSport zu wenig Bedeutung beimessen – nur wenige setzen sich mit der Thematik auseinander und betreiben eigene Teams. Dieser Schuss könnte langfristig nach hinten losgehen: Denn gerade in Zeiten, in denen die "echte" Fußball-Champions-League bald nur noch im Pay-TV zu sehen sein wird und die Stadien-Eintrittspreise immer höher werden, dürften sich bald noch mehr Fans den Sportstars von morgen zuwenden.

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