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Kein Kinderkram: Videogames für Erwachsene

Von: Sascha Rettig, dpa
Letzte Aktualisierung:
Videogames für Erwachsene
Mit dem Fallschirm über der Großstadt: In die Entwicklung von „GTA” sind manche Erwachsenen- und vor allem Männerfantasien eingeflossen. Foto: dpa

Berlin. Wer bei Videospielern immer noch das Klischee tageslichtscheuer Jungs im Kopf hat, sollte in die Messehallen der Gamescom (18. bis 22. August) in Köln kommen. Denn dort wird man sehen können, dass nicht nur Teenager daddeln.

Mehr als 50 Prozent aller Gamer in Deutschland sind nach Angaben des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) in Berlin über 18 Jahre alt. Viele Spiele vom Fußball bis zum Shooter funktionieren zwar unabhängig vom Alter. Doch so wie es Filme speziell für Erwachsene gibt, gibt es auch Spiele für Erwachsene.

Aber was sind das für Games? Die einfachste Definition dafür lautet: Spiele mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren. „Die sind meist durch die gezeigte Gewalt nicht für ein minderjähriges Publikum geeignet”, erklärt Patrik Schönfeldt, Vorsitzender des Verbandes für Deutschlands Video- und Computerspieler in Karlsruhe.

Etwa zehn Prozent der Spiele haben nach Angaben des BIU keine Jugendfreigabe. Dazu zählen vor allem Genres wie Survival-Horror, Kriegsszenarien, Ego-Shooter oder Sandbox-Games wie die „Grand Theft Auto”-Reihe, die durch ihre satirischen popkulturellen Referenzen für erwachsene Spieler besonders interessant sind.

Andere Games wiederum sind zwar für Jugendliche freigegeben, sprechen aber durch ihre Komplexität vorwiegend ein erwachsenes Publikum an. Das ist nicht selten bei Managerspielen der Fall, bei Wirtschaftssimulationen und Strategiespielen im Stil von „Anno” oder „Siedler”. „Die Entwickler haben in solchen Fällen natürlich nicht den 40-jährigen Familienvater als Zielgruppe im Auge, dennoch handelt es sich bei den Spielern meist um Erwachsene”, sagt BIU-Geschäftsführer Olaf Wolters.

Das gilt wohl auch für die sogenannten Serious Games. „Das sind Politiksimulationen und Lernspiele, in denen selber Entscheidungen getroffen werden müssen”, erklärt Michael Trier, Chefredakteur der Zeitschrift „Gamestar”. „Dabei sollen dem Spieler durch Interaktion politische Zusammenhänge klar gemacht werden oder mit einem humanistischen Ansatz Verständnis für bestimmte Themen erzeugt werden.”

Eines dieser Serious Games heißt „Frontiers”. In Abwandlung des Ego-Shooters „Half-Life 2” ist es in zwei Perspektiven spielbar - einmal aus der eines Flüchtlings, der etwa aus Afrika in die EU gelangen will, oder eben aus Sicht eines Grenzbeamten. Solche Spiele sind aber noch selten.

Abseits die Serious Games gab es auch schon Experimente, die vor allem auf das Interesse einer erwachsenen Spielerschaft stießen. Kürzlich wagte sich beispielsweise das französische Studio Quantic Dream mit dem PS3-Spiel „Heavy Rain” an ernstere Themen heran: Ein gamegewordener Film im Stile eines Noir-Thrillers, eine Killersuche, bei der Themen wie Verlust und Verzweiflung aufgegriffen werden. Die Handlung ist ausgeklügelt, der Spieler muss immer wieder Entscheidungen treffen, die irreversibel sind. „Heavy Rain” verfolgt also einen ganz eigenen Ansatz: „Man soll bei dem Spiel mit den Figuren fühlen”, erklärt Trier.

Auch durch sein reduziertes Gameplay bildet „Heavy Rain” eine Ausnahme - und wird es zunächst auch bleiben. Bislang ist kein anderes Game angekündigt, das in diese Richtung geht oder auch nur einen ähnlichen Ansatz hat. Je spezieller ein Spiel ist, desto höher sei in der Regel auch das wirtschaftliche Risiko der Verleger, erklärt Wolters. „Die Videospiele werden daher in den meisten Fällen für eine sehr breite Zielgruppe entwickelt.”

Dass viele Spiele inzwischen keine ausufernde Spieldauer mehr haben, kommt vor allem Berufstätigen und Gelegenheitsspielern entgegen. „Durch die Spielzeitverkürzung wird es auch für Nicht-Hardcore-Gamer möglich, ein Spiel an zwei Wochenenden durchzuspielen”, sagt Patrik Schönfeldt.

Als Spiele-Happen für zwischendurch seien neben den Casual Games auch die sogenannten Bewegungsspiele gerade bei Erwachsenen ein großer Erfolg. „So etwas wie Wii-Sports oder Karaoke ist für diejenigen bestens geeignet, die kurz mal etwas spielen wollen und lockt auch diejenigen an die Konsole, die sonst nicht spielen.”
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