Poken: Digitale Visitenkarten mit Spaßfaktor

Von: Susanne Ehlerding, ddp
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Soziale Kontakte im Netz zu finden und zu pflegen, ist besonders für junge Leute ein Volkssport geworden. Jetzt gibt es für sie ein Spielzeug, das den Austausch ihrer Profile in der realen Welt erleichtern soll. Poken heißen die Schlüsselanhänger, die wie digitale Visitenkarten funktionieren. Foto: ddp

Duisburg/St. Gallen. Soziale Kontakte im Netz zu finden und zu pflegen, ist besonders für junge Leute ein Volkssport geworden. Jetzt gibt es für sie ein Spielzeug, das den Austausch ihrer Profile in der realen Welt erleichtern soll. Poken heißen die Schlüsselanhänger, die wie digitale Visitenkarten funktionieren.

Begegnen sich zwei Pokenbesitzer, die sich auf Portalen wie Facebook, MySpace oder StudiVZ wiedertreffen möchten, brauchen sie nur die Handflächen der Poken aneinanderzulegen.

Innerhalb von Sekunden werden ihre Daten über Funk ausgetauscht. Verschlüsselt übertragen wird dabei nur die Seriennummer der kontaktierten Poken. Falls es geklappt hat, leuchtet ein grünes Lämpchen auf.

In der Hand verbirgt sich ein USB-Anschluss, den man zu Hause in den Computer stecken kann. Auf der Website doyoupoken.com werden die neuen Freunde dann angezeigt und man kann ihre Links anklicken. So weit, so einfach.

Für Poken brauche man keine Software und die Batterie solle sechs Monate halten, verspricht der Hersteller, ein junges Unternehmen mit Sitz in Lausanne und einer Filiale in San Francisco.

„Die Erfindung Poken ist eine sehr nette und bis zu diesem Zeitpunkt noch sehr spielerische Möglichkeit, Kontaktdaten und Informationen über die eigene Person auszutauschen”, sagt Nina Haferkamp, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet Sozialpsychologie, Medien und Kommunikation an der Universität Duisburg-Essen.

Das Aussehen des Mediums spreche momentan eher eine jüngere Zielgruppe an. Es sei aber nicht auszuschließen, dass es auch im beruflichen Bereich Erfolg haben könnte.

Demnächst sollen jedenfalls auch Poken mit einem seriöseren Design für den beruflichen Gebrauch erscheinen, wie Poken-Gründer Stéphane Doutriaux ankündigte.

Bereits heute kann man auf der Poken-Website verschiedene Profile anlegen und vor der Übertragung am Gerät auswählen. So stellen Pokenbesitzer sicher, dass sie beim Geschäftskontakt nur Informationen verteilen, die sie nicht kompromittieren.

Diese Funktion bot auch schon ein weniger erfolgreicher Vorläufer des Poken vom niederländischen Projekt E. Laut Angaben von Stéphane Doutriaux produziert das Unternehmen monatlich 60.000 Stück und kann die Nachfrage nicht befriedigen.

„Fraglich ist, ob die Informationen, die über das Poken erhalten werden, wirklich von den Usern genutzt werden oder ob nicht das Poken an sich - also die Geste, die besagt: ich will Kontakt mit dir - viel entscheidender für die Fangemeinde ist”, sagt Haferkamp: „Generell merken wir zur Zeit, dass wearable computing, also tragbare Computertechnik, immer populärer wird.”

Besonders deutlich werde dies beim Handy, in das sehr viele Technologien eingebaut würden, die früher nur ein Computer hätte leisten können. „Vielleicht erübrigt sich dann irgendwann auch das Poken und diese Funktion wird über Bluetooth mit dem Handy möglich”, sagt die Expertin.

Noch leidet das Poken offenbar an Kinderkrankheiten. So stürzen die Geräte laut Kommentaren von Nutzern in Internet öfter mal ab. Auch die Website doyoupoken.com funktioniert noch nicht reibungslos, beispielsweise lassen sich einige Links dort nicht anklicken.

„Die Tatsache, dass das Ding sich anscheinend trotzdem gut verkauft, zeigt, dass die Kunden Spaß mit IT-Zubehör haben wollen, dass es cool ist, so ein Ding zu haben”, sagt Andrea Back, Leiterin des Instituts für Informationsmanagement an der Universität St. Gallen.

Bei einem Wettbewerb des angesehenen Blogs Techcrunch wurde Poken immerhin als „Best Real Life Gadget” ausgezeichnet, als bestes Spielzeug im wirklichen Leben.

„Das Bedürfnis, die virtuelle Welt mit der realen zu verbinden, ist durch den Einzug des Web 2.0 prominent geworden”, sagt Nina Haferkamp. Im verwirrenden Spiel mit den virtuellen Identitäten befriedigten die Poken das Bedürfnis nach einem greifbaren Haltepunkt.
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