Berlin - Privatfahndung im Netz: Oft einen Versuch wert

Privatfahndung im Netz: Oft einen Versuch wert

Von: Annett Klimpel, dpa
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Hohes Diebstahlrisiko bei Altautos
Die Autodiebe machten sich eine Sicherheitslücke in der bordeigenen Wegfahrsperre der BMWs zunutze. Foto: dpa

Berlin. Die Polizei winkte nur ab, als ihr Wohnmobil gestohlen wurde. Deshalb fahndete ein Surfer-Paar im Netz auf eigene Faust nach dem Wagen. Und wurde fündig. Die Chancen für ähnliche Erfolge sind gar nicht so schlecht.

Das Surf-Wochenende an der Müritz in Mecklenburg- Vorpommern war herrlich, umso größer war der Schock am Montagmorgen: Wieder daheim in Berlin war der zum Wohnmobil ausgebaute Fiat Ducato weg. „Bei der Polizei hat man uns keine Hoffnungen gemacht”, erzählt Caterine Bollinger. In Berlin kaum ein Wunder: In keinem anderen Bundesland werden, gemessen am Fahrzeugbestand, so viele Autos gestohlen. Im vergangenen Jahr wurden von je 10.000 zugelassenen Fahrzeugen 35 geklaut.

Caterine Bollinger wohnt erst seit einigen Wochen in Berlin. Mit ihrem Ducato verschwanden zwei teure Surf-Ausrüstungen, Jacken, Geld und Kreditkarten. „Wir haben dann zwei Tage später einen Steckbrief bei Facebook eingestellt”, sagt Bollinger. „Und Einträge bei Surf- Blogs geschrieben.” Wichtigstes Detail: große Aufkleber mit „Surf and Kite Düsseldorf” an den Flanken des Wohnmobils.

Ähnliche Steckbriefe lassen sich im Netz zuhauf finden, in Fachblogs und bei http://www.sachfahndung.de, http://www.gestohlen.eu oder http://www.seriennummern-check.de zum Beispiel. Nach Autos wird dort gesucht, Computern, Handys, Fahrrädern, aber auch Booten und Baumaschinen. Wer auf die Unterstützung einer Gemeinschaft wie die von Surfern, Hobbyfotografen oder Kletterern bauen kann, hat die besten Erfolgsaussichten.

Fahnder der Polizei nutzen virtuelle Netzwerke schon lange, um Verbrecher aufzuspüren - etwa mit Fahndungsfotos. In Russland geben sich Gerichtsvollzieher in Online-Portalen als heiße Blondinen aus, um ein Treffen zu organisieren, bei dem der Schuldner ganz sicher die Tür öffnet.

Im Berliner Fall kam schon zwei Tage nach dem Start der privaten Netzfahndung der Anruf: „Meinem Freund wurde gesagt, er solle doch mal in einer Straße in Spandau gucken, da stehe so ein Ducato wie im Steckbrief beschrieben.” Der Hinweis stimmte. Im Bully lagen Kippen, T-Shirts und Unterhosen, die nicht hineingehörten - Die Surfausrüstungen und Jacken dagegen waren weg.

„Wir vermuten, dass jemand an dem Wochenende in Mecklenburg gedacht hat: Das Material hätte ich gern”, sagt Bollinger. Entdeckt hätten sie die Sachen noch nicht - nicht bei Surf-Kollegen und nicht im Netz. Wiedererkennen würden sie es aber sofort. „An den Schrammen.”

Bei Bildern, Schmuck und edlen Uhren lohnt sich ein Blick in die Datenbank „www.securius.eu.com”. Dort listet das Bundeskriminalamt Gestohlenes auf, das bei Ermittlungen gefunden wurde.

Oft versuchen Diebe, ihre Ware über die Versteigerungsplattform Ebay loszuwerden. Ebay-Sprecherin Maike Fuest empfiehlt für solche Fälle: „Wenn jemand etwas von sich entdeckt, erst mal zur Polizei gehen. Die Behörden melden sich dann bei uns.”

Der Verkauf über Ebay ist für den Dieb riskant - und für den Käufer dort. Gestohlene Ware geht nach deutschem Recht nicht in sein Eigentum über. Und hätte er - etwa wegen des niedrigen Preises - misstrauisch werden müssen, kann ein Käufer gar wegen Hehlerei belangt werden. Fuest rät: „Am besten fragt man nach, wie der Preis zustande kommt, wenn er zu gut ist, um wahr zu sein.”

Mit einem besonders dreisten Fall hatte es einst die Polizei in Bochum zu tun: Ein 19-Jähriger stahl seinem Nachbarn ein Zelt und stellte es bei Ebay ein. Käufer war ausgerechnet der frühere Besitzer. Unverfroren brachte der Dieb das Zelt vorbei und wollte abkassieren. Doch der Bestohlene, misstrauisch geworden, rief die Polizei.

Eine nette Fund-Anekdote lässt sich dagegen bei Facebook lesen. „Lee” berichtet dort, wie er an einem Sonntag in einem New Yorker Taxi einen Ausweis und zwei Kreditkarten fand. Er versuchte, die Frau über Facebook zu erreichen und schrieb dann an 13 ihrer Freunde dort.

Aus Deutschland kam ein Verweis nach Kanada und von da der Kontakt zu den Eltern der Frau in Brasilien, die schließlich ihre Tochter informierten. Das Netz als gewaltige Hilfsgemeinschaft - manchmal funktioniert das.
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