Ist Apples Ping das nächste große Ding?

Von: Marc Heckert
Letzte Aktualisierung:
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Schrill: Sängerin Katy Perry gehört zu den 37 Stars und Bands, deren Nachrichten Ping-Nutzer folgen können. Fotomontage: Hans-Gerd Claßen

San Francisco. Schlag auf Schlag geht es momentan im Internet: Reihenweise werden neue Musik- und Filmangebote gestartet oder angekündigt. Sony, Amazon, Google - jeder möchte mitmischen im großen Geschäft mit den Bildern und Tönen. Nun will Apple, Platzhirsch im Online-Musikgeschäft, den Markt mit seiner neuen Community Ping aufrollen. Doch wie gut ist das neue „Social Music Network” wirklich? Ein kritischer Blick.

Von 160 Millionen potenziellen Mitgliedern war beim Start von Ping Mitte vergangener Woche die Rede - Apple hofft nämlich, aus jedem Nutzer seiner Musiksoftware iTunes ein aktives Ping-Mitglied zu machen. Apple-Chef Steve Jobs beschrieb das Konzept so: „Facebook und Twitter treffen iTunes.” Als Idee zumindest klingt das bestechend - und wird nicht alles, was Apple anfasst, zu Gold?

Das Interesse der angepeilten Kundschaft ist durchaus vorhanden: Innerhalb der ersten 48 Stunden hat Ping nach Apple-Angaben eine Million Mitglieder gefunden. „Ein Drittel aller Nutzer, die iTunes 10 heruntergeladen haben, sind Ping beigetreten”, verkündete Eddie Cue, Vizepräsident des Bereichs Internet Service bei Apple. Im Umkehrschluss heißen die Zahlen allerdings auch, dass immerhin zwei Drittel aller Nutzer auf die neue Community keinen Wert legen.

Wer sich bei Ping registriert hat (siehe Infokasten), wundert sich. Viele Funktionen, die bei Sozialen Netzwerken Standard sind, fehlen. Anderen Mitgliedern Nachrichten schreiben? Fehlanzeige. Pinnwände auf den Profilen? Freundschaften, Fotogalerien? Fehlanzeige.

Dafür lassen sich die eigenen Lieblings-Musikrichtungen (bis zu 17 davon) und Musikstücke (ganze zehn) auf dem eigenen Profil vorstellen. Diese Stücke und Alben können von den eigenen „Followern” dann heruntergeladen und gekauft werden - was auch schon die Kernfunktion von Ping ist. Ferner lassen sich in der Rubrik „Spotlight” Twitter-ähnliche Kurznachrichten von bislang 37 Stars und Bands von Lady Gaga bis Coldplay abonnieren. Um deren Statusmeldungen zu lesen, brauchte allerdings niemand Ping: Dafür gibt es bereits das echte Twitter.

Ein echtes Problem für Ping-Nutzer ist es, Bekannte zu finden. Das geht nur mühsam über die Eingabe des Namens. Zwar war offenbar eine Vernetzung mit der weltgrößten Community Facebook geplant, so dass Facebook-Mitglieder ihre Freunde per Mausklick auch zu Ping hätten einladen können. Doch die Verbindung der beiden Netzwerke wurde wieder gekappt - angeblich im Streit über die Bedingungen der Zusammenarbeit. Wer auf Facebook nach „Apple Ping” sucht, stößt vor allem auf mehrere Frauen aus China mit diesem Namen. Die Seite „Ping by Apple” hat gerade einmal 600 Fans gefunden.

Nach der ersten Euphorie dürfte bei vielen Ping-Nutzern Ernüchterung eintreten: Das soll alles sein? Ob Ping das nächste große Ding wird, darf bezweifelt werden. Zu wenig Kommunikationsmöglichkeiten gibt es, zu einseitig auf Kommerz ausgerichtet sind die spärlichen Funktionen. Ping macht kaum Spaß - doch das ist das Wichtigste an einer Community.

So wird Ping es vielleicht doch schwer haben, zu einem lebenden, erfolgreichen Netzwerk zu werden. Dabei arbeitet die Zeit gegen Apple: In wenigen Wochen will Google mit einer eigenen Musikplattform angreifen.

Innenleben: Kaufen, nicht kommunizieren

Im Gegensatz zu anderen Online-Netzwerken wie MeinVZ (StudiVZ, SchuelerVZ), Facebook, Twitter oder das von unserer Zeitung angebotene 5ZWO liegt Ping nicht frei im Internet. Es ist Bestandteil der Musiksoftware iTunes.

Die Software ist über www.itunes.de kostenlos herunterzuladen. Ping ist nur in der neuesten Version 10.0 integriert.

Der Link findet sich in der Navigationsleiste unter "iTunes Store" - was den kommerziellen Charakter schon andeutet.

Nach der Anmeldung kann der Nutzer Einstellungen zu seiner Privatsphäre machen und einige wenige Angaben zu seiner Person machen. Dazu lassen sich bis zu zehn Lieblingsmusikstücke angeben, die von anderen Nutzern kommentiert und (kostenpflichtig) heruntergeladen werden können.

Es kann nur Musik anderer Mitglieder kommentiert werden. Sonstige Möglichkeiten der Kontaktaufnahme, etwa eine Pinnwand, fehlen. Text ist nicht kopierbar, geschriebene Links können nicht angeklickt werden.

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