Berlin - Neuer Ausweis für die digitale Welt

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Neuer Ausweis für die digitale Welt

Von: Norbert Klaschka, dpa
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Der neue elektronische Personalausweis bietet dem Verbraucher zusätzliche Funktionen. Foto: dpa

Berlin. Der neue elektronische Personalausweis verspricht den sicheren Eintritt in die weite digitale Welt. Ab 1. November 2010 sollen die Bürger damit ganz einfach mit Behörden kommunizieren und sicher im Internet einkaufen.

Wer sich schon jetzt darauf vorbereiten will, muss nur ein paar Dinge verstehen. Middleware, Performance, Best Practice Guide, Implementieren - das sind einige der Begriffe, mit denen die Experten bei einer Informationsveranstaltung am Mittwoch in Berlin ganz selbstverständlich hantieren.

Auch ein ebenfalls erwähnter Integrationsbericht hat nichts mit dem gleichnamigen Bericht der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung zu tun, sondern beschreibt eher die Einbindung eines technischen Systems.

Den Verbraucher, dem die digitale Welt noch nicht zur zweiten Heimat geworden ist, dürfte dieses Kauderwelsch eher abschrecken. Doch womöglich muss er das alles gar nicht wissen.

Einfach, sicher, schnell soll er mit dem neuen Ausweis umgehen können, verspricht Dieter Kempf, Präsidiumsmitglied des Branchenverbandes Bitkom. „Jeder Bürger muss unabhängig von seiner Vorbildung oder seinem technischen Verständnis in der Lage sein, den elektronischen Personalausweis sofort und problemlos nutzen zu können.”

Nur wer den elektronischen Ausweis mit seinen Funktionen akzeptiere und im Alltag einsetze, werde sein volles Potenzial ausschöpfen.

130.000 Betrugsdelikte im Internet zeigten, wie überfällig das neue System sei. „Wie können wir den Ausweis dem Verbraucher näher bringen?”, fragt deshalb Innen-Staatssekretär Hans Bernhard Beus, als Regierungsbeauftragter für Informationstechnik für das Projekt zuständig.

Vor jedem über das Internet vermittelten Kontakt mit Behörden oder Unternehmen steht die Identifizierung. Diese stellt sicher, dass am anderen Ende auch der ist, der dort sein darf.

Der große Vorteil: Eine standardisierte Identifizierung könnte die Vielfalt der jetzigen Kontrollmechanismen ersetzen. Ein Lesegerät, mit dem künftig jedes moderne Laptop ausgestattet sein wird, erfasst die Daten des Ausweises. Lesen darf nur, wer vom Bundesverwaltungsamt ein entsprechendes Zertifikat erhalten hat. Und der Bürger entscheidet, welche Daten - Namen, Geburtstag, Wohnort - übermittelt werden. Schließlich tippt er noch seine Geheimnummer ein und ist verbunden.

So betritt der Bürger beispielsweise die virtuelle Welt von „rathaus21” in Hagen. Er kann sich ummelden, sein Fahrzeug anmelden, seine Steuererklärung abgeben. Doch die Bürger, so sagt der ehemalige IT-Beauftragte der Stadt Hagen, Peter Klinger, werde nicht der Treiber dieser Anwendungen sein. Die Vorteile des Systems könnten etwa Autohändler nutzen oder auch das Finanzamt, das schnell mal im Liegenschaftsbuch nachschaut, ob der Steuerpflichtige nicht etwa Einkünfte aus Vermietung oder Verpachtung verschwiegen hat.

Der Verbraucher erwarte die neuen Anwendungen, ist sich der Bochumer Rechtswissenschaftler Georg Borges sicher. „Nie wieder zum Amt”, könnte das Leitmotiv sein. Cornelia Tausch vom Bundesverband der Verbraucherzentralen ist sich da nicht so sicher: „Wir wissen nicht, was der Verbraucher vom elektronischen Personalausweis erwartet.”

Die kontrollierte Datenweitergabe sei zwar ein großer Vorteil, aber das Vertrauen könnte leiden, wenn unseriöse Unternehmen Berechtigungszertifikate erhielten, warnt Tausch. Auch der Bremer Informatiker Herbert Kubicek dämpft die Euphorie. Unter den propagierten Anwendungen kann er nichts entdecken, was nicht auch bisher schon möglich ist - wenngleich vielleicht nicht so sicher. Er spricht von einer „besserwisserischen Sicht des Experten”. In Ländern, wo man hier schon weiter sei, dümpelten die neuen Anwendungen im niedrigen Prozentbereich.
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