Spielerische Umwege: App-Store verleiht Apple Schub auf dem Spielemarkt

Von: Stefan Robert Weißenborn, dpa
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Ein Screenshot des Computerspiels "Die Sims 3 - Reiseabenteuer" auf dem Bildschirm eines Macbook: Auch wenn der PC als perfekte Plattform für Computerspiele gilt, gibt es längst neben den Windows-Versionen auch native Mac-Games auf dem Markt. Foto: ddp

Berlin. Der PC gilt als perfekte Plattform für Computerspiele. Dass Apple-Jünger dies nicht wahr haben wollen, liegt auf der Hand. Doch das Bild ist nicht in schwarz-weiß getüncht: PC-Games für Mac sind für Hersteller längst attraktiv.

Große Entwickler wie Electronic Arts haben Apple längst als lukrativ erkannt und neben Windows-Versionen auch native Mac-Games auf den Markt geworfen. Doch Zocker-Goliath unter den Systemen ist immer noch Windows - gemessen am kommerziellen Erfolg. Am mobilen Spielemarkt ist Apple dank des überaus erfolgreichen App-Stores dagegen bestens im Geschäft.

„Das ist alles ist gar nicht so schlimm mit dem Mac und dem Spielen - man kann ganz gepflegt zocken”, sagt Stefan Molz, Spieleexperte der Zeitschrift „Mac Life”. Er vermisse „nichts” auf dem Mac. Abgesehen von „typisch deutschen Aufbauspielen” wie „Die Siedler” oder die „Anno”-Reihe, gebe es sämtliche Blockbuster mittlerweile auch als Mac-Version - von „Doom” über „Quake” und „World of Warcraft” bis zu „Starcraft 2” oder „Die Sims - Reiseabenteuer”.

Kein Unterschied also zwischen alter und neuer Spielewelt? Die aktuellen Verkaufszahlen deuten an, dass sich Apple analog zum wachsenden Erfolg der eigenen Hardware langsam aber sicher hocharbeiten könnte. Zwar schaffen es in die „Gamestar”-Verkaufscharts derzeit nur PC-Spiele, doch rund die Hälfte davon gebe es auch in der Mac-OS-Version. Dies belege, dass die Apple-Plattform für Games technisch „nicht die schlechteste" sein könne, sagt Molz. ”Apple-Computer sind eine interessante Spielplattform„, sagt auch Electronic-Arts-Sprecher Martin Lorber. ”Spiele, die es auch für den Mac gebe, beispielsweise „Sims 3”, zählten zu den erfolgreichsten EA-Spielen überhaupt. 2007 war der Publisher in den Apple-Spielemarkt eingestiegen.

Vom schleichenden Untergang der Mac-Spiele kann folglich keine Rede sein. Spielernaturen unter den Apple-Usern kommen in den Genuss brandaktueller Games. Denn nicht mehr alle Spiele kommen erst als Windows-Versionen heraus, sondern laufen gleich auf beiden Plattformen. Bevor das so war, musste die oft Monate dauernde sogenannte Portierung abgewartet werden, bei der Firmen wie Aspyr, Feral oder MacSoft in Lizenz Anpassungen an Mac OSX vornehmen. Laut Molz wird jedoch immer noch der Bärenanteil der Spiele so auf dem Mac erst spielbar.

Geradezu erdbebenartig hat der kalifornische Hersteller mit dem Apfellogo dagegen die Welt der mobilen Spiele erschüttert. Seit Launch des App-Stores wurden milliardenfach Programme heruntergeladen, laut Fachpresse meistens Spiele. iPhone und iPod Touch wurden auf Anhieb ernstzunehmende Konkurrenten portabler Zocker-Gadgets wie Sonys Playstation Portable (PSP) oder Nintendos Gameboy-Nachfolger, die DS-Konsole. Das Erfolgsgeheimnis sieht Molz unter anderem in „sehr fairen” Bedingungen für Spielentwickler. Anders als in der Branche üblich, gingen 70 Prozent der Einnahmen an den Entwickler, 30 an Apple.

Die Folge: Eine Vielzahl an Spielen und beste Verkaufzahlen für das iPhone und den iPod touch. „Mittlerweile gibt es für die PSP sogar Umsetzungen von iPhone-Spielen”, sagt Molz. „Man sieht Apple als ebenbürtigen Gegner an.” Und als Beförderer des eigenen Geschäfts: Im „Wall Street Journal” ließ Sony laut „Mac Life” darauf hinweisen, dass sich seit dem Start des iPhone die PSP-Verkaufszahlen deutlich erhöht hätten. Eine solche Ankurbelung wäre auch durch Apples neuen Tablet-Rechner iPad denkbar, aber ein DS-Killer werde das iPad sicher nicht, sagt Molz.

Dass Apple für Schreibtischrechner und Laptops eine solche Erfolgsgeschichte im Spielesektor noch nicht geschrieben hat, liegt laut Molz am Ehrgeiz von Microsoft und daran, dass Apple anders als im mobilen Bereich zu wenig für die Entwickler tue. Mittlerweile ist auch die Spieleschmiede idSoftware („Doom”) ins Apple-Geschäft eingestiegen. Wohl nicht ohne wirtschaftlichen Grund.
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