Berlin - Das Ohr zur Welt: Webradios bringen Tausende Sender ins Haus

Das Ohr zur Welt: Webradios bringen Tausende Sender ins Haus

Von: Sven Appel, dpa
Letzte Aktualisierung:
Webradios
Musik aus dem Netz - Webradios können die unzähligen Sender empfangen, die ihr Programm ins Internet ausstrahlen. Foto: dpa

Berlin. Auspacken, anschließen und genießen - so einfach sollte ein Radio in Betrieb zu nehmen sein. Erst recht, wenn so ein Gerät 150 Euro und mehr kostet, was für viele der sogenannten Webradios gilt. Das sind Radios mit Internetanschluss, die in der Lage sind, Tausende Sender aus aller Welt ins traute Heim zu bringen.

Oma sollte man ein solches Ding dennoch nicht schenken und sie damit dann alleine lassen.

„Wenn es läuft, ist es spannend”, sagt Michael Wolf von der Stiftung Warentest in Berlin. Voraussetzung für die Nutzung eines Webradios ist ein DSL-Anschluss. Die meisten dieser Geräte bieten zwar auch UKW-Empfang - dann kann man sich jedoch viel Geld sparen und ein herkömmliches Küchenradio für 20 Euro kaufen. Die Küche, das Arbeitszimmer oder der Hobbykeller - für diese Räume ist das Gros der Webradios gedacht.

Nun werden die meisten Leute keinen DSL-Anschluss neben dem Kühlschrank oder unter der Werkbank haben, so dass eine Verbindung nur über WLAN infrage kommt, auch wenn die meisten Webradios zusätzlich einen Ethernet-Anschluss fürs Netzwerkkabel besitzen. Und ein sicheres WLAN zu installieren, ist eben nicht jedermanns Sache. „Da muss man sich unter Umständen schon ein bisschen reinknien”, sagt Michael Wolf. Im Zweifelsfall müssten also die Enkel Omas Webradio ins drahtlose Netzwerk einbinden und in Betrieb nehmen. Die Geräte sind Wolf zufolge daher vor allem etwas für Technik-Begeisterte.

Webradios gibt es mittlerweile von einer ganzen Reihe von Herstellern. Zu den namhaftesten Vertretern gehören Philips, Logitech, Terratec und Tivoli. Terratec mit Sitz in Nettetal bei Aachen nennt seine Webradio-Serie Noxon. Vier Modelle gibt es mittlerweile - das aktuellste heißt Noxon iRadio Cube. Das Gerät ist etwa halb so groß wie ein herkömmlicher Toaster aber mit einem Preis von 199 Euro um ein Vielfaches teurer.

ehr als 11.000 Internet-Radiostationen, so der Hersteller, lassen sich damit hören. Die lassen sich sofort nach der erfolgreichen Konfiguration, sprich Anbindung an den DSL-Anschluss, abrufen. Dabei handelt es sich keinesfalls nur um exotische Programme, sondern unter anderem um unzählige deutsche Lokalsender. Interessant für Fußball-Fans: Noch vor dem Start der Bundesliga-Rückrunde ist eine Special-Edition des iRadio Cube in Zusammenarbeit mit 90elf geplant, dem Internet-Radio für Bundesliga-Übertragungen.

Zwar lassen sich viele Webradios wie das Noxon auch mit der Hifi-Anlage verbinden, um die Sendungen dann über die großen Boxen wiederzugeben. Da die kleinen Dinger aber eigentlich nicht fürs Wohnzimmer gedacht sind, sollte man vor dem Kauf den Sound der eingebauten Lautsprecher prüfen, der von Produkt zu Produkt sehr unterschiedlich sein kann.

Einen vergleichsweise guten Klang bescheinigte die „Computer Bild” (Ausgabe 23/2008) in einem Test der Squeezebox Boom von Logitech. Pluspunkte gab es in dem Test auch dafür, wenn besonders viele Audio-Formate unterstützt wurden - was unter anderem auf die 280 Euro teure Squeezebox Boom zutrifft.

Da es nicht einfach ist, aus den Tausenden Sendern, die so ein Webradio empfangen kann, jene herauszufinden, die den Geschmack des Hörers treffen, ist eine gute Suchfunktion unabdingbar. Das heißt, man sollte zum Beispiel nach Sprache oder Stilen suchen und Sender, die gefallen, in einer Favoritenliste festhalten können. Hier gehört der Noxon iRadio Cube sicherlich zu den besseren Geräten. Ein Plus für seine Suchfunktion erhielt auch das Networks FM Stereo Speaker Set von Tivoli. Dabei handelt es sich um ein Box mit eingebautem Webradio, das mit zweiter Box für den Stereobetrieb 800 Euro kostet.

Was die Netzwerktauglichkeit von Hifi-Anlagen und Radios angeht, so gehört Philips unter den großen Markenherstellern zu den Pionieren: Der 229 Euro teure NP2900/12 beispielsweise ist ein Netzwerkplayer mit integrierten Lautsprechern, der Musik sowohl aus dem Internet als auch vom heimischen PC holt und wiedergibt. Letzteres setzt jedoch die Installation einer bestimmten, mitgelieferten Software auf dem PC voraus.

Auspacken, anschließen und genießen - das funktioniert bei den Webradios nur mit Einschränkungen. Hinzu kommt, dass die hochwertigen Modelle für den Einsatz in der Küche oder im Hobbykeller doch ein wenig zu teuer sind. Und Webradios zu Preisen deutlich unter 100 Euro kommen in Tests meist schlecht weg.

Internet-Radio im Wohnzimmer

Wer auf seiner Wohnzimmercouch sitzen und Internet-Radio hören will, muss sich weder eines der kleinen Webradios anschaffen noch muss er den PC anschmeißen. Mittlerweile gibt es auch kompakte Hifi-Anlagen mit Netzwerkanschluss (Philips). Sogar allein stehende Verstärker für hochwertige Anlagen sind mit Ethernet und WLAN erhältlich (Denon, Onkyo, Yamaha). Hier liegen die Preise jedoch deutlich über der 1000-Euro-Grenze.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert