Per Navi ins Netz: Internet im Auto kommt langsam in Fahrt

Von: Susanne Ehlerding, dapd
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Hamburg. Jeder vierte Autofahrer in Deutschland wünscht sich einen Internetzugang im Auto. Das hat der Branchenverband Bitkom bei einer repräsentativen Befragung durch das Meinungsforschungsinstitut Aris Deutschland festgestellt.

Technisch ist es schon heute möglich, im Auto zu surfen. Allerdings gibt es dafür drei unterschiedlich bequeme Wege.

„Die Anbindung per Smartphone ist die am wenigsten komfortable”, sagt Bitkom-Geschäftsleiter Axel Garbers. Zwar erhalte man auch mit den internetfähigen Handys Zugang zum Netz. Diese Handys seien aber in aller Regel nicht sprachgesteuert. Da Telefonieren und Surfen am Steuer verboten sind, kann nur der Beifahrer ein Smartphone benutzen.

Naheliegend ist der Wunsch nach verbesserten Verkehrsinfos, meint Garbers. Als es vor ein paar Monaten auf der Autobahn nach Rostock einen einen schweren Unfall mit Vollsperrung gab, wäre es sinnvoll gewesen, Nachrichten über das Stauende in Echtzeit zu bekommen. „Das funktioniert heute nicht nur mit einem Handy, bei dem die Ortungsfunktion eingeschaltet ist, sondern auch mit manchen Navis”, sagt Garbers. Sie holen sich die Daten über UMTS - also wie die Handys auch - aus dem Netz.

Per Sprachsteuerung ins Netz

Bisher musste man Navigationsgeräte abstöpseln und zu Hause am PC synchronisieren, um die neuesten Daten über Baustellen oder andere Hindernisse aus dem Internet herunterzuladen. Bei akuten Verkehrsproblemen hilft das natürlich wenig. Zukünftig werden nach Einschätzung des Bitkom-Geschäftsleiters aber alle Navigationsgeräte eine Internetanbindung haben. „Das Schöne daran ist, dass man über die Sprachsteuerung dann auch andere Funktionen anwählen kann”, sagt der Experte.

Wer beispielsweise an einer alten Kirche vorbeifahre, könne sich Informationen darüber aus Wikipedia vorlesen lassen. „Auch communitybasierte Informationen können für Autofahrer sinnvoll sein”, sagt Garbers. So sei es möglich, dass das Navi aus den Routen anderer Verkehrsteilnehmer lernt. „Wenn jemand immer wieder eine andere Strecke fährt als die vorgegebene, kann das Gerät anderen Autofahrern, die mit dem System vernetzt sind, ebenfalls diese Strecke vorschlagen”, sagt Garbers. Auf diesem Gebiet müsse allerdings noch viel in Hinsicht auf Datenschutz und Datensicherheit getan werden.

Herstellerspezifische Lösungen

Ein dritter Weg für den Internetzugang im Auto sind Geräte, die der Hersteller einbaut. Bei vielen Autoherstellern ist der Internetzugang ans Fahrzeug gebunden. So können die Geräte an Wartungstermine erinnern und schon die nötigen Teile bei der Werkstatt bestellen. „Bei den meisten Herstellern, die solche Angebote bereits machen, sind die Geräte ins Armarturenbrett integriert”, sagt Garbers. Teilweise gehört zu ihrem Funktionsumfang auch ein elektronischer Notruf. „Wenn eine bestimmte Aufprallgeschwindigkeit gemessen wird, meldet sich das Gerät automatisch beim Notfallservice und gibt den Unfallort, die Blutgruppe oder andere wichtige Daten des Fahrers an”, sagt der Experte. Er geht davon aus, dass alle drei Lösungen noch eine Weile nebeneinander bestehen werden.

Eine allgemeine Schnittstelle für den Anschluss des persönlichen Geräts, die unabhängig vom Auto funktioniert, gebe es noch nicht, sagt Garbers. Der Experte geht davon aus, dass Autofahrer zukünftig alle Informationen aus dem Netz über Navigationsgeräte bekommen. Einen Schub für das Internet im Auto verspricht sich der Bitkom-Geschäftsleiter von der zunehmenden Verbreitung von Elektroautos auf deutschen Straßen. „Sie müssen immer in Echtzeit wissen, wo die nächste freie Ladesäule steht.” Elektroautos würden also zwangsläufig im Netz sein. Dementsprechend würden sich auch die Fahrer von konventionellen Wagen fragen: „Warum geht das bei denen und nicht bei meinem?”
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