München - Windschutzscheibe: 30 Prozent der Schäden sind reparabel

Christopher Robin Kino Freisteller Winnie Puuh

Windschutzscheibe: 30 Prozent der Schäden sind reparabel

Von: amv
Letzte Aktualisierung:
Autoscheibe
Bei Steinschlägen in der Windschutzscheibe sollten Autofahrer möglichst schnell eine Autowerkstatt ansteuern. Foto: HUK-Coburg

München. Tief stehende Sonne, Regen und entgegenkommende Scheinwerfer bringen es ans Licht: Kratzer und Steinschlagschäden in der Windschutzscheibe blenden.

„Das ist nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich“, warnt Eberhard Lang von TÜV Süd in München: „Aus kleinen Glasschäden beispielsweise können große werden - allerdings nicht so, wie es einem manche TV-Werbung suggeriert.“

Gleichwohl sollten Autofahrer möglichst rasch eine Fachwerkstatt ansteuern. „Nicht jede Frontscheibe muss ausgetauscht werden. Rund 30 Prozent der Schäden sind reparabel“, schildert Lang seine Erfahrungen. Ob Instandsetzung oder Austausch, es geht ins Geld. 2012 waren es über 2,3 Millionen Glasbruchschäden an Personenwagen für die Kfz-Kaskoversicherer mit einer Versicherungsleistung von 1114 Millionen Euro.

„Alle Schäden sollten möglichst rasch behoben werden“, legt Norbert Jostmeier Autobesitzern ans Herz. Er ist Fachmann für Glasschäden bei der Dekra-Sachverständigenorganisation in Dortmund. Selbst kleine sternförmige Risse können sich schnell ausbreiten und zu irreparablen Schäden an der Scheibe führen.

Dringt zu viel Luft und Feuchtigkeit ein, drohen matte Flächen. Liegt die Beschädigung in der Randzone der Scheibe, besteht zudem die Gefahr, dass sie zum Rand hin reißt, ihre Stabilität verliert und ihre tragende Funktion für die Karosserie einbüßt. Den Zeitpunkt eines Glasschadens am Fahrzeug kann man sich nicht aussuchen. Daher hat die Kraftfahrzeuginnung eine Hotline eingerichtet, die rund um die Uhr zur Verfügung steht (0431-5333112). Mit ihrer Hilfe finden sich Betriebe in der Nähe.

Vor der Auftragserteilung sollte man klären, welche Zusatzkosten durch einen etwaigen Noteinsatz außerhalb der üblichen Geschäftszeiten entstehen. Wie man bei einem Glasschaden zweckmäßigerweise vorgeht, hat der ZDK im Web zusammengestellt (www.autoglas-partner.de). Für die Steinschlag-Reparatur nutzen die Profis Kunstharz.

Nach der Reinigung und dem Entfernen von Luft mit einer Vakuumpumpe wird das Füllmaterial mittels Injektor in das Einschlagloch gepresst und unter UV-Licht ausgehärtet. Das Finish setzen Glasreinigung und -politur. Scheibenantenne und Heizdrähte werden durch die Reparatur nicht zerstört, weil in dieser Tiefe nicht gearbeitet wird.

Unter dem Strich zahlen die Autofahrer für das Ausharzen rund 100 Euro, weiß TÜV Süd-Fachmann Lang. Und das auch nur, wenn keine oder eine Teilkaskoversicherung mit Selbstbeteiligung abgeschlossen wurde. Zum Vergleich: Der Scheibentausch kostet mindestens 500 Euro. Obacht: nicht alle Reparaturen werden von der Teilkasko-Versicherung bezahlt. Sehr kleine Stellen sind beispielsweise nicht versichert.

Autobesitzer, die sich solch eine Reparatur andrehen lassen, bleiben oftmals später auf ihren Kosten sitzen. Denn die Selbstbeteiligung wird erfahrungsgemäß nur erlassen, wenn vor der Reparatur die Versicherung kontaktiert wurde. Wer zudem eine Police mit Werkstattbindung abgeschlossen hat, muss den Schaden auch von dieser Werkstatt beheben lassen und darf nicht zu einem freien Glasreparaturbetrieb wechseln.

Welche Schäden ausgeharzt werden dürfen, definiert die Straßenverkehrs-Zulassungsordnung. Die Einschlagstelle darf nicht im Fernsichtfeld des Fahrers liegen und ihr Durchmesser höchstens fünf Millimeter betragen. Risse dürfen nicht mehr als fünf Zentimeter lang sein und nicht im Randbereich der Scheibe liegen. Zudem darf weder die Innenscheibe noch die sich zwischen den beiden Schichten der Verbundglasscheibe liegende Folie Beschädigungen aufweisen.

Zur Orientierung: Das Fernsichtfeld misst mittig über dem Lenkrad ca. 14,5 Zentimeter rechts und links und wird durch das Scheibenwischerfeld nach oben und unten begrenzt. Leichte, großflächige Kratzspuren oder matte Stellen können die Profis ebenfalls entfernen. Dazu benutzen sie spezielle Glaspolituren. „Die Arbeit setzt allerdings neben der richtigen Poliermaschine Erfahrung voraus, ein Fall ebenfalls für die Werkstatt und lohnend vor allem für Oldtimer, für die es keine oder nur sehr teure Ersatzteile gibt“, sagt Lang.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert