Düren - Schülerrallye Netrace: Das Finale im Visier

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Schülerrallye Netrace: Das Finale im Visier

Von: Marc Heckert
Letzte Aktualisierung:
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Konzentration – auch im Kostüm: Danijel, Florian, Janis, Jean-Claude und Katharina (von links) vom Netrace-Team „Mozillas“ der Louis-Braille-Schule Düren. Rechts ihr Lehrer Krister Badur. Nach dem Fototermin ging es für alle zur Karnevalsparty der Schule.
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Lesen mit der Braille-Zeile: Das Ausgabegerät für Blindenschrift stellt Textbereiche durch ausfahrbare Stößelchen in Braille-Schrift dar. Eines dieser Geräte kostet zwischen 5000 und 10.000 Euro.

Düren. Die Tasten klickern, als Danijels Finger über die Tastatur fliegen. Auf dem Computermonitor öffnet sich ein Word-Dokument. Den Text darin liest der 15-Jährige mit seinen Fingern – auf einem flachen Kästchen vor der Tastatur. Es ist eine Braille-Zeile, ein Ausgabegerät für Blindenschrift.

Mit dessen Hilfe bearbeiten Danijel und seine Mitstreiter die Aufgaben des Netrace, der Internetrallye für Schüler von unserer Zeitung und NetAachen.

Ihr Team heißt „Mozillas“ – benannt nach dem Browser. Ihre Schule ist die Louis-Braille-Schule, eine Förderschule für blinde und sehbehinderte Schüler in Düren, benannt nach dem Erfinder der Blindenschrift.

Für die acht Schüler der siebten und achten Jahrgangsstufe ist es die erste Teilnahme an unserer jährlichen Internetrallye. Und, wie war‘s bis jetzt? „Echt interessant!“ ist das Fazit von Ayse (15 Jahre).

Ihr Lehrer Krister Badur war bereits im vergangenen Jahr mit einem anderen Schülerteam am Start. „Das Netrace ist wie eine kleine Schatzsuche“, sagt er. „Die Schüler lernen dabei ganz nebenbei, sich im Netz zu bewegen.“ Badur hat das Wissensquiz in seine montägliche Doppelstunde eingebaut. „Für mich ist Netrace die reinste Arbeitserleichterung“, sagt er und lächelt.

Bei der Rallye geht es darum, Quizfragen aus allen möglichen Bereichen zu beantworten. Mitmachen können Schüler aller Schulen der Jahrgänge 5 bis 13. Nach vier jeweils einwöchigen Runden stehen am Ende die zehn besten Teams fest. Wer gewonnen hat, wird aber erst auf einer großen Siegesfeier im Frühjahr bekanntgegeben.

Die „Mozillas“ nutzen modernste Technik, um sich durch die kniffeligen Netrace-Fragen zu ackern. Die Vergrößerungssoftware Zoomtext auf Ayses Monitor etwa zeigt ausgewählte Bildschirmbereiche extragroß an.

Danijel und sein Mitschüler Florian, beide 15 Jahre alt, nutzen JAWS , einen sogenannten Screenreader: „Das ist ein kleines Programm für PCs, das 1800 Euro kostet und das vorliest, worauf der Fokus liegt“, erklärt Danijel routiniert. „Bei englischen Texten springt das Programm automatisch um“, ergänzt Florian.

Auch wenn nicht jede Internetseite die Kriterien der Barrierefreiheit erfüllt, also so programmiert ist, dass sie auch für Sehbehinderte und Blinde problemlos lesbar ist: Das Netz der Netze lässt sich auch mit Händen und Ohren erschließen. Auch so komplizierte Aufgaben wie die Netrace-Fragen lassen sich auf diese Weise lösen. Dass man mit Vorleseprogramm, Zoomsoftware und Braille-Zeile etwas länger braucht, um sich durch eine Liste Google-Ergebnisse zu wühlen, ist kein K.o.-Kriterium: Beim Netrace kommt es in erster Linie auf Genauigkeit an. Die Zeit zählt nur bei Punktegleichstand zwischen zwei Teams.

Das Internet ist denn auch für einige der „Mozillas“ so etwas wie der natürliche Lebensraum. „Ich bin eigentlich vierundzwanzig Stunden am Tag online“, sagt Katharina (14 Jahre) grinsend. Und wo tummeln sie und die meisten anderen Teammitglieder sich am liebsten? Na, da wo so ziemlich alle Teenager im Moment sind: bei Facebook natürlich. Die 13-jährige Janis betont allerdings, dass sie daneben auch immer noch gerne Bücher liest – „am liebsten ,Fünf Freunde‘“. Die Klassiker von Enid Blyton haben schon Generationen von Teenagern gefesselt.

Moderne Software und Digitaltechnik sind im Alltag der Louis-Braille-Schüler allgegenwärtig. Während die Schüler vor ihren Monitoren sitzen, springt auf Florians iPhone plötzlich der Newsreader an. Die blecherne Stimme aus dem Smartphone quasselt eine gerade hereingekommene Nachricht herunter. Der 15-Jährige mag sein High-Tech-Handy kaum aus der Hand legen.

„In puncto Barrierefreiheit ist Apple momentan wohl Marktführer“, sagt Lehrer Krister Badur. Die eingebaute Bildschirmlesefunktion „VoiceOver“ auf den iPhones, iPads und Computern des Herstellers mit dem Apfel-Logo ist für blinde und sehbehinderte Menschen eine große Arbeitshilfe.

Am kommenden Dienstag, 19. Februar, beginnt die erste der beiden Finalrunden des sechsten Netrace. Für die Teams, die sich in Vor- und Hauptrunde qualifiziert haben, geht es dann ums Ganze. Die Mozillas sind dabei. Mit Screenreader, Braille-Zeile und Zoomtext – aber vor allem: Cleverness und Spürnase.

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