Kölner Dom? Gefällt mir! Wie die Kirche mit sozialen Netzwerken punkten will

Von: Alexander Wolf, dapd
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Die Facebook-Seite des Kölner Doms ist gerade mal zwei Tage im Netz, als sich Domprobst Norbert Feldhoff die ersten Zahlen berichten laesst. Mehr als 1.000 Menschen hatten bis dahin schon auf "Gefaellt mir" geklickt, waren so zu "Fans" der groessten Kathedrale nördlich der Alpen geworden. Foto: dapd

Köln. Die Facebook-Seite des Kölner Doms ist gerade mal zwei Tage im Netz, als sich Domprobst Norbert Feldhoff die ersten Zahlen berichten lässt. Mehr als 1000 Menschen hatten bis dahin schon auf „Gefällt mir” geklickt, waren so zu „Fans” der größten Kathedrale nördlich der Alpen geworden.

Etwas irritiert, und doch auch erfreut, fragt Feldhoff also seine Mitarbeiterin: „Sind das jetzt alles meine Freunde?”

Inzwischen hat der neu gestartete Facebook-Auftritt des Doms mehr als 1.500 „Fans”. Auf der Seite werden sie mit Informationen zu Öffnungszeiten, Gottesdiensten und Temperatur im Dom versorgt. Zusätzlich gibt es reichlich Fotos und sogar ein virtuelles Fürbittenbuch. Auf der Pinnwand ist zudem Platz für Lob, Kritik und Diskussionen. Facebook-Nutzerin Doris-Willem van der Linden schreibt: „Hinfahren, ansehen, staunen und genießen!” und spricht damit wohl vielen Fans aus der Seele.

Verantwortlich für die Inhalte und den Aufbau der Facebook-Seite ist die Web-2.0-Beauftragte des Erzbistums Köln, Petra Dierkes, die wie mittlerweile 23 Millionen Deutsche auch selbst bei Facebook aktiv ist. „Wir wollen immer aktuell sein, immer die Nase vorn haben, damit wir auch wirklich bei den Menschen ankommen”, sagt die Diplomtheologin. Schon in der Bibel stehe geschrieben, man müsse „an die Wege und Zäune” gehen, um die Menschen zu treffen, und nicht bloß warten, dass sie von alleine kommen.

Lange war das Weltkulturerbe Kölner Dom im Netz nur durch eine herkömmliche Internetseite vertreten, vor zwei Monaten kam eine Anwendung für Smartphones dazu. Dass nun der nächste Schritt in die sozialen Netzwerke führt, erklärt Redaktionsleiterin Dierkes so: „Es passiert auf Facebook etwas, dass auf der üblichen Internetseite nicht passiert: Die Leute kommen ins Gespräch und tauschen ihre Gedanken aus.”

Der Trend ist eindeutig: Die Kirche entdeckt das Internet für sich. Von den 27 katholischen Bistümern in Deutschland hatten laut einer Erhebung der Fachzeitschrift „Communicatio socialis” im Februar bereits 19 eine eigene Facebook-Seite. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Gemeinden, Jugendgruppen, Bischöfe oder Priester, die sich in den neuen Medien tummeln.

Erst Anfang April wurde ein ganzer Gottesdienst auf Facebook abgehalten, Pfarrer Dietmar Heeg predigte in Köln erstmals per Live-Stream zur Internet-Gemeinde und reagierte dabei direkt auf Kommentare. Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, ist stolz: „Das Web 2.0 ist längst angekommen in der katholischen Kirche.”

Auch bei den Protestanten geht man mit der Zeit. Für den Leiter der Internetarbeit im Kirchenamt der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), Sven Waske, sind Soziale Netzwerke ein „alltäglicher Kommunikationsraum”, der auch von der Evangelischen Kirche genutzt werde. „Kirche schneide sich ab, wenn sie soziale Medien wie Facebook ausspart.”

Dom-Fan und Facebook-Mitglied Kerry Rossbacher aus Solingen sieht das genauso: „Auf althergebrachte Form dürften über kurz oder lang keine Jugendlichen mehr hinterm Ofen hervorzuholen sein.” Auch wenn Redaktionsleiterin Petra Dierkes die Dom-Seite „nicht als Rekrutierungswerkzeug für die Kirche” betrachtet, hofft sie, dass die Fangemeinde weiter wächst. „Und vielleicht wird der eine oder andere ja neugierig und bekommt auch außerhalb von Facebook Lust auf unsere Glaubensgemeinschaft.”
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