Oldtimer müssen für ein H-Kennzeichen weitgehend mängelfrei sein

Von: Norbert Michulsky, dpad
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Der Charme geschichtsträchtiger Autos ist offenkundig ungebrochen und landauf, landab finden gerade in Frühjahr und Sommer Oldtimermärkte und -ausfahrten statt. Foto: dpa

Stuttgart/Flensburg/Heilbronn/Bonn. Der VW Käfer läuft und läuft und läuft - er ist der Deutschen liebster Oldtimer. Rund 25.000 Stück sind mit einer Anmeldung für historische Kraftfahrzeuge, dem sogenannten H-Kennzeichen, auf Deutschlands Straßen unterwegs.

Doch egal ob possierlicher VW-Käfer oder schnittige Mercedes-Heckflosse, der Charme geschichtsträchtiger Autos ist offenkundig ungebrochen und landauf, landab finden gerade in Frühjahr und Sommer Oldtimermärkte und -ausfahrten statt, von der familiären 2. Huntetal-Schnauferlfahrt bis zur mondänen Silvretta Classic.

Nie bewegten sich mehr historische Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen als heute. „Fuhren im Jahr 2000 nur 47.132 Pkw mit einem H-Kennzeichen, so sind es derzeit 208.319 Klassiker”, skizziert Stephan Immen vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg den Boom der Betagten. „Tendenz steigend”, sekundiert Hans-Jürgen Götz von der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) in Stuttgart und betont mit Blick auf den aktuellen Mängelreport: „Meist sind die alten Schätze gut in Schuss und brauchen den Vergleich mit wesentlich jüngeren Autos nicht zu scheuen”.

Seit 1997 gibt es das H-Kennzeichen. Seinerzeit wollte man den Schutz „kraftfahrzeugtechnischen Kulturguts” erleichtern. Das besondere Kennzeichen ist für Fahrzeuge vorgesehen, die mindestens 30 Jahre alt sind. Damit erhalten zahlreiche Besitzer eines Golf II bereits nächstes Jahr die Möglichkeit, das H-Kennzeichen zu nutzen, samt seiner Vorteile: Der Steuersatz (191,73 Euro pro Jahr) ist unabhängig von Hubraum und Schadstoffklasse und auch Umweltzonen können Oldie-Besitzern egal sein.

Seit November gelten allerdings neue Richtlinien für die Begutachtung von Oldtimern und damit neue Voraussetzungen für das H-Kennzeichen. Die wohl wichtigste Änderung nennt Matthias Gerst, Oldtimer-Experte von TÜV Süd in Heilbronn: „Das fünfstufige Bewertungssystem fällt weg. Nun gilt, dass ein guter Erhaltungszustand für den positiven Bescheid ausreicht.”

Verschärft wurden die Regeln zum Motor. Der Antrieb muss zukünftig aus derselben Baureihe kommen. Gleich geblieben sind die Vorgaben zu Identität, Bremsen, Getriebe sowie Lenkung. Bei manchen Zulassungsbestimmungen steckt allerdings der Teufel im Detail und so empfiehlt TÜV-Fachmann Gerst: „Auf jeden Fall ist es weiterhin sinnvoll, sich mit einem Gutachter im Vorfeld der H-Zulassung zu verständigen.”

Diskussionsstoff liefern die neuen Vorgaben beispielsweise bei nicht zeitgenössischen Umbauten: Der Umbau selbst muss nun 30 Jahre alt oder wie bisher in den ersten zehn Jahren durchgeführt worden sein. Daraus ergibt sich, dass Besitzer eines Oldtimers unter Umständen bis zu zehn Jahre warten müssen, obwohl ihr Fahrzeug bereits 30 Jahre alt ist.

Beispiel: „Der Besitzer eines Golf I von 1974 würde heute eigentlich sofort eine H-Zulassung bekommen, weil sein Wagen bereits 38 Jahre alt ist. Wenn er den Kompakten aber nach der Zehn-Jahres-Frist, also beispielsweise 1986, mit einem Opel-Kadett-Motor nachgerüstet hat, muss er nach den neuen Regeln noch vier Jahre auf das H-Kennzeichen warten. Den Oldtimerstatus gibt es also frühestens 2016”, erläutert Gerst.

Grundsätzlich muss sich ein H-Kennzeichen-Aspirant in einem weitgehend mängelfreien Zustand befinden. Und das hat Folgen. „Dadurch wird ein eventuell vorhandener Wartungsstau im Vorfeld der Untersuchung beseitigt”, beobachtet GTÜ-Mann Götz: „Der Status des Fahrzeugs ändert sich von einem Gebrauchsgegenstand zu einem Liebhaberstück. Dementsprechend wird es besser gepflegt und gewartet.”

Zudem werden je nach Fahrzeugtyp Oldies als vielversprechende und sichere Wertanlage entdeckt. In einem mangelfreien Zustand lassen sich eben erheblich höhere Preise erzielen. Angesichts des Oldtimer-Booms wundert es wenig, dass auch Kfz-Betriebe das „kraftfahrzeugtechnische Kulturgut” und dessen Besitzer als Zielgruppe entdeckt und sich dementsprechend auf die alte Technik spezialisiert haben.

Eine eigene Website für Old- und Youngtimer hat der Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK) in Bonn freigeschaltet (kfzgewerbe-oldtimer.de). Das Portal richtet sich an Oldtimerbesitzer, an Fachbetriebe für historische Fahrzeuge, Sachverständige und Auszubildende des Kfz-Gewerbes. Geboten werden Informationen zu Versicherungen, zum Zertifizierungsverfahren oder zum H-Kennzeichen. Doch nicht nur informieren möchten die Werkstätten, sondern wohl auch profitieren.

„Für die Wartung und Reparatur suchen die Autofahrer immer öfter einen kompetenten Partner”, sagt ZDK-Sprecher Ulrich Köster. Deshalb habe das Kfz-Gewerbe das Zusatzzeichen „Fachbetrieb für historische Fahrzeuge” eingeführt. Um dieses Zeichen zu tragen, müssten Kfz-Betriebe vertraglich festgelegte Standards bei der Wartung und Instandsetzung der historischen Fahrzeuge erfüllen. Inzwischen hätten sich rund 300 Kfz-Betriebe dafür qualifiziert.

Unterdessen wächst eine neue Klientel heran, die Youngtimer - 20 bis 29 Jahre alte Fahrzeuge. Auch sie erfreuen sich wachsender Beliebtheit, offenbar aber nicht entsprechender Hege. Laut GTÜ weisen drei Viertel der untersuchen Fahrzeuge Mängel auf, 26,6 Prozent erhebliche und 48,3 Prozent geringe Defizite. GTÜ-Mann Götz glaubt den Grund zu kennen: „Die Mehrzahl dieser alten Autos sind Tag für Tag als reine Gebrauchsfahrzeuge unterwegs und landen über kurz oder lang auf dem Schrottplatz. Nur wenige dieser Youngtimer haben das Potenzial zu einem Oldtimer. Wird der Wert jedoch vom Fahrzeugbesitzer erkannt, sind die künftigen Oldtimer meist in einem guten bis sehr guten Zustand.”
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