Berlin - Der gute Ruf in Web: Unliebsame Inhalte sind schwierig zu entfernen

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Der gute Ruf in Web: Unliebsame Inhalte sind schwierig zu entfernen

Von: Andreas Thieme, dpa
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Der gute Ruf in Web: Unliebsame Inhalte schwierig zu entfernen
Wer intime Details im Internet preisgibt, kann unter Umständen Schwierigkeiten haben, diese später wieder zu löschen. Foto: dpa

Berlin. Das Internet vergisst nichts. Ungezählte Wissensschätze sind dort gespeichert. Aber auch leidige Erinnerungen: Unangenehm werden die digitalen Fehltritte oft erst später, bei Bewerbungen oder im Beruf. Doch selbst dann sind sie nur schwer zu beseitigen. Wer im Web positiv rüberkommen will, sollte deshalb lieber vorbeugen.

Denn oft bleiben Daten, Bilder oder Kommentare nicht mehr nur auf der eigentlichen Webseite gespeichert, sondern sind auch über Suchmaschinen zu finden, erklärt Johannes Buchmann, Direktor des Center for Advanced Security Research (CASED) in Darmstadt. Zum Problem kann das vor allem werden, wenn andere im Web beleidigend werden oder Unwahrheiten über die eigene Person verbreiten.

Selbst wenn eine Verleumdung oder Schmähung erfolgreich von einer Webseite entfernt würde, kann dies kopiert und an anderer Stelle im Netz erneut veröffentlicht werden. Die vollständige Entfernung des Inhalts aus dem Netz ist deshalb „ein technisch unlösbares Problem”, erläutert Buchmann, der auch Professor für Mathematik und Informatik an der TU Darmstadt ist. „Hundertprozentige Sicherheitslösungen für derartige Fälle gibt es nicht.”

Als Nutzer ist man aber nicht machtlos. Wer gegen unerwünschte Inhalte im Web vorgehen möchte, sollte sich zuerst an den Verursacher wenden, rät Holger Bleich von der in Hannover erscheinenden Computerzeitschrift „ct”. Dieser kann den Eintrag schließlich auch zurücknehmen.

Erfolgt keine Reaktion, könne man zum Beispiel den Betreiber der Plattform bitten, den Inhalt zu löschen - für den Systemadministrator ist das Buchmann zufolge mit einem Klick erledigt. Nicht in jedem Fall sei das aber auch mit der Policy des Forums oder dem Service-Provider zu vereinen.

„Falls die Gegenseite kein Einsehen zeigt, ist ein Gang zum versierten Rechtsanwalt unvermeidlich”, sagt Bleich. Auch eine Gegendarstellung im Forum ist Buchmann zufolge oft sinnvoll. Kompromittierende Fotos im sozialen Netzwerk kann man zudem per Mausklick „melden”.

Hilfe bieten auch Behörden. Beim Thema Jugendschutz etwa die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia, die auch mit den Landesmedienanstalten zusammenarbeitet, oder die in Kooperation mit dem Verband deutscher Internetwirtschaft (eco) geführte Internet-Beschwerdestelle für die Meldung illegaler Webinhalte.

Bei der Löschung oder Berichtigung helfen außerdem die Datenaufsichtsbehörden im jeweiligen Bundesland - etwa dann, wenn personenbezogene Daten wie Adresse oder Kontonummer ohne Einverständnis ins Netz gestellt werden. „Wir fordern Unternehmen oder Webseiten-Betreiber schriftlich auf, der Löschung nachzukommen”, erklärt Nils Schröder vom Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit in Nordrhein-Westfalen. Wird dem nicht entsprochen, seien auch Bußgelder zur Durchsetzung möglich. „Voraussetzung dafür ist, dass die Daten nicht vorher schon öffentlich zugänglich waren.”

Unter dem Stichwort versprechen darüber hinaus oft kostenpflichtige Dienste, das Online-Image ihrer Auftraggeber zu überwachen und negative Inhalte per Löschauftrag aus dem Web zu tilgen. Die Anbieter liefern jedoch kaum mehr Informationen als die eigene Recherche in gängigen Suchmaschinen, wie ein Praxistest der „ct” ergab (Ausgabe 1/2011).

Netznutzer sollten stattdessen lieber selbst nach Informationen suchen, rät Holger Bleich. Es gebe rechtlichen Spielraum, selbst Inhalte aus dem Netz entfernen zu lassen: Gegen die Nennung des eigenen Namens oder die Veröffentlichung von Bild- und Tonaufnahmen könne man sich juristisch wehren. „Diese Ansprüche ergeben sich aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht sowie dem Recht auf informelle Selbstbestimmung.”

Die Software x-pire versieht Bilder mit einem digitalen Verfallsdatum, so dass sie zu einem gewünschten Zeitpunkt aus dem Web verschwinden. Die Fotos werden beim Hochladen ins Internet verschlüsselt, der zum Lesen notwendige Schlüssel dabei auf mehreren Servern abgelegt, erklärt der Entwickler Michael Backes, Professor für Informationssicherheit und Kryptologie an der Universität des Saarlandes. Sobald das Verfallsdatum erreicht sei, werde der Schlüssel gelöscht. „Das eingestellte Foto kann dann im Internet nicht mehr angesehen werden.” Allerdings ist dies auch kein hundertprozentiger Schutz - schließlich lässt sich das Bild während der Dauer der Sichtbarkeit als Screenshot (Bildschirmfoto) vervielfältigen.

Einen „digitalen Radiergummi”, der unverschlüsselte und im Netz verbreitete Daten auf Knopfdruck löscht, werde es in absehbarer Zeit nicht geben, sagt Henning Kagermann, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech). Absolute Datensicherheit sei nicht möglich. Umso wichtiger sei es für Internetnutzer, persönliche Daten nicht unbedacht zu publizieren. „Schon jetzt bin ich nicht mehr offline, wenn ich den Computer ausschalte, aber das Smartphone in der Tasche trage.”

Digitale Jugendsünden werden auch verziehen

Die Gesellschaft wird lernen, mit digitalen Jugendsünden gelassener umzugehen, meint Rainer Stentzel, der im Bundesministerium des Innern (BMI) den Ideenwettbewerb „Vergessen im Internet” verantwortet. Die Entwicklung des Internets bringe es zwangsläufig mit sich, dass vermehrt Inhalte zur eigenen Person darin zu finden seien. Jeder könne so ein Stück weit zur öffentlichen Person werden. Von dieser digitalen Öffentlichkeit profitiere man aber auch - etwa bei der Suche mit Suchmaschinen.
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