Range Rover 4.4: Von herausragender Größe

Von: Norbert Michulsky
Letzte Aktualisierung:
Range Rover 4.4
Der Range Rover 4.4: Der erste Geländewagen, dessen Karosserie komplett aus Aluminium gefertigt wird. Foto: amv
Range Rover 4.4
Der Range Rover 4.4: Eine imposante Erscheinung und praktisch unübersehbar. Foto: amv

Schwalbach. Glaubt man dem britischen 4x4-Spezialisten Land Rover, dann definiert sein Topmodell Range Rover „die Maßstäbe der SUV-Luxusklasse vollkommen neu“. In der Tat ist das fünf Meter lange, 1,82 Meter hohe und knapp 2,10 Meter breite Fahrzeug eine imposante Erscheinung und praktisch unübersehbar.

Doch vermutlich möchten Land Rovers-Marketingstrategen ihre Maßstabdefinition auf ganz andere Fakten bezogen wissen. So ist der Range der erste Geländewagen, dessen Karosserie komplett aus Aluminium gefertigt wird. Das gab es bislang nur bei Luxuslimousinen à la Audi A8 oder Jaguar XJ. Die so erzielte Gewichtsersparnis (420 Kilogramm) klingt beeindruckend. Ein Leichtgewicht ist der Wagen dennoch nicht. Diätbereinigt wiegt der SUV mindestens 2160 Kilogramm. Je nach Ausstattung kommen auch mehr als 2,6 Tonnen zusammen.

Dass solche Maße sich im Fahrverhalten niederschlägt, zeigt sich rasch. Der Range ist nicht zum Rasen, sondern zum Reisen gemacht. Sportlich sind allenfalls die Beschleunigungswerte. In 6,9 Sekunden (Werksangaben) bringt das 4,4-Liter-Triebwerk (339 PS) den Luxusliner auf Tempo 100 und wer es partout ausreizen möchte, kann auf der Autobahn mit Tempo 217 unterwegs sein. Viel beeindruckender als die reinen Werte ist jedoch die lässige Kraft, mit welcher der Achtzylindermotor seine Arbeit verrichtet, untermalt von einer tief-grummelnden Klangkulisse, die niemals störend oder aufdringlich wirkt. Die werksseitig ausgewiesenen 8,7 Liter als Verbrauchswert auf 100 Kilometern sind natürlich Makulatur, wenn man das vorhandene Leistungspotenzial stets ausschöpft. Mit etwas vernunftbetonter Fahrweise ist jedoch eine Zwölf vor dem Komma kein Problem.

Passend portioniert wird das Drehmoment von 700 Newtonmeter von einer achtstufigen Automatik, die menschliches Zutun überflüssig macht. Trotz der beineindruckenden Fahrwerte kommt der Mensch am Steuer allerdings rasch zu der Erkenntnis, sich von forcierter Fahrt abzuwenden und es lieber verhaltener, komfortabler angehen zu lassen. Sollen doch andere schnell fahren. Diesen Entschluss stärkt auch das auf absoluten Komfort getrimmte Fahrwerk, das flotte Kurvenfahrten eben nur in Maßen erlaubt. Das Gewicht fordert dann seinen Tribut und dämpft vermeintlich sportliche Attitüden umgehend, trotz adaptiver Stoßdämpfer und einer Wankneigungskontrolle.

Bei der Abstimmung von Fahrverhalten und dem Zusammenspiel von Federung und Dämpfung haben sich die Entwickler wohlweislich erfolgreich darauf konzentriert, den Passagieren den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Dazu sollte man allerdings auf die aufpreispflichtigen 22-Zoll-Alufelfen verzichten. Sie reduzieren den Komfort merklich. Davon abgesehen entwickelt sich das beruhigende Gefühl, mit dem Auto dort sicher anzukommen, wo man hin möchte, und dies unter allen denkbaren Umständen. Das wird abseits befestigter Straßen erfahrungsgemäß nur in Ausnahmenfällen so sein. Erfahrungsgemäß kaum jemand wühlt sich mit einer solchen Luxuskarosse durch Matsch und Schlamm. Wer dem allerdings nicht widerstehen kann, dem bietet der Range Rover ein ganzes Arsenal an Helfern mit denen man selbst Passagen, die man um keinen Preis per Pedes absolvieren möchte, souverän meistert. Chipgesteuert werden dabei das Fahr- und Traktionsverhalten optimiert und alle maßgeblichen Komponenten, wie Motor, Getriebe, Mitteldifferenzial, Assistenz- und Fahrwerkssysteme, beeinflusst. Der souveräne Maßstab wird im Interieur gehalten. Dort setzt sich das britische Stilverständnis konsequent fort: weit und luftig, mit duftendem Leder und fein gemasertem Holz ausstaffiert.

Per Display werden die Instrumente mit analogen Skalen, Zeigern und Zahlen dargestellt. Wer mag, kann ihr Erscheinungsbild variieren. Die Sitze sind makellos, gemacht für lange Fahrten. In der Ausstattungsvariante Autobiography (120.600 Euro) gibt es im Fond zwei Einzelsitze und Lounge-Charakter. Die vordere Mittelkonsole erhielt in der aktuellen Range-Generation ein neues Layout und erstreckt sich majestätisch breit zwischen Fahrer- und Beifahrerplatz. Die Bedienung gibt keine Rätsel auf und die Zahl der diversen Schalter wurde angenehm reduziert. Annehmlich auch diverse Details: die elektrische Betätigung des oberen und unteren Teils der Heckklappe, Türen mit Zuziehhilfe, verschiedene Kühlfächer oder die weiter entwickelte adaptive Geschwindigkeitsregelung ACC, die nun bei stockendem oder gar stehendem Verkehr in Funktion bleibt.

Souveränität pur und der Fahr- und Federungskomfort von Oberklasselimousinen, eine makellose Verarbeitung sowie ein sehr niedriges Innengeräusch machen den Range Rover der vierten Generation zu einem sehr angenehmen Reisewagen, der allerdings ausreichende Finanzreserven verlangt. Wer partout auch einmal die schier grenzenlose Geländetauglichkeit erproben möchte, sollte einen Off-Road-Kurs buchen - und einen Helfer, der anschließend das Fahrzeug wieder reinigt. 

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert