Spezielle Suchmaschinen: Höhere Trefferquoten möglich

Von: Philipp Laage, dpa
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Spezialsuchmaschinen machen höhere Trefferquoten möglich
Durch die Expertenbrille gucken: Wer Informationen zu speziellen Themen wünscht, ist mit entsprechenden Suchmaschinen oft besser dran als mit den großen, also Google oder Yahoo. Foto: dpa

Hamburg/Hannover. Wollen Surfer schnell etwas wissen, sind Google, Yahoo und Bing häufig nur einen Klick entfernt. Doch so umfassend die Suchmaschinen auch aufgestellt sind, so ungenau und mitunter sogar unbrauchbar sind manchmal die Ergebnisse.

Das gilt zumindest dann, wenn nach weniger Alltäglichem wie wissenschaftlichen Quellen oder auch bestimmten Blogs geforscht wird. Dann können Spezialsuchmaschinen weiterhelfen.

Sie sind jeweils auf bestimmte Bereiche fokussiert - und liefern in diesen deutlich genauere Ergebnisse, wie Prof. Dirk Lewandowski von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg erklärt. Das ermöglichen eigene Algorithmen. Sie durchkämmen nicht nur das Web auf HTML-Basis, sondern auch Datenbanken, die die Universal-Maschinen unberücksichtigt lassen.

Eine gute Plattform für Suchen in der Welt der Wissenschaft etwa ist nach Lewandowskis Worten Scirus (www.scirus.com), betrieben vom Fachbuchverlag Elsevier. Sie durchforstet Web-Inhalte, Verlagsseiten und Open-Access-Archive nach wissenschaftlichen Texten und Publikationen. „Scirus greift auf Quellen zurück, die sonst von den Suchergebnissen komplett ausgeschlossen sind.”

Eine besonders engmaschige Suche nach Inhalten aus der Medizin ermöglicht die englischsprachige Seite gopubmed.org. Sie liefert laut Wolfgang Sander-Beuermann, Leiter des Suchmaschinenlabors an der Leibniz Universität Hannover, durchaus Ergebnisse, die man sonst nirgendwo sonst findet.

„Die Suche über gewöhnliche Suchmaschinen liefert viel zu allgemeine und wenig spezifische Ergebnisse, um wissenschaftliche Inhalte aufzuspüren”, sagt Prof. Lewandowski. „Dafür sind sie nicht gemacht, und das ist auch nicht ihr Anspruch.” Allerdings hat Gigant Google mit Scholar (scholar.google.de), das hierzulande bis zuletzt aber noch in einer Testversion vorlag, inzwischen ebenfalls ein Portal, über das sich nach entsprechenden Inhalten forschen lässt.

Das ist nicht das einzige Beispiel dafür, dass die großen Anbieter in verschiedene Nischen drängen. So bieten sowohl Google mit Google News als auch Yahoo und Microsofts Bing eigene Dienste für Surfer an, die gezielt Nachrichten suchen. „Der Vorteil dieser speziellen Suchen liegt darin, dass eine allgemeine Suche nicht die Aktualität liefern kann, die sich der Nutzer bei Nachrichten vielleicht wünscht”, erläutert Prof. Lewandowski. Die Blog-Suche haben die großen Anbieter ebenfalls mit eigenen Funktionen besetzt.

Anders sieht es bei Dingen aus, deren Wichtigkeit noch stärker vom Nutzer bestimmt wird - bei Echtzeit-Inhalten etwa. Eine recht neue Maschine speziell dafür ist OneRiot.com. Dort können Twitter-Postings nach URLs durchsucht werden. Es geht also darum, rauszufinden, welche Webinhalte Nutzer des Kurznachrichtendienstes im jeweiligen Moment empfehlen. „Die Fragestellung ist damit zwar deutlich eingegrenzt, allerdings ist OneRiot ein schönes Beispiel für eine gute, fokussierte Suche in einem speziellen Bereich”, sagt Lewandowski.

Topsy (topsy.com) und TweetMeme (tweetmeme.com) haben es ebenfalls gezielt auf Twitter-Inhalte abgesehen. Noch einen Schritt weiter geht Scoopler (www.scoopler.com), über das sich neben Twitter auch andere Portale durchsuchen lassen, auf denen Nutzer Inhalte teilen: Digg, Delicious und Flickr zum Beispiel. Diese Dienste arbeiteten wie alle richtigen Spezialsuchmaschinen mit eigenen Indizes und Algorithmen, sagt Lewandowski. „Denn wenn ich beispielsweise Real-Time-Inhalte durchsuche, hab ich andere Kriterien, was wichtig ist und was nicht.”

Nach Informationen aus rund 80 Fachgebieten von der Astronomie bis zur Landwirtschaft können Nutzer von Opencrawl (www.opencrawl.de) stöbern. „Die Ergebnisse kommen ohne den üblichen Suchmaschinen-Müll aus, der häufig in den Ergebnissen der großen Maschinen erscheint - also vor allem kommerzielle Angebote”, sagt Sander-Beuermann - nicht ganz uneigennützig: Er ist Geschäftsführer des Vereins für freien Wissenszugang (SuMa-eV) aus Hannover, der das Projekt auf die Beine gestellt hat sowie weiter pflegt und überarbeitet.

Für viele Belange des täglichen Lebens hält das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit mit clewwa.de eine eigene Suchmaschine für Verbraucherinfos bereit. Ecoshopper.de, betrieben von einem gemeinnützigen Verein aus Berlin, bedient Nutzer auf der Suche nach Öko-Produkten. Auf erziehungswissenschaftliche Themen spezialisiert ist die Suchmaschine des Projekts „Europäische Qualitätsindikatoren für die Forschung im Bereich der Erziehungswissenschaft” unter eerqi.eu/page/eerqi-searcher.

Aber auch bei ganz praktischen Fragen können Nutzer mit Hilfe von Spezialsuchmaschinen schneller die gesuchten Informationen finden. Eine Plattform für Surfer auf der Suche nach einer Arbeitsstelle ist jobrapido.de. Sie komme mit einer reduzierten und selbsterklärenden Einstiegssuche daher sowie einer guten inhaltlichen und regionalen Filterung, urteilt Robert Hartl aus Passau. Sein Unternehmen Netprofit bietet Webseitenoptimierung für große Suchmaschinen an. Jobrapido durchkämme als Meta-Suchmaschine mehrere Quellen, sei aber nur ein Beispiel von mehreren: Fast alle Jobsuchmaschinen seien auf einem guten bis sehr guten Niveau.
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