München - Tuning mit Bedacht: Nicht alles gefällt auch dem Gesetzgeber

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Tuning mit Bedacht: Nicht alles gefällt auch dem Gesetzgeber

Von: amv
Letzte Aktualisierung:
Essen Motor Show 2013
Die Messe für ausgefallene Autos und Motorräder im Jahr 2013: Rund 500 Aussteller aus den Bereichen Tuning, Motorsport und Classic Cars haben hier ihre Fahrzeuge gezeigt. Foto: dpa

München. Am kommenden Wochenende steigt in der Messe Essen wieder eine weltweit wohl einzigartige Mischung aus PS-Party und Leistungsschau. Während der Essen Motor Show vom 29. November (28. November: Preview Day) bis zum 7. Dezember zeigen mehr als 500 Aussteller sportliche Serienautomobile, Tuning, Motorsport, Classic Cars und Motorräder.

Doch nicht alles, was den Tuningfreund erfreut, findet auch den Gefallen des Gesetzgebers.

„Immer wieder stoßen die Sachverständigen auf völlig unprofessionelle Tuning-Maßnahmen, von denen ein erhebliches Gefährdungspotenzial ausgeht“, schildert Jürgen Wolz von TÜV Süd in München seine Beobachtungen. Bei vielen Änderungen am Auto erlösche dessen Betriebserlaubnis, wenn der Umbau nicht durch einen amtlich anerkannten Sachverständigen abgenommen werde. Deshalb macht es Sinn, sich zuvor zu erkundigen und „mit einer Einzelabnahme beispielsweise lässt sich so manches verwirklichen, was zuvor unmöglich erschien.“

Es bedarf schon profunder Sachkenntnisse, um zwischen gesetzlichen Bestimmungen und individuellen Wünschen sicher zu navigieren. Bezüglich der Bodenfreiheit von Fahrzeugen gibt es beispielsweise keine eindeutigen Vorschriften.

Als Orientierung gilt aber: „Flachmänner“ müssen besetzt mit dem Fahrer und vollem Kraftstofftank ein Hindernis mit einer Höhe von acht Zentimetern berührungslos überfahren können. Beim Tieferlegen ändert sich auch die Höhe der Scheinwerfer. Hier sind jedoch Grenzwerte vorgeschrieben, erinnert der TÜV Süd-Fachmann: „50 Zentimeter über der Fahrbahn. Das ist die Mindesthöhe der Unterkante der Frontscheinwerfer.“

Jährlich rund 800 Millionen Euro geben Deutschlands Autobesitzer für mehr Individualität aus. Besonders gefragt sind laut Verband der Automobil Tuner (VDAT) Rad-Reifenkombinationen. Es folgen Fahrwerkskomponenten, Schalldämpfer und Motoroptimierungen.

Damit die Schönheits-OP keinen Makel hinterlässt, sollten Tuningfreaks zu Zubehör mit Allgemeiner Betriebserlaubnis (ABE), Allgemeiner Bauartgenehmigung (ABG), EG- oder ECE-Genehmigung greifen. Werden Teile mit diesen amtlichen Prüfzeugnissen eingebaut, reicht es, die Unterlagen mit sich zu führen. Nur wenn der Hersteller es ausdrücklich verlangt, wird die Vorstellung bei einem amtlich anerkannten Sachverständigen oder Prüfingenieur für die Ausstellung einer „Anbaubescheinigung“ Pflicht. Das gilt auch immer nach der Montage von Tuningzubehör mit Teilegutachten (TGA).

Chip-Tuning ist so ein Fall. Das Power Kit erhöht Motorleistung und Höchstgeschwindigkeit, verschlechtert häufig aber das Abgas- und Geräuschverhalten. In diesem Fall kann die Polizei das Auto aus dem Verkehr ziehen. Davor schützen ABE oder TGA und zusätzlich der Eintrag in die Fahrzeugpapiere bei der Zulassungsstelle unter Vorlage des Sachverständigengutachtens. Liegen keinerlei Prüfzeugnisse vor, muss der An-, Um- oder Einbau von Tuningteilen generell einzeln begutachtet werden.

„Ärger gibt es auch immer wieder mit Schnäppchen aus dem Internet“, nennt TÜV SÜD-Fachmann Wolz einen anderen kritischen Punkt. „Bremsbeläge und Räder für den Bruchteil des Originalpreises sind oft Plagiate aus Fernost ohne amtliche Prüfzeugnisse.“ Vorsicht gilt ebenfalls bei so genannten Xenonbrennern.

Einfach die Halogen- mit der Xenon-Glühlampe tauschen ist verboten. Gleiches gilt für mittlerweile angebotene LED-Lampen. Wer auf das Flutlicht nicht verzichten will, kommt um den kompletten Scheinwerfersatz mit den entsprechenden Papieren und, falls nicht schon vorhanden, Scheinwerferreinigungsanlage und automatische Leuchtweitenregulierung nicht herum.

Um keine bösen Überraschungen zu erleben, sollten Autobastler zudem stets einen guten Draht zu ihrer Versicherung pflegen und erforderlichenfalls die Police „tunen“.

„Erhöht sich wie beispielsweise beim Chiptuning die Leistung und somit die Betriebsgefahr des Fahrzeugs, wird die Meldung sogar zur Pflicht“, erinnert Wolz. Im Schadenfall riskiert der Versicherungsnehmer sonst, einen Teil der Kosten selbst bezahlen zu müssen.

Viele Tuningteile wie edle Leichtmetallräder haben außerdem einen höheren Wiederbeschaffungswert als die Serienausstattung. Nach einem Diebstahl wird der ersetzt. „Vorausgesetzt, sie stehen in der Liste der mitversicherten Teile in der Kasko-Police“, erinnert der TÜV Süd-Fachmann.

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