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Die Sehnsucht nach dem Ei: „Easter Eggs” in Computerspielen

Von: Heiko Haupt, dpa
Letzte Aktualisierung:

München. Rumballern, Monster metzeln und Waffen finden - darum geht es Computerspielern nach landläufiger Meinung. Da mag es manchen überraschen, dass sich nicht wenige Spieler ihre Zeit tatsächlich auch mal mit stundenlanger Suche nach Ostereiern vertreiben.

Dafür nehmen sie jede Mühe auf sich: Sie erklimmen die höchsten Berge, fahnden nach Inschriften auf Mauern, springen von Hochhaus zu Hochhaus oder klicken unentwegt auf Ratten und Schafen herum - immer mit der Idee im Kopf, eine echtes Osterei zu finden. Besser gesagt: ein „Easter Egg”. Das steht für versteckte Geheimnisse, die in Spiele eingebaut sind - oder es waren. Denn gerade in jüngster Zeit ist das so beliebte Easter Egg eine echte Rarität geworden.

Ostereier haben Tradition. „Als erstes Spiel mit einem Easter Egg gilt Adventure für Ataris 2600-Konsole”, erklärt Christian Schmidt von der Zeitschrift „Gamestar” in München. Der Titel erschien bereits im Jahr 1978 - und das eher unspektakuläre Ei bestand darin, dass der Entwickler seinen Namen verewigt hatte. „Das war eine Zeit, als es das Konzept der Credits noch nicht gab.” Listen diese heute die Namen der Mitwirkenden auf, waren die Macher damals anonym. Es sei denn, sie hinterließen eben ohne Wissen des Arbeitgebers ihre Spuren.

Im Lauf der Zeit verselbstständigte sich die Sache, und immer mehr geheime oder lustige Details ließen sich finden - wenn der Spieler genügend Zeit investierte, um mit den abstrusesten Aktionen oder der Erkundung der entlegensten Winkel der Spielwelt auf die Geheimnisse zu stoßen. Als bekanntestes Easter Egg gilt das „Secret Cow Level” im Action-Rollenspiel „Diablo 2” der Spieleschmiede Blizzard. Dort gab es unter bestimmten Umständen die Möglichkeit, gegen Äxte schwingende Kühe und deren Ober-Kuh zu kämpfen.

Vor der Realisierung des Levels stand ein gern erzähltes Gerücht aus dem ersten „Diablo”-Spiel: Es wurde vermutet, dass sich durch Aktionen wie das Anklicken von unnütz herumstehenden Kühen etwas in Gang bringen lasse und dass die Spielwelt eben ein geheimes Gebiet habe. Tatsächlich war das aber ein lupenreines Gerücht. Doch die intensive Diskussion führte dazu, dass die Entwickler in „Diablo 2” - quasi als Verbeugung vor ihren Fans - dann tatsächlich kämpfende Kühe versteckten.

Andere Easter Eggs sind unspektakulärer - und trotzdem freuen sich die Spieler, wenn sie wieder eines entdeckt haben. Ein wahres Dorado für Geheimnissucher war der deutsche Überraschungserfolg „Sacred”: Erkundungsfreudige konnten die Insel Mal-Ork-A mit sich sonnenden Orks finden, auf Grabsteine mit „berühmten letzten Worten” wie „Ich fang den Speer” stoßen oder in einem Verlies im Pac-Man-Stil kämpfen.

In jeder Menge Spiele waren solche Geheimnisse zu entdecken: Ob es in „Day of the Tentacle” die Möglichkeit war, an einem Laptop in der Spielwelt den Vorgängertitel zu zocken, oder in einer Folge der „Grand Theft Auto”-Reihe tatsächlich über ein auf einem Sockel stehendes Osterei zu stolpern. Unvergessen ist auch die Möglichkeit, in der „Warcraft”-Serie Ratten oder Schafe durch permanentes Draufklicken zur Explosion zu bringen.

Doch das ist Vergangenheit: Heutzutage sind Easter Eggs eher die Ausnahme als die Regel. Das liegt vor allem daran, dass die Anbieter keine unerwünschten Überraschungen mehr erleben wollen. So könnte ja, aber soll auf keinen Fall passieren, dass ein Programmierer in einer Millionen Dollar teuren Entwicklung etwas nicht Jugendfreies versteckt hat, das womöglich zu einem teuren Prozess führt.

Christian Schmidt nennt als Beispiel dafür die berühmt-berüchtigte „Grand Theft Auto”-Serie. Deren Entwickler wurde zwar kein Easter Egg zum Verhängnis, dafür aber die „Hot Coffee Mod”. Spieler konnten sie freischalten, um im Spiel Sex zu erleben. Das war natürlich nicht gewollt und führte vor allem in den prüden USA zu einem Skandal.

Ein paar Easter Eggs gibt es aber auch heute noch - nur hält sich deren Qualität leider häufig in Grenzen. So können Spieler in „Anno 1404” eine Insel namens Kurast entdecken - so hieß bereits eine Hafenstadt in „Diablo 2”. „Und in Assassins Creed 2 ist ein Oktopus versteckt”, sagt Karsten Lehmann vom Anbieter Ubisoft. Doch mehr als einmal durchs Bild zu paddeln, stellt der Riesenkrake nicht an.

Die Spieler geben aber nicht auf: In nahezu jedem Forum wird seitenlang diskutiert, ob sich nicht doch irgendwo ein Geheimnis entdecken lässt. Bleibt die Frage, warum nicht einfach mal wieder mit dem Segen der Geldgeber solche versteckten Extras offiziell eingefügt werden - einfach für ein wenig mehr Spielspaß.
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