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Bei „drahtlos” geht der Frust los: Bluetooth-Probleme im Auto

Von: Felix Rehwald, dpa
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Steht die Bluetooth-Verbindung im Auto, können zum Telefonieren die Hände am Lenkrad bleiben. Manchmal jedoch kann es zu Problemen bei der Datenübertragung kommen. Foto: dpa

Hamburg. Eine Bluetooth-Freisprechanlage im Auto ist eine feine Sache. Zum Telefonieren kann das Handy bei aktiviertem Funkmodus in der Jacke oder im Handschuhfach bleiben, während ein- und ausgehende Gespräche automatisch geschaltet werden.

Oft ist das aber nicht möglich, weil die Bluetooth-Profile der Geräte nicht kompatibel sind. Die Freisprechanlage reagiert dann nicht. Auch sind Komfortfeatures wie Sprachwahl und Zugriff aufs Handy-Telefonbuch nicht möglich, wenn es mit dem Datenaustausch nicht klappt.

„Das passiert leider sehr häufig”, sagt Helmut Schmaler vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg. Meist liege es an den Geräten, die in den Fahrzeugen eingebaut sind, weniger an den Handys. Grund für den Ärger sind unterschiedliche Entwicklungs- und Produktionszyklen der Auto- und Handy-Hersteller: Die Autobauer hinken der schnelllebigen Telekommunikations- und IT-Branche hinterher. Immerhin dauert es in der Regel sieben Jahre, bis ein neu auf den Markt gebrachtes Fahrzeugmodell von einem Nachfolger abgelöst wird. In dieser Zeit sind bereits mehrere Handy-Generationen vom Markt verschwunden.

Hinzu kommt, dass die Autobauer sämtliche Elektronikkomponenten aufwendig auf Herz und Nieren testen müssen. Schließlich dürfen diese unter keinen Umständen die Sicherheitstechnik des Autos stören. Den Handy-Firmen sind diese Umstände aber ziemlich egal, sagt Helmut Schmaler: „Die Handy-Hersteller interessieren sich nicht für das, was auf Fahrzeugseite passiert.” Wenn also bei einer Automarke neue Multimedia-Technik verfügbar ist, ist diese oft schon Jahre alt, während das brandneue Smartphone aktuellste Technik enthält. Das kann auch auf die verwendete Bluetooth-Technologie zutreffen.

Bei Bluetooth handelt es sich um einen Übertragungsstandard für den drahtlosen Datentransfer im Nahbereich, erläutert die Bluetooth Special Interest Group (SIG). Das ist ein Zusammenschluss führender Anbieter von Bluetooth-Technologien. Bluetooth sei eine Spezifikation, „die Hersteller in ihre Produkte integrieren”, erklärt der Verband. Wie das im Einzelnen erfolgt, sei den Firmen überlassen.

Denn außer einiger Grundprinzipien ist der Standard so ausgelegt, dass er sich mit Hilfe von „Profilen” den jeweiligen Anforderungen der Endgeräte anpassen lässt. Schließlich kommt es bei der drahtlosen Koppelung von Laptop und Drucker auf andere Dinge an als bei der Verbindung zwischen Smartphone und Freisprecheinrichtung. „Durch die Profile werden die möglichen Anwendungsbereiche definiert”, erläutert die SIG. Das seien „allgemeine Verhaltensregeln”, welche die Kommunikation der Endgeräte ermöglichen. Oder verhindern, wenn ein zu koppelndes Gerät ein erforderliches Profil eben nicht versteht.

„Die Geräte können nur dann zusammenarbeiten, wenn alle Geräte dasselbe Profil aufweisen”, heißt es. Diese Voraussetzung sei „zwingend”, so die SIG. Bei der Kommunikation zwischen Handy und Freisprecheinrichtung müsse zum Beispiel das Freisprech-Profil HFP - das sogenannte Hands-Free-Profile - in beiden Geräten vorhanden sein. Ist das nicht der Fall, schlägt der Verbindungsversuch fehl.

„Es gibt sehr viele Untervarianten der Profile”, sagt ADAC-Experte Schmaler. Diese stimmten zwischen Handy und Fahrzeug nicht immer überein, was unterschiedliche Auswirkungen haben kann: So könne zwar durchaus der Verbindungsaufbau über die Freisprecheinrichtung funktionieren, der Zugriff aufs Handy-Telefonbuch aber nicht.

Eine weitere Ursache für Verbindungsprobleme können Fehler beim sogenannten Pairing sein. Denn zwei Bluetooth-Geräte können erst dann drahtlos miteinander kommunizieren, wenn sie gekoppelt wurden. Dabei tauschen sie laut der SIG geschützte Schlüssel aus, damit sich die Daten anschließend verschlüsselt übertragen lassen. Sie gelangen dann nur zu denjenigen Geräten, die beim Pairing benannt wurden.

Dieser einmalige Vorgang muss jedoch fehlerfrei erfolgen. Bei Problemen sollte man das Pairing wiederholen. Mögliche Fehlerquellen sind laut der SIG nicht sichtbar geschaltete Geräte - denn Bluetooth-Mobiltelefone lassen sich „unsichtbar” machen und werden somit von anderen Bluetooth-Geräten nicht gefunden - oder schlichte Tippfehler bei der Passwort- oder PIN-Eingabe.

Nach den Erfahrungen von Oliver Stauch vom Fachmagazin „connect” tauchen Bluetooth-Probleme vor allem dann auf, wenn Autofahrer ein altes Handy in einem neuen Auto oder ein neues Handy in einem alten Auto benutzen wollen. „Mit etwas Glück gibt es ein Software-Update vom Autohersteller”, nennt Stauch eine Lösung für Koppelungsprobleme. Oder man besorge sich eine aktualisierte Handysoftware.

Vielleicht hilft es auch, einfach ein anderes Mobiltelefon in seinem Auto auszuprobieren. Zur Not bestückt man für das Telefonieren während der Fahrt eben den alten Handy-Knochen mit einer zweiten SIM-Karte - und nimmt es hin, dass das neue Smartphone samt schicker Komfortfeatures unterwegs ausgeschaltet bleiben muss.
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