Spieleindustrie nimmt Hardcore-Fans wieder in den Blick

Von: Christof Kerkmann, dpa
Letzte Aktualisierung:
Spieleindustrie nimmt Hardcore-Fans wieder in den Blick
Mit ganzem Körpereinsatz: Im Spiel „Kinect Star Wars” für die Xbox 360 simuliert der Spieler mit Arm- und Handgesten Laserschwert-Duelle. Foto: dpa

Los Angeles. PC- und Konsolenspiele gehören längst nicht mehr in die Schmuddelecke. Spiele für die ganze Familie sprechen seit Jahren neue Zielgruppen an. Auf der Branchenmesse E3 besinnen sich die großen Hersteller aber nun wieder auf ihre Stammkundschaft, die Hardcore-Gamer.

Kinder, Frauen, Senioren - vieles, was die Computerspiele-Branche in den vergangenen Jahren groß präsentierte, zielte auf diese neuen Zielgruppen ab. Doch es scheint, als ob sich Nintendo, Sony und Microsoft wieder auf ihre Kernklientel besinnen. Auf der E3 in Los Angeles, der wichtigsten Messe der Computer- und Videospiele-Branche, zeigten die Hersteller eine Reihe von Neuerungen, die nicht zuletzt den Hardcore-Fans Spaß machen dürften.

Den Auftakt machte Sony mit der neuen mobilen Konsole Playstation Vita. Die aktuelle Gerätegeneration Playstation Portable leidet unter der Konkurrenz der Smartphones, die vielen Nutzern für ein Spielchen zwischendurch ausreichen. Der Nachfolger soll den Unterschied wieder deutlicher sichtbar machen. „Wir wollten eine einzigartige und packende Spielerfahrung schaffen”, sagte Sony-Manager Shuhei Yoshida der Nachrichtenagentur dpa im Vorfeld der E3.

Die Vita protzt mit einem fünf Zoll großen Bildschirm, der dank OLED-Technologie Farben besonders lebendig wiedergibt. Ein Vierkernprozessor sorgt dafür, dass die Spiele zackig laufen. Und während Smartphones allein über den Bildschirm bedient werden, lockt die Vita mit einem Arsenal an Steuer-Elementen: Analog-Sticks, wie man sie von klassischen Spielkonsolen kennt, ein berührungsempfindliches Display vorne, zusätzlich eines an der Rückseite des Gerätes, außerdem Bewegungssensoren.

Der Unterschied zum Smartphone ist schon jetzt deutlich sichtbar - Spiele wie „Uncharted: Abyss” bieten eine Grafik, die man bislang nur von großen Geräten wie der Playstation 3 gewöhnt ist. „Sony wettet, dass die Hardcore-Fans nicht mit den kostenlosen Spielen zufrieden sind, die sie für Tablets und Smartphones bekommen können”, schrieb das amerikanische Spiele-Blog „GamesBeat” nach einem ersten Test des Gerätes.

Allein darauf will Sony sich aber nicht verlassen und greift daher einen Trend der vergangenen Jahre auf: die allgegenwärtige Vernetzung. Während die 250-Euro-Variante der Vita nur eine WLAN-Verbindung hat, sorgt beim 300-Euro-Gerät ein Mobilfunk-Modul dafür, dass die Nutzer immer online sind. So sehen Spieler beispielsweise, wenn einer ihrer Freunde einen Rekord gebrochen hat. Oder sie spielen direkt gegeneinander.

Die Vernetzung birgt allerdings ein Risiko: Der Datendiebstahl in den Online-Netzwerken von Sony könnte manchen sicherheitsbewussten Nutzer abschrecken. Das weiß auch Yoshida: „Die Verbraucher werden über uns urteilen, wenn wir wieder alle Dienste online haben. Sie erwarten nichts weniger als sichere und robuste Dienste.”

Auch Nintendo hat seine Hardware überarbeitet. Die Wii gewann mit ihrem cleveren Steuerungskonzept viele Gelegenheitsspieler, doch bei Grafik und Rechenleistung konnte die Konsole von vornherein nicht mit den Konkurrenten mithalten. Nun kommt eine neue Generation heraus, die nicht nur HD-Bilder liefert, sondern wieder mit einem extravaganten Steuergerät aufwartet: Der Controller der Wii U ähnelt einem Tablet-Computer.

Die sechs Zoll große Mattscheibe zeigt entweder, was auch auf dem Fernseher zu sehen ist - oder aber zusätzliche Inhalte, die das Spiel ergänzen. Entwicklern gibt das Spielraum für neue Ideen. Der berührungsempfindliche Bildschirm lässt neue Steuerkonzepte zu. Selbstredend hat das Gerät wie sein Vorgänger Bewegungssensoren, außerdem einen Beschleunigungsmesser. Ein weiterer Pluspunkt: Die Spiele und Geräte für den Vorgänger sollen auch auf der neuen Wii laufen.

Nintendo macht somit wieder einen Schritt auf die Hardcore-Fans zu. „Während der Wii-Controller einer harmlosen TV-Fernbedienung ähnelte, um Gelegenheitsspieler anzulocken, sieht das neue Touchscreen-Gerät aus wie von der Brücke der „Enterprise””, urteilt das US-Magazin „Wired”.

Neue Hardware musste Microsoft nicht vorstellen - die Bewegungssteuerung Kinect für die Xbox 360 ist erst im vergangenen Jahr auf den Markt gekommen. Auf der E3 trat der US-Konzern aber den Beweis an, dass es sich bei dem Zusatzgerät nicht nur um eine Spielerei für Yoga-Fans, Partys und Kinder handelt. Demnächst kommt eine Reihe von Titeln auf den Markt, die sich eher an die klassische Zielgruppe richtet: junge Männer.

In „Kinect Star Wars” schwingen Spieler vor der Kinect-Kamera ein virtuelles Laserschwert. In einer Adaption des anspruchsvollen Rollenspiels „Fable” wird mit Handbewegungen gezaubert, um das Reich Albion vor einer dunklen Bedrohung zu beschützen. Und im Action- Spiel „Mass Effect 3” hört Commander Shepard dank des Kinect-Mikrofons auf Sprachkommandos. Mit einem „Move up!” rücken die Soldaten vor.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert