Taste und Touch macht Torch - Blackberry geht neue Wege

Von: Peter Zschunke, dpa
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Taste und Touch macht Torch - Blackberry geht neue Wege
Tastatur für die Daumen und ein kleines Scrollfeld für den Zeigefinger - der klassische Blackberry ist für mobile Vielschreiber ausgelegt. Foto: dpa

Berlin. Fast jedes Smartphone zeigt neu eingetroffene E-Mails an. Vor wenigen Jahren war die sogenannte Push-Funktion noch dem Blackberry vorbehalten, und der Besitz eines solchen Handys war für erfolgreiche Manager eine Art Statussymbol. Inzwischen geben das iPhone von Apple und die Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android den Ton an.

Doch viele halten dem Blackberry weiter die Treue. „Er ist schon oft totgeschrieben worden, hat sich aber in der Nische exzellent positioniert”, sagt der Mobilfunkexperte Mark Wächter in Hattingen an der Ruhr.

Ähnlich wie Apple kann auch der kanadische Blackberry-Hersteller RIM (Research in Motion) Hardware und Software aus einer Hand bieten. „Indem wir sowohl die Hardware als auch die Software entwickeln, können wir sicherstellen, dass Geräte und Software so effizient und fehlerfrei zusammenspielen wie möglich”, sagt Chris Coppess, der für die technische Entwicklung zuständige RIM-Manager.

Das Betriebssystem Blackberry baut auf der Java-Plattform auf. Ursprünglich war die Software ganz auf die Eingabe per Tastatur und einem Trackball als Mausersatz abgestimmt. Seit dem im vergangenen Jahr eingeführten Blackberry OS 6 unterstützt das System aber auch Multi-Touch-Screens, also berührungsempfindliche Displays zur Gestensteuerung mit mehreren Fingern gleichzeitig.

Der Blackberry passt sich behutsam den Anforderungen der neuen Touch-Welt an. Das Smartphone Torch verbindet die direkte Steuerung über den Bildschirm mit der klassischen Handy-Tastatur. Erst das neue Blackberry Playbook, der erste Tablet-Computer von RIM, kommt ganz ohne Hardware-Tastatur aus. Der Umstieg von der Tastatur zur Touch-Bedienung sei noch nicht ganz gelungen, findet Carolina Milanesi, die Handy-Expertin des Marktforschungsunternehmens Gartner. „Bei der Gestaltung der grafischen Benutzerführung für das Touch-Display ist noch mehr Arbeit nötig.”

Allerdings will RIM auch einen allzu heftigen Kurswechsel vermeiden, um die angestammte Kundschaft nicht zu verärgern. „Blackberry bemüht sich um den Spagat zwischen der alten Positionierung in der Geschäftswelt und den Anforderungen der neuen Smartphone-Klientel”, erklärt Wächter, der als Gründer des Beratungsunternehmens MWC.mobi die Fachgruppe Mobile im Bundesverband der Digitalen Wirtschaft (BVDW) leitet.

Mit der sechsten Ausgabe des Betriebssystems sei die Blackberry-Oberfläche auch etwas ansprechender geworden, sagt Wächter. Beim Internet-Browser, der früher stets ein Sorgenkind der Blackberry-Nutzer war, kommt jetzt die Webkit-Technik zum Einsatz - ebenso wie beim Safari von Apple oder dem Google-Browser Chrome.

Hinsichtlich der Regeln für die Entwickler steht die Blackberry-Umgebung zwischen dem strikten Ordnungsgefüge der Apple-Welt und dem offenen Android-System von Google. Auf dem Blackberry läuft jede Java-Software für mobile Geräte, diese Programme können von jeder Webseite heruntergeladen und installiert werden. Daneben gibt es aber auch einen zentralen Online-Shop, die Blackberry App World.

Für das auf die Anforderungen des Playbooks angepasste Betriebssystem Blackberry Tablet OS soll es ab Sommer die Möglichkeit geben, mit einer speziellen Software auch alle Android-Apps zu nutzen. „Sowohl für Verbraucher als auch für Geschäftskunden stärkt dies unsere Verpflichtung, für Wahlfreiheit zu sorgen und gleichzeitig unsere Plattform zu stärken”, schrieb RIM-Software-Chef Jim Tobin im Firmenblog.

In der Blackberry App World gibt es zurzeit mehr als 25.000 Anwendungen - zu vergleichen mit mehr als 300.000 im App Store von Apple. Wichtiger als die Zahl der verfügbaren Apps sei für Blackberry aber die Qualität der Software, betonte RIM-Manager Sascha Lekic während einer Blackberry-Partnerkonferenz in Berlin. Besondere Stärken hat das System nach wie beim Mailen sowie beim Chatten im Mobilfunknetz über den Messenger.

„Schnelligkeit ist ein Kernversprechen des Blackberry OS”, erklärt Wächter. „Sobald die Mail auf dem Server ankommt, ist sie fast gleichzeitig auf dem Blackberry.” Der Blackberry Messenger, kurz BBM, führt die Besitzer von Blackberry-Geräten zum Chat zusammen. Besonderheiten sind die unbegrenzte Länge bei der Übermittlung von Text und eine Bestätigung, wenn der Empfänger die Mitteilung gelesen hat.

Bei der Textkommunikation spielt der Blackberry seine besonderen Fähigkeiten im effizienten Umgang mit Daten aus. Ähnlich wie bei der Komprimierung von Daten in einem Zip-Container werde beim Mailen nur ein Viertel der sonst üblichen Datenmenge, beim Laden von Webseiten und der Kommunikation in sozialen Netzwerken nur die Hälfte benötigt, erklärt RIM-Manager Coppess.

Schafft es der Blackberry, sowohl die Manager bei der Stange zu halten, als auch private Verbraucher zu gewinnen? „Das ist die große Frage, die über Erfolg und Misserfolg von RIM entscheiden wird”, antwortet Milanesi.

„Zurzeit ist die Verbraucherseite noch unterentwickelt, die Vielfalt der Benutzerführung und das Ökosystem können noch verbessert werden.” Als Ökosystem wird in der Mobilfunkbranche das gesamte Zusammenspiel von Betriebssystem, Hardware und dem Angebot an Apps bezeichnet. Bei den Apps müsse RIM noch mehr tun, um einige der Entwickler an sich zu binden, die Apple so erfolgreich gemacht hätten, erklärt Gartner-Expertin Milanesi.

Interessant wird es, wenn das Blackberry-Betriebssystem Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres von Grund auf erneuert wird. Nach Informationen einschlägiger Technik-Blogs soll Blackberry OS 7 mit dem Tablet-Betriebssystem zusammengeführt werden, auf der Grundlage der besonders schlanken QNX-Plattform, die wie das iOS von Apple seine Wurzeln im Unix-System hat.
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