Echte Hilfe oder blanker Unfug? Was gute Internet-Foren auszeichnet

Von: Anja Gladisch, dpa
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Echte Hilfe oder blanker Unfug? Was gute Internet-Foren auszeichnet
Kein Diskussionsraum ohne Regeln: In gut gepflegten Foren geht es nicht zu wie Kraut und Rüben. Foto: dpa

Hamburg/Berlin. Für jedes Problemchen und Thema dürfte inzwischen ein eigenes Online-Forum existieren, das Tipps und Tricks verspricht. Egal ob über Videospiele oder Medizin, Rechtsfragen oder die Erziehung von Kindern.

Interessierte können sich im World Wide Web mit Gleichgesinnten austauschen und von anderen Nutzern beraten lassen. Das Problem ist nur: Nicht jedes Forum hilft wirklich weiter. Vor dem Anmelden bei einem Portal lohnt es sich daher, es genauer in Augenschein zu nehmen.

Was weist auf ein empfehlenswertes Forum hin? Eine gute Moderation etwa, sagt Jan Bruns von der in Hamburg erscheinenden Zeitschrift „Computer Bild”. Ein Moderator sorge für ein Mindestmaß an Disziplin im Forum. Arbeitet er gut, zeichne er sich durch Zurückhaltung und „konstruktiv-sachliche Mitarbeit” aus. Er greift laut Jan Bruns ein, wenn Technisches wie das Verschieben von Diskussions-Strängen, sogenannten Threads, ansteht oder Themen ausufern. Im Idealfall sei er aber eher als „passive Autorität” und wie ein normaler Teilnehmer im Forum unterwegs.

Internetnutzer auf der Suche nach einem Forum schauen am besten auch die Teilnehmer-Statistik an. Viele langjährige Teilnehmer sind nach Bruns Worten ein Hinweis auf ein hilfreiches und informatives Portal. Um herauszufinden, ob Tipps etwa in einem Technikforum fundiert oder eher weiterverbreitetes Halbwissen sind, werden einige davon nachrecherchiert. Decken sich die Antworten mit anderen Quellen im Netz oder auch im Lexikon, sei das ein gutes Zeichen, sagt Astrid Auer-Reinsdorff, Fachanwältin für IT-Recht in Berlin.

Sich vorher zu vergewissern, dass in den Threads nicht überwiegend Unfug verbreitet wird, ist auch aus rechtlichen Gründen sinnvoll, wie Auer-Reinsforff erläutert: Wer als Nutzer wegen eines irreleitenden Tipps in die Bredouille gerät, kann weder den Tippgeber noch die Betreiber des Forums haftbar machen.

Geradestehen müssen Letztere nach Worten der IT-Anwältin dagegen, wenn sie Kenntnis von rechtswidrigen Aussagen im Forum bekommen - so steht es im Telemediengesetz. Grundsätzlich haben die Betreiber eine Art Hausrecht: Sie legen Nutzungsbedingungen fest und können Verstöße sanktionieren, dürfen Beiträge sperren oder User ausschließen. Auch die Antwort auf die Frage, wie gewissenhaft sie ihr Hausrecht wahrnehmen, kann für oder auch gegen ein Portal sprechen.

Ein gutes Zeichen ist es laut Prof. Claudia Eckert, wenn es von vornherein so aussieht, als würden sich sehr viele Nutzer persönlich kennen. Positiv ist der Dozentin für Informatik an der Technischen Universität München zufolge auch, wenn die Betreiber die Identität der Nutzer vor dem Anmelden prüfen und die Inhalte nur eingeloggten Mitgliedern zugänglich machen. So seien zum Beispiel Foren zu den Themen „Recht” und „Gesetz” zuverlässiger, in denen nur Juristen antworten dürfen.

Ebenfalls sinnvoll ist es nach Worten Eckerts, die auch Direktorin des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie in Darmstadt und München ist, einen Blick auf die Angaben der Betreiber zum Thema IT-Sicherheit zu werfen. Gut sind glaubhafte Hinweise, laut denen das Forum bestmöglich gegen bösartige Angriffe und Datenlecks geschützt ist. Portale, die Beiträge mit der IP-Adresse der Nutzer versehen, werden besser gemieden - es sei denn, man will sich die Mühe machen, einen Anonymisierungsdienst zu nutzen.

Nach dem Anmelden bei einem Forum empfiehlt es sich für das neue Mitglied, erst einmal nicht zu viel über sich zu verraten. „Generell sollte man darauf achten, keine Daten preiszugeben, die direkten oder indirekten Bezug zu meiner Person erlauben”, rät Thorben Burghardt vom Institut für Informationswirtschaft und Informationsmanagement der Universität Karlsruhe. Name, Adresse, Wohnort und Telefonnummern sollten nirgendwo zu lesen sein.

Das Alter wird ebenfalls besser verheimlicht. „Wenn nötig, kann man je nach Forum ruhig ein paar Jahre draufschlagen oder abziehen”, rät Prof. Claudia Eckert. Ein Nutzer könne schließlich nie wissen, wer seine Daten registriert, speichert, auswertet und eventuell für Werbezwecke nutzt.

Seine E-Mail-Adresse sollte der Nutzer ebenfalls nicht eintragen. Verlangen die Betreiber das, gibt er am besten eine an, die er sich speziell für dieses Forum zugelegt hat. Auf keinen Fall sollten dienstliche Mail-Konten benutzt werden - oder eine Adresse, von der sich der korrekte Name ableiten lässt. Wer zu hier freizügig ist, kann sich möglicherweise bald nicht mehr vor Spam-Mails retten.

Kennen sich einige Mitglieder und tauschen sich in Threads oder mit Gästebuch-Einträgen aus, sollten sie darauf achten, dass sie nicht gegenseitig ihre Identitäten verraten, rät Eckert. Dazu gehört, sich nicht öffentlich mit den richtigen Namen anzusprechen. Gerade weibliche Nutzer, die andere Mitglieder erstmals „richtig” treffen wollen, tun das am besten in Begleitung einer weiteren Person.

Unter Umständen muss ein Nutzer die Netz-Sphäre aber gar nicht verlassen, um sich in Gefahr zu begeben: In Einzelfällen könne er in Abofallen tappen, wenn er im Forum Werbung dubioser Anbieter anklickt, warnt Auer-Reinsdorff. Auch Mitglieder der renommiertesten Foren seien davor nicht gefeit - weswegen dort genauso wie auf anderen Seiten gilt: Jeder unbedachte Klick kann einer zu viel sein.
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