Daten aus der Steckdose: Powerline fürs Heimnetzwerk

Von: Tobias Hanraths, dpa
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Wo das WLAN nicht durch die Wände kommt und das Verlegen von Netzwerkkabeln zu unpraktisch ist, kann Powerline helfen. Die Adapter werden wie ein Netzgerät in die Steckdose gesteckt. Foto: Kai Remmers/dpa/tmn

Berlin/Dortmund. Ein Adapter hier, ein Adapter da, fertig ist das Datennetz: Wo gleich ganze Etagen oder dicke Wände überbrückt werden müssen, ist Powerline eine gute Alternative zu W-LAN oder LAN-Kabelsalat. Bei der Sicherheit und Geschwindigkeit gibt es aber einiges zu beachten.

Die Vernetzung von Router, Rechnern und Mediaplayern ist nicht immer leicht. Netzwerkkabel bieten zwar eine stabile und sichere Verbindung, das Verlegen ist aber oft ein Graus. W-LAN ist praktisch, aber auch störungsanfällig. Die dritte, weniger bekannte Möglichkeit ist die Powerline-Technologie, die ein Netzwerk nutzt, das jeder hat: Das Hausstromnetz.

Für Experten ist die Vernetzung per Steckdose eine vernünftige Alternative: „Powerline ist eine solide und zuverlässige Technologie und vor allem für Bestandswohnungen interessant”, sagt Siegfried Pongratz vom Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) in Berlin.

Sinnvoll ist Powerline vor allem beim Überbrücken von Etagen. Wer zum Beispiel seinen DSL-Router im Erdgeschoss, seinen PC aber im ersten Stock stehen hat, bekommt mit W-LAN schnell Probleme - und Kabel verlegen ist nicht jedermanns Sache.

Das ist auch für Pongratz ein entscheidendes Argument für Powerline: „Man spart sich nicht nur das zusätzliche Verlegen von Kabeln, auch die Installation ist vergleichsweise einfach.” Startersets kosten je nach der Datenübertragungsgeschwindigkeit, die sie bieten, 50 bis 150 Euro. Sie enthalten in der Regel zwei Adapter, weitere Geräte können einzeln nachgekauft werden.

Die kleinen Kästen sind ungefähr so groß wie ein Ladegerät für Handys, besitzen eine LAN-Buchse für Netzwerkkabel und werden direkt in die Steckdose gesteckt. Computer, Modem oder andere Geräte werden dann per LAN-Kabel mit den Adaptern verbunden, die Verbindung zwischen den Adaptern wird automatisch hergestellt.

Manche Powerline-Geräte bieten auch noch einen Stromanschluss, damit sie die Steckdose nicht blockieren. Einige Modelle verfügen neben einer LAN-Buchse zum Beispiel auch noch über W-LAN. So lassen sich zum Beispiel Laptops ohne Kabel flexibler online bringen, und die Reichweite des Netzwerks wird insgesamt erhöht.

Allerdings ist auch die Powerline-Technologie nicht frei von Tücken. Markus Pritsch von der Stiftung Warentest in Berlin hat mehrere Powerline-Adapter verglichen und hat vor allem Bedenken in Bezug auf die Sicherheit: „Die Hersteller versprechen zwar, dass das Powerline-Netz am Stromzähler endet.

Unser Praxistest hat aber gezeigt, dass sich die Nachbarn in Mehrfamilienhäusern und Doppelhaushälften meist problemlos einwählen können.” Der Grund: Aus technischen Gründen haben fast alle Powerline-Adapter bei der Auslieferung das gleiche Passwort. Pritsch empfiehlt deshalb, das Passwort sofort nach der Installation zu ändern.

Auch bei der Geschwindigkeit halten die Powerline-Adapter nicht ganz das, was die Hersteller versprechen: Für die Mehrheit der derzeit erhältlichen Geräte (Homeplug-AV-Standard) versprechen die Hersteller 200 Megabit pro Sekunde (MBit/s), in Wirklichkeit sind es deutlich weniger. „Die Hersteller geben auf den Verpackungen die theoretische Höchstgrenze an, nicht den realen Datendurchsatz”, sagt Pritsch.

Der liege bei einer Powerline-Verbindung mit 200 MBit/s bei ungefähr 39 MBit/s, irgendwo zwischen W-LAN und Netzwerkkabel. Zum Surfen sei das aber völlig ausreichend, auch die Übertragung von Videos ist damit möglich. Die schnellsten derzeit erhältlichen Adapter schaffen jetzt schon knapp 1000 theoretische MBit/s.

Im ersten Quartal 2011 führt der Weltverband der Elektrik- und Elektrotechnik-Ingenieure (IEEE) einen neuen Powerline-Standard namens IEEE 1901 ein, mit dem theoretische 500 MBit/s möglich sind. Die Mehrheit der Adapter-Hersteller setzt derzeit auf den Homeplug-AV-Standard, aber unterstützt auch den neuen IEEE-Standard. Homeplug-AV-Adapter sollen mit ihm kompatibel sein.

Ungestörtes Surfen ohne Probleme also? Nicht ganz: „Theoretisch ist Powerline die perfekte Technik, weil es keinen zusätzlichen Aufwand verursacht”, sagt Bernd Aschendorf, Prof. für Gebäudesystemtechnik an der Fachhochschule Dortmund. „Aber der Datenfluss im Stromnetz kann auch gestört werden, zum Beispiel durch Energiesparlampen.”

Auch neuere Computer mit Schaltnetzteilen könnten den Datenfluss kurz unterbrechen. Fürs Surfen oder zur Videoübertragung sei aber auch das kein Problem: „Die kleinen Schwankungen kriegen Sie als Nutzer normalerweise gar nicht mit.”

Nicht alle Powerline-Adapter sind kompatibel

Vorsicht bei der Erweiterung eines Powerline-Netzwerks: Längst nicht alle Adapter sind kompatibel. „Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte alle Geräte vom gleichen Hersteller kaufen”, sagt VDE-Experte Siegfried Pongratz. Zwar hilft jetzt der Standard IEEE 1901 bei der Orientierung, allerdings existieren auch noch andere Standards, darunter Homeplug (11 MBit/s), Homeplug Turbo (85 MBit/s), Panasonic AV (180 MBit/s), Homeplug AV (200 MBit/s), DS2 AV (200 MBit/s) und Mediaxtream (882 MBit/s).
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