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Internet-Piraten kontra Hollywood: Duell im Stockholmer Gerichtssaal

Von: Thomas Borchert, dpa
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Stockholm. Ein Hauch vom großen Showdown weht über dem Gerichtsgebäude am Stockholmer Kungsholmen, wenn dort nächste Woche die weltweit derzeit erfolgreichsten Internet-Piraten gegen Hollywood, Musikkonzerne und auch Staatsbehörden antreten.

Verletzung des Urheberrechts durch vier Verantwortliche der Internetseite „The Pirate Bay”, lautet die Anklage. Das Interesse an dem bis März anberaumten Verfahren ist riesig: Zum ersten Mal in Schwedens Geschichte wird ein Gerichtsverfahren live und ungekürzt für die Öffentlichkeit übertragen. In diesem Fall, irgendwie passend, im Internet.

Sowohl die Internet-Piraten wie auch ihre Kontrahenten aus der Kulturindustrie sehen das Verfahren als wegweisend beim erbitterten globalen Streit um das gebührenfreie Herunterladen von Musik, Filmen, Hörbüchern, Computersoftware und anderen digitalen Produkten.

„Wir sind die größten Vermittler von Kultur und Medien auf der Welt”, sagt der „Pirate-Bay”-Verantwortliche Fredrik Neij stolz. Das sieht die auf Internet-Recht spezialisierte Anwältin Monique Wadsted ganz anders: „Die verdienen als Nassauer Geld mit den Leistungen anderer. Das ist kriminell und wird mit Haft bestraft.”

Seit der Gründung 2005 hat sich „Pirate Bay” zu einem riesigen Vermittlungsplatz für das Herunterladen von Filmen und allen möglichen anderen computerfähigen Produkten entwickelt. Wer einen normalen Breitbandanschluss zum Internet hat, kann ohne großen Aufwand und vor allem ohne Bezahlung auch die neueste Staffel der gerade populärsten US-TV-Serien oder den angesagtesten Hollywood-Film herunterladen.

Juristisch kompliziert wird das Verfahren, weil „Pirate Bay” selbst keinen einzigen Film oder Song auf den eigenen Servern lagert. Die schwedischen Piraten bieten mittels der Torrent-Technik lediglich die Möglichkeit, das Gesuchte irgendwo auf der Welt auf anderen Computern zu finden und von dort zu laden.

Derartige Internetseiten („Torrent-Tracker”) gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Aber niemand hat Drohungen aus der Industrie, Razzien, Klagen und Sperrungen von Servern so keck bis arrogant getrotzt wie die Schweden. „Pirate-Bay”-Mitbegründer Gottfrid Svartholm, gerade mal 24, blass und mit schulterlangen, dünnen Haaren sowie schlabbrigen Hip-Hop-Klamotten das Urbild des „Computer-Nerds” (Computer-Freaks), antwortete auf Klagedrohungen des Warner-Konzerns schon mal schriftlich mit Sätzen wie: „Ihr könnt Euch Stacheldraht in den Hintern schieben. Schickt mehr Klagedrohungen, bei uns ist das Lokuspapier knapp.”

Svartholm und seine Mitstreiter wollen mit dem Erfolg ihres Dienstes, ganz anders als etwa die Google-Initiatoren, persönlich kein Geld verdient haben. Zur aktiven Fangemeinde gehören politische Rechts- wie Linksaußen. Gemeinsam ist ihnen die Abscheu gegen jede Form von Regulierung im Internet.

Zu denen, die das aus der Sicht des einzelnen Künstlers zurückweisen, gehört Horace Engdahl. Der oberste Juror bei der jährlichen Vergabe des Literaturnobelpreises fasst sich hier ganz gegen seine Gewohnheit kurz: „Gesetz ist Gesetz.”
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