Brühl - Renault Twizy: Der E-Buggy-Scooter für die Stadt

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Renault Twizy: Der E-Buggy-Scooter für die Stadt

Von: Silke Koppers, dapd
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Twizy
Dieser Renault ist trotz der vier Räder, des Daches und des Lenkrades kein reinrassiges Auto, denn seine zwei Sitze sind hintereinander angeordnet. Foto: dpa

Brühl. „Wir sind gespannt, wie der Markt den Twizy aufnimmt. Denn er ist etwas völlig Neues.” Damit hat Alain Vignaud, Direktor Elektromotorentwicklung bei Renault, recht.

Dieser Renault ist trotz der vier Räder, des Daches und des Lenkrades kein reinrassiges Auto, denn seine zwei Sitze sind hintereinander angeordnet. Aber ein Roller ist er ebenso wenig. Da stellt sich auch sogleich die Frage: Wer braucht so ein Gefährt?

Vermutlich kaum jemand. Denn für ein Auto hat es nicht genug Stauraum und trotz seiner Wendigkeit liefert es nicht das Freiheitsgefühl eines Motorrades. Der Nutzwert ist hier als relativ zu betrachten. Dafür fällt das 2,34 Meter kurze Vehikel sofort ins Auge, ist aber aufgrund des Elektromotors für Außenstehende kaum hörbar. Überzeugen kann sich davon jeder selbst - der Twizy steht bereits bei den deutschen Händlern zu einer Probefahrt bereit. Zu Preisen ab 7.690 Euro ist die Version mit dem 18-PS-starken Antrieb zu haben. Die 5-PS-Variante ab 6.990 Euro kann bereits mit dem Führerschein Klasse S ab 16 Jahren gefahren werden.

Der Heckantrieb und der niedrige Schwerpunkt machen den Twizy zu einem regelrechten E-Flitzer, seine einfache Handhabung, sein kleiner Wendekreis von 6,80 Metern und sein geringer Platzbedarf - drei Twizys passen in eine Standard-Parklücke - zum urbanen Gefährt schlechthin. Wie für Stromer üblich, steht die Kraft - hier in Form von 57 Newtonmeter (Nm) - unmittelbar bereit. Das Fahrgefühl in Kombination mit der recht direkten Lenkung mutet wie eine Mischung aus Auto-Scooter und Strandbuggy an. Aber das Gefährt mit dem Rauten-Logo ist etwas schneller als ein Fahrgeschäft vom Rummelplatz: Bis maximal 80 Kilometer pro Stunde (km/h) sind drin.

Serienmäßig hat der Twizy offene Flanken, die fensterscheibenlosen Flügeltüren kosten 590 Euro Aufpreis. Ob mit oder ohne diesen Seitenschutz: Das als Quad zugelassenes Fahrzeug mit den freistehenden Rädern ist ganz klar ein Vehikel für schönes Wetter. ABS und ESP sind übrigens nicht mit an Bord und auch nicht optional erhältlich. Das für manche Menschen Erstaunliche dabei ist: Die Insassen fühlen sich trotzdem sicher. Bei zackigen Kurvenfahrten kippt das Gefährt nicht um und bei einer Vollbremsung blockieren zwar die Räder, aber der Twizy kommt trotz der Ausrüstung mit „nur” vier gekoppelten Scheibenbremsen sicher und schnell zum Stehen.

Das zweisitzige Kleinstfahrzeug - dessen Name in Anlehnung an die Begriffe „two” (zwei), „zero emission” (null Abgase) und „easy” (einfach) kreiert wurde - verfügt hinter der Rückenlehne des Sozius über einen kleinen Laderaum mit einem Volumen von 31 Litern. Schlüssel und Kleingeld finden in zwei Fächern mit Deckeln rechts und links vom Lenkrad Platz. Ist man allein unterwegs, kann ein 60 Liter fassender, speziell entwickelter Rucksack auf dem hinteren Platz festgegurtet werden.

Ob dieses Gepäck oder ein Mitfahrer aus Fleisch und Blut - beides ist problematisch zu platzieren. Der Fahrersitz muss stets ganz nach vorn geschoben werden, um irgendwen oder irgendwas auf den zweiten Sitz zu bekommen. Erleichterung bringt da auch nicht das Komfort-Paket für 150 Euro: Das umfasst lediglich eine beheizbare Windschutzscheibe und eine Audio-Vorrüstung. Demnächst wird dazu auch das passende Radio angeboten werden, was auch empfehlenswert ist. Denn so leise der Twizy dem Betrachter erscheint, den Fahrer wird auf Dauer das hohe Pfeifgeräusch nerven. Der hochfrequente Ton rührt laut des Herstellers von der Transmission her. An einer Verbesserung beziehungsweise Dämmung werde gearbeitet, doch eine Veränderung sei technisch schwierig, heißt es aus Frankreich.

Gar nicht schwierig ist es dagegen, den kleinen Stromer aufzuladen. Das funktioniert an einer ganz normalen Haushaltssteckdose innerhalb von 3,5 Stunden und reicht für rund 70 Kilometer. Derzeit kostet hierzulande eine solche „Tankladung” durchschnittlich 1,50 Euro. Zu diesen laufenden Kosten gesellen sich noch jene für die Akku-Miete, denn die Lithium-Ionen-Batterie wird bei Renault nicht mit veräußert. Stattdessen werden 50 Euro pro Monat bei einer Laufzeit von 36 Monaten oder einer Laufleistung von 7.500 Kilometern fällig. Der Vorteil am Mietsystem laut Renault ist: Sollte der Akku defekt sein oder aufgrund intensiver Nutzung die Ladekapazität dauerhaft unter 75 Prozent rutschen, wird er vom Hersteller gegen eine neue Batterie ausgetauscht. Doch ob und wann es soweit ist, muss der Markt zeigen. Und den erwartet mit dem Twizy etwas wirklich Neues.
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