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Doktor Internet: Vorsicht bei Gesundheitsportalen im Netz

Von: Vivien Leue, dpa
Letzte Aktualisierung:
Internet / Gesundheitsportale
Wer steckt hinter der Seite? Diese Frage sollten sich Ratsuchende im Netz stets stellen. Bei undurchsichtigen Firmen-Abkürzungen oder nebulösen Postfach-Adressen im Impressum ist Vorsicht geboten. Foto: dpa

Erlangen/Düsseldorf. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen immer mehr Menschen nicht ihren Arzt, sondern das Internet. Bereits fast jeder dritte Deutsche informiert sich mindestens einmal im Monat im Netz zu Gesundheitsfragen, wie die europaweite Studie „e-Health Trend” belegt. „Die Ärzte müssen sich darauf einstellen, dass die Zahl derjenigen, die sich vor ihrem Arztbesuch im Internet informieren, zunimmt”, sagt Prof. Hans-Ulrich Prokosch vom Lehrstuhl für Medizinische Informatik der Universität Erlangen-Nürnberg, der die Studie in Deutschland leitet.

Die Prognose kommt nicht von ungefähr. Unzählige Webseiten bieten Informationen zu allen möglichen Krankheitsbildern an, Online-Apotheken buhlen um die Gunst der Kunden und etliche Pharmafirmen preisen im Internet ihre Produkte an. „Das Problem ist die Menge an Informationen”, sagt der Gesundheitsexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, Kai Vogel. „Wenn man nach bestimmten Krankheiten sucht, zeigen die Suchmaschinen Millionen von Einträgen an.”

Wer aber sofort auf die obersten Ergebnisse klickt, landet möglicherweise auf Seiten, die von der Wirtschaft gesponsert sind oder von Geschäftsleuten betrieben werden. Hier steht oft nicht das Wohl der Patienten, sondern der Absatz im Vordergrund. Deshalb hat Vogel eine Checkliste für die Bewertung von Gesundheitsseiten im Internet entwickelt, die unter www.vz-nrw.de/link7818A.html abgerufen werden kann.

„Ganz wichtig ist es, zu schauen, von wem die Informationen auf der Seite stammen und ob sie aktuell sind”, sagt der Verbraucherschützer. Der Betreiber der Seite ist meist im Impressum oder „Über uns”-Rubriken genannt. „Bei undurchsichtigen Firmen-Abkürzungen oder wenn nur eine Postfach-Adresse angegeben ist, wäre ich skeptisch”, warnt Vogel.

Vorsicht sei auch geboten, wenn als einzige Kontaktmöglichkeit eine gebührenpflichtige 0190- oder 0900-Nummer angegeben ist. Vertrauenswürdig sind dagegen Seiten von Bundes- oder Landesorganisationen wie den Gesundheitsministerien sowie jene von wissenschaftlichen Instituten.

Eine solche Seite betreibt beispielsweise der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Hier können sich Interessierte über Krebsrisiken informieren oder einen Facharzt oder eine Klinik suchen. Zudem gibt es auf der Seite Tipps zum sicheren Surfen beim Themenkomplex Krebs. Beliebt seien auf der Seite vor allem die Themen, die über das rein Medizinische hinaus gehen, sagt Redakteurin Birgit Hiller. „Gerade die psychologischen Aspekte der Erkrankung oder beispielsweise die Frage, "Wie gehe ich in der Partnerschaft mit Krebs um", werden oft angefragt.” Die Anonymität des Internets wird hier bewusst genutzt.

Experten wie der Verbraucherschützer Kai Vogel raten, diese Anonymität nicht aufzugeben. Auf einigen Gesundheitsportalen können Internetnutzer beispielsweise ihre Blutwerte einstellen und von Fachärzten bewerten lassen. „Auf keinen Fall sollte man hier den richtigen Namen angeben - oder gar noch mehr persönliche Daten”, warnt Vogel. „Es wäre ein großes Risiko, die eigenen Krankheitsdaten im Internet auffindbar zu machen.”

Wer mit seinen Daten sensibel umgeht und sich über den Betreiber der Internetseite informiert, kann von dem umfangreichen Angebot im Netz profitieren, sagen die Experten. „Es gibt immer wieder gute Angebote, beispielsweise von Selbsthilfegruppen”, sagt Vogel. Für Menschen mit seltenen Krankheiten sei beispielsweise eine überregionale Vernetzung sehr wichtig.

Außerdem können sich Patienten nach einem Arztbesuch im Netz noch einmal zusätzlich über Krankheiten und Behandlungsmöglichkeiten informieren - laut der e-Health-Studie nutzen das europaweit knapp ein Drittel der Menschen. „Auch weitergehende Internetdienste wie der Online-Kauf von Arzneimitteln sowie die E-Mail-Kommunikation mit Ärzten werden zukünftig eine größere Bedeutung erlangen”, prognostiziert Prof. Prokosch. So weit wie die Vereinigten Staaten, wo Patienten bereits per Online-Videokonferenz mit ihrem Arzt kommunizieren, sei Deutschland aber noch nicht.


Welche Gesundheitsseiten sind vertrauenswürdig?

Sowohl die Health on the Net Foundation (HON) sowie das Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem (afgis) vergeben Zertifikate. Beide Organisationen prüfen unter anderem, woher die Informationen auf den Seiten stammen, ob Werbung deutlich gekennzeichnet ist und ob die Grundregeln des Datenschutzes eingehalten werden.

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