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Hacker überwachen die Überwacher

Von: Simon Hülsbömer
Letzte Aktualisierung:
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Berlin. Die weltweiten Verpflechtungen zwischen IT-Wirtschaft und fragwürdiger Politik nehmen zu - die Hacker des CCC wollen etwas dagegen tun. „Wir sind hier um zu zeigen, was wir als Community zur gesellschaftlichen Entwicklung beitragen können” - mit diesen Worten hatte CCC-Sprecher Frank Rieger am Dienstag den <a title="28. Chaos Communication Congress" href="http://events.ccc.de/">28. Chaos Communication Congress</a> (28c3), Europas größtes Hackertreffen in Berlin, eröffnet.

Keynote-Sprecher Evgeny Morozow, seines Zeichens Medienwissenschaftler und Publizist, forderte gleich dazu auf, diesen Beitrag durch die öffentliche Überwachung der Hersteller staatlicher Spionage- und Überwachungssoftware zu erbringen - gerade im Umfeld diktatorischer Regimes.

Getreu dem Kongressmotto „Behind Enemy Lines” (Hinter feindlichen Linien) sollten die Hacker keine Ruhe geben, bis landläufig bekannt sei, wer in welchen Ländern hinter repressiver IT-Infrastruktur stecke und welche Verpflechtungen von Politik und IT-Wirtschaft bestünden. Insbesondere Informationsdienste für die Lobbying-Szene könnten helfen, über das „Zuschustern" von politischen und privatwirtschaftlichen Positionen aufzuklären, so Morozov. Durch die Veröffentlichung von derartigen Insider-Informationen sollte es Unternehmen wie Blue Coat oder Netapp, aber auch dem Staatstrojaner-Produzenten Digitask schwerer gemacht werden, an Investorengelder zu kommen.

Bestes Beispiel sei die bisher eher unbekannte Firma Polaris Wireless, die erst durch eine Wikileaks-Veröffentlichung für ihre politischen Verpflechtungen bekannt geworden sei. So verkaufe Polaris Wireless Überwachungstechnologie in den Mittleren Osten. Mittels dieser Technologie würden unter anderem öffentliche Versammlungen überwacht.

Morozovs Aufforderung kam CCC-Vorstand Andy Müller-Maguhn dann im weiteren Verlauf des 28c3 nach und stellte das Wiki "BuggedPlanet" (verwanzter Planet) vor, das die politischen und wirtschaftlichen Verpflechtungen von Unternehmen weltweit durchleuchten soll. Nicht zuletzt durch die Entdeckung des "Staatstrojaners" habe der CCC die Motivation gewonnen, diese öffentliche Plattform ans Netz zu nehmen. Bei BuggedPlanet existieren bisher nicht nur Übersichten über Unternehmen und ihre Produkte, sondern auch detaillierte Informationen zu nationalen Netzinfrastrukturen.

Für Deutschland gibt es darüber hinaus beispielsweise eine Aufstellung der Überseekabelgeschwindigkeiten und eine Übersicht der Dependancen der Bundesstelle für Fernmeldestatistik (BFST), die Fernmeldeaufklärung (Signals Intelligence, kurz SIGINT) betreiben. Darüber hinaus existiert ein schon gut gefülltes Quellenverzeichnis mit Verweisen zu teils jahrzehntealten Presseveröffentlichungen.

Es ist schon jetzt erkennbar, dass „BuggedPlanet” ein detailliert recherchiertes Kompendium werden kann, dass nicht nur für die Hacker-Öffentlichkeit oder IT-Journalisten interessant sein dürfte, zumal eine klar ersichtliche Unterscheidung zwischen verifizierten Daten und unbestätigten Gerüchten gemacht werden soll.

Mittels derartiger öffentlicher Kontrolle will der CCC helfen, dass gerade Terrorregimes
und Diktaturen nicht länger Überwachungstechnologie im- oder exportieren könnten. So kommen die Hacker ihrem Ziel, ein integraler Bestandteil der vernetzten Gesellschaft zu sein, wieder ein Stück näher.

© IDG / In Zusammenarbeit mit computerwoche.de
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