Rechtliches für Knipser: Was bei Foto-Communitys zu beachten ist

Von: Nadine Hantke, dpa
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Was längst noch nicht jeder Nutzer wissen dürfte: Nicht alles, das fotografieren werden kann, darf man auch veröffentlichen.

Poing/Frankfurt/Main. Noch nie war fotografieren so einfach wie heute. Millionen von Hobby- und Amateurknipsern machen Millionen von Bildern und wollen sie präsentieren. Dafür gibt es diverse Foto-Communitys im Internet. Was längst noch nicht jeder Nutzer wissen dürfte: Nicht alles, das fotografieren werden kann, darf man auch veröffentlichen.

Foto-Communitys sind kein ganz neues Thema. Aber sie haben immer noch ein enormes Wachstum, sagt Werner Lüttgens, Chefredakteur der in Poing (Bayern) erscheinenden Zeitschrift „Colorfoto”. „Wer privat fotografiert und seine Bilder zeigen will, der meldet sich dort an.”

Gabriela Ürlings vom Portal fotocommunity.de aus Bonn ist sich sicher: Nicht zuletzt der Wunsch nach Anerkennung durch andere ist es, der Online-Gemeinschaften wie der ihren nach wie vor großen Zulauf beschert. „Die Leute sitzen auf ihren Eroberungen und möchten sie mit anderen teilen.” Sie wollen Lob, Kritik und Diskussionen - und bekommen das auch. Denn die meisten Portale sind mehr soziale Netzwerke als Fotoalben im Netz.

Schöne, neue, unkomplizierte Web-Foto-Welt - doch die Chance, ohne Mühe Bilder einzustellen, lässt leicht vergessen, dass das Ganze auch an Rechte und Pflichten geknüpft ist. Die meisten Communitys weisen in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (ABG), Nutzungsbedingungen oder Gemeinschafts-Richtlinien zwar auf sie hin. Aber wer schlägt sich schon gern mit dem Kleingedruckten herum?

„Allgemein ist zu beachten, dass man nur Fotos veröffentlichen darf, die man selber gemacht oder bei denen der Fotograf zugestimmt hat”, erklärt Thomas Lapp, Anwalt für IT-Recht aus Frankfurt. Heikel kann es werden, wenn Menschen zu erkennen sind. „In einem solchen Fall darf das Bild in der Regel nur veröffentlicht werden, wenn die Personen dem zustimmen.”

Daher müsste laut dem Experten eigentlich für jedes entsprechende Motiv ein Vertrag geschlossen werden, in dem die abgelichtete Person ihr Einverständnis gibt. „Auch das Foto der Nachbarn darf ich nicht online stellen, wenn der Nachbar das nicht will”, erklärt Werner Lüttgens.

Problematisch wird es auch dann, wenn man etwas fotografiert, das selbst dem Urheberrecht unterliegt. „Auch wenn ich in einem modernen Museum fotografieren darf, darf ich die Bilder nicht veröffentlichen und schon gar nicht Geld damit verdienen - sie unterliegen dem Urheberrecht des Künstlers”, warnt der „Colorfoto”-Chefredakteur.

Bei einigen Kunstwerken und Wahrzeichen ist besondere Vorsicht geboten. So darf der Eiffelturm in Paris zwar durchaus geknipst werden. Aber nächtliche Aufnahmen des illuminierten Wahrzeichens dürfen nicht veröffentlicht werden: Das Urheberrecht darauf liegt beim Lichtkünstler Pierre Bideau.

„Wir haben beim Copyright-Inhaber bewirkt, dass der beleuchtete Eiffelturm in unserer Community gezeigt werden darf, allerdings mit Urheberrechtsvermerk”, erklärt Gabriela Ürlings von fotocommunity.de. Unter jeder Nachtaufnahme des Turms steht nun: „Copyright Tour Eiffel - Illuminations Pierre Bideau”. Ähnliches gilt für das Atomium in Brüssel. Hier dürfen Fotos in sogenannten Microstock-Fotoagenturen wie fotolia.de oder photocase.com auch dann nicht angeboten werden, wenn sie einen Urheberrechtsvermerk tragen.

Sogar Schnappschüsse von Tieren im Zoo darf man nicht gedankenlos veröffentlichen. „Die Tierparks haben das Hausrecht und dürfen daher entscheiden, ob im Zoo aufgenommene Bilder veröffentlicht werden dürfen”, sagt Ürlings. Manche Parks sähen das recht streng, andere wiederum sehr locker. Im Zweifel heißt es, nachfragen. Problematisch seien auch Collagen mit Werbebildern oder nachgestellte Filmplakate. „Manche Firmen reagieren da sehr empfindlich.”

Es empfiehlt sich allerdings, nicht nur die Persönlichkeits- und Urheberrechte anderer zu beachten: Der Fotograf sollte auch an seine eigenen Interessen denken. Rechtsanwalt Lapp rät deswegen, vor dem Hochladen von Fotos auf ein Portal dessen AGBs zu lesen - auch wenn das keinen Spaß macht.

„Man sollte sich genau erkundigen, welche Rechte man mit dem Einstellen in eine Community an deren Betreiber abtritt.” Hinzu kommt: „Fotos, die mit einer Suchmaschine gefunden werden können, bleiben für immer im World Wide Web. Man sollte sich daher genau überlegen, ob man mit den Fotos, die man ins Netz stellt auch noch in zehn Jahren in Verbindung gebracht werden möchte.”

Wichtige Portale

Zu den größten Foto-Portalen zählt nach wie vor flickr.com. Die Plattform gehört Yahoo, mehrere Milliarden Bilder sind auf ihr gespeichert. Der Internet-Riese Google kontert mit Webalben auf picasaweb.com.

Zudem bietet das Unternehmen mit panoramio.com einen Geotagging-Dienst an, der an Google Maps angeschlossen ist. Per Geotagging lässt sich auf Karten markieren, wo ein Foto geschossen wurde. Das zum „Stern” gehörende Magazin „View” unterhält ebenfalls eine Foto-Community. Und auf dem Portal von „Colorfoto” haben sich mittlerweile immerhin gut 65.000 Bilder angesammelt.
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