Unterwegs mit CNG und LPG: Wann das Umrüsten auf Gasantrieb lohnt

Von: Marco Krefting, dpa
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Unterwegs mit CNG und LPG - Wann die Umrüstung lohnt
Autogas gibt es in Deutschland an mehr als 6100 Tankstellen. Erdgas kann nur an rund 900 Stationen getankt werden. Foto: dpa

Berlin/München. Ein Blick auf die Preistafel an Tankstellen zeigt: Benzin ist derzeit etwa doppelt so teuer wie Autogas. Auch Erdgas ist erheblich günstiger als herkömmlicher Sprit.

So erschwinglich sind die Gassorten, weil sie noch bis mindestens 2018 mit einem vergünstigter Mineralölsteuersatz gefördert werden. Doch lohnt die Umrüstung auf Gasantrieb? Und wenn ja, was ist dabei zu beachten?

Grundsätzlich werden zwei Gassorten unterschieden: Als Autogas bezeichnetes Flüssiggas, das wegen seiner englischen Bezeichnung Liquified Petroleum Gas mit LPG abgekürzt wird. Und Erdgas - CNG für Compressed Natural Gas. Es unterscheidet sich durch einee höhere Oktanzahl vom Autogas, und es wird kilo- statt literweise verkauft.

Die beiden Sorten scheiden die Expertenwelt. Laut Peter Sobotta vom ADAC rentiert sich das Umrüsten auf Autogas in den meisten Fällen. „Erdgas amortisiert sich erfahrungsgemäß nicht so schnell.” Für Autogas hat der Automobilclub anhand von 50 gängigen Automodellen eine Beispielrechnung durchgeführt. Ergebnis: In den meisten Fällen macht sich der Umbau nach 40.000 bis 60.000 Kilometer Fahrtstrecke bezahlt. Dabei berücksichtigte der ADAC, dass gegenüber dem Benzinbetrieb bis zu einem Fünftel mehr Kraftstoff verbraucht wird.

Mit Autogas lassen sich laut dem Deutschen Verband Flüssiggas (DVFG) dennoch rund 15 Prozent an CO2-Emissionen im Vergleich zum Benzinbetrieb einsparen. Bezogen auf die bundesweite Autogas-Flotte von derzeit rund 440 000 Fahrzeugen werden so jährlich über 215 000 Tonnen klimaschädliches Kohlenstoffdioxid weniger ausgestoßen.

Der ökologisch orientierte Automobilclub VCD empfiehlt hingegen Erdgas. Der Energiegehalt eines Kilogramms entspreche in etwa anderthalb Litern Benzin und rund 1,8 Litern Autogas. Doch viele Autofahrer hielten sich dies nicht vor Augen, beklagt der verkehrspolitische Sprecher Michael Müller-Görnert. Die Umrechnung von Kilogrammpreisen auf die Liter-Vergleichswerte unter Berücksichtigung der jeweiligen Faktoren sei vielen zu kompliziert.

Generell ist das Umrüsten Experten zufolge bei den meisten Benzinern kein Problem. Der Vorsitzende des Verbandes deutscher Gasanlagenimporteure (VDGI), Elbert Vleeshhouwer, rät: Bei Modellen mit zentraler Einspritzung sollte sich der Halter vorher erkundigen, ob er eine Abgasbestätigung bekommt, die nachweist, dass sich das Abgasverhalten nicht ändert.

Fahrer eines Dieselautos sind noch außen vor: Als umgerüstete Selbstzünder gibt es momentan nur Testmodelle. Auf europäischer Ebene werde an einem Regelwerk gearbeitet, um den Mischbetrieb von Diesel und Autogas zuzulassen, erklärt DVFG-Experte Alexander Stöhr. Bis 2015 sollen die EU-Regeln feststehen.

Laut ADAC ist der Gastankbehälter meist in der Reserveradmulde untergebracht. Da deshalb künftig kein Platz mehr für das Ersatzrad ist, sollte ein Reifenpannenset nachgerüstet werden. Im Schnitt 2000 bis 3000 Euro werden für den Umbau fällig. „Die Anlagen werden aber immer günstiger”, sagt der VDGI-Vorsitzende Vleeshhouwer. Zudem steigere ein installierter Gastank den Wert des Fahrzeugs.

Wichtig sei, dass ein Kfz-Betrieb die Nachrüstung durchführe, der sich mit dem jeweiligen Fahrzeugtyp auskennt. Außerdem müsse beim Abholen ein Prüfbericht vorliegen. Denn ähnlich wie bei einigen Tuningfällen muss das Fahrzeug wieder zugelassen werden. In Westdeutschland stelle der TÜV den Bericht aus, in Ostdeutschland die Dekra. Vleeshhouwer warnt: Ohne allgemeine Betriebserlaubnis drohen vier Punkte in Flensburg. In einigen Fällen sollte eine Hersteller-Freigabe für das Nachrüsten vorliegen. Ansonsten riskiert der Halter neuerer Autos laut VCD die Gewährleistung.

Beim Umbau selbst müssen am Motor unter anderem die Ventile verändert und eine Steueranlage montiert werden, erklärt Claus Gräbsch vom Verband der Motoren-Instandsetzungsbetriebe (VMI). Die Mitarbeiter der Umbaubetriebe sollten nachweisen können, dass sie entsprechende Lehrgänge zum Einbau der Gasanlagen gemacht haben.

Nach der Umrüstung startet das Auto grundsätzlich im Benzin-Modus. Etwa 30 Sekunden später schaltet die Steuerung auf Gas um. Da die Benzinversorgung erhalten bleibt, ist ein Wechsel zwischen Gas und Sprit jederzeit per Knopfdruck möglich. Dies kann nötig werden, wenn der Gastank leer und keine entsprechende Tankstelle in der Nähe ist.

Vor allem Fahrzeughalter auf dem Land sollten dies noch vor der Umrüstung bedenken. Das Tankstellennetz mit Gasangebot sei jenseits von Ballungsgebieten recht grobmaschig, sagt VCD-Sprecher Müller-Görnert. Nach DVFG-Angaben gab es im Mai 2011 in Deutschland rund 6150 Autogas-Tankstellen. Zum Vergleich: Erdgas-Tankstellen gibt es der Initiative erdgas mobil zufolge nur rund 900.
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