Aachen - Mit Rückenwind flott zum Arbeitsplatz

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Mit Rückenwind flott zum Arbeitsplatz

Von: Berthold Strauch
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Zufriedene Pedelec-Testfahrer: von links Christoph Ploch, Ralf Robrock, Christian Mika und Thomas Dautzenberg. Foto: Berthold Strauch
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Nicht wegzudenken, wenn es um Elektromobilität geht: das Muskelkräfte sparende Pedelec. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wer‘s mal ausprobiert hat, kann‘s eigentlich nicht mehr lassen: Es ist schon ein tolles Gefühl, mit einem Pedelec unterwegs zu sein und gerade auf ziemlich ansteigenden Streckenabschnitten kräftigen Rückenwind zu spüren.

Müde werden, heftig schwitzen und schmerzende Waden – all das, was diesen Umstieg verleiden könnte, ist praktisch vorbei, wenn das schmucke Zweirad ein kleines Kraftpaket ein Stück weit unterm Sattel verbirgt: die Batterie, die einen Elektromotor in Schwung bringt und für eine Strecke von bis zu 60 Kilometern ausreicht. Doch dabei muss allerdings auch der Fahrer selbst mit in die Pedale treten, damit es richtig rundläuft.

Auch vier Mitarbeiter des im Aachen Ortsteil Verlautenheide ansässigen Messebau-Unternehmens Walbert-Schmitz, das 105 Mitarbeiter zählt, sind unlängst so richtig auf den Geschmack gekommen. Sie nahmen an den Pedelec- oder „E-Bike-Testwochen“ der Stadt Aachen und des örtlichen Energieversorgers Stawag teil.

Mehr als 80 Betriebe schon dabei

Mit von der Partie bei dieser Aktion, die schon seit mehr als drei Jahren angeboten wird, ist die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen. Seit einiger Zeit können sich auch Interessierte aus der Städteregion Aachen beteiligen. Über 400 Testfahrer aus mehr als 80 Betrieben haben sich bereits auf den Sattel geschwungen und mitgemacht, darunter auch ein Paketdienstleister aus Eschweiler.

Firmen, die einfach ausprobieren wollen, ob sich ein Pedelec tatsächlich für die Kollegen als „Dienstfahrzeug“ eignet, können sich kostenlos an den Testwochen beteiligen, unterstreicht Benjamin Haag von der IHK-Abteilung International, Verkehr und Handel. Die Radstation „Wabe“ am Aachener Hauptbahnhof stellt die Pedelecs samt Ladegeräten zur Verfügung und kümmert sich um den Service, falls die Testfahrer unterwegs mal technische Probleme bekommen sollten. Ziel sei es, so Haag, kurze Dienstreisen oder besonders eben den Weg zum Arbeitsplatz nicht wie gewohnt mit dem eigenen Auto zurückzulegen, sondern nur noch auf zwei Rädern.

Die Radverkehrsförderung, unterstreicht Stephanie Küpper, Projektleiterin „Fahr Rad in Aachen“, sei der Stadt ein wichtiges Anliegen. Die stärkere Nutzung solcher Fortbewegungsmittel trage dazu bei, die Luftqualität ein Stück verbessern zu helfen – wobei der Strom für die Unterstützung natürlich aus regenerativen Quellen stammen sollte. Außerdem falle gerade die in der City besonders lästige – und im Zweifelsfall teure – Suche nach einem geeigneten Parkplatz weg. Da ist es viel bequemer, mit dem schmucken Gefährt bis fast direkt vor die Eingangstür am Zielort angekommen zu rollen. „Mit E-Bikes lässt sich der Radius angenehm erweitern“, sagt Haag.

Für interessierte Unternehmen, die dieses Angebot gleichfalls ausprobieren möchten, gebe es noch wenige freie Kapazitäten, fügt der IHK-Vertreter an, der als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Seine Kontaktdaten: 0241/4460131, E-Mail: benjamin.haag@aachen.ihk.de.

Christian Mika zum Beispiel ist eine Arbeitswoche lang unter die Testfahrer gegangen. Er wohnt in Aachens Ortsteil Vaalserquartier nahe der niederländischen Grenze. Um nach Verlautenheide am Aachener Autobahnkreuz zu gelangen, muss er den Talkessel der Stadt durchqueren. Und das bedeutet: Irgendwann geht es ziemlich steil den Haarener Berg hinauf Richtung Würselen. „Der Anstieg nervt“, sagt er unumwunden – zumindest wenn er sich dabei allein auf seine eigene Muskelkraft verlassen müsste: „Dann bin ich oben durchgeschwitzt“, fügt er an – was im Unternehmen wohl nicht so gut ankommt.

Das „Superangebot“, wie er sagt, diese Strecke mit dem Pedelec zurückzulegen, habe er gerne in Anspruch genommen. „Es war unglaublich unkompliziert“, schwärmt er am Ende, als die Teilnehmer gemeinsam Bilanz ziehen. Selbst als es auf der Tour mal einen Platten gegeben habe, „war der Service toll“.

Ob er sich angesichts der guten Erfahrungen selbst ein E-Bike zulegen wird, dazu sagt er „jein“. Die Unterstützung sei gut, „aber ich brauche ein ,frisiertes‘ Pedelec“. Denn nur bis maximal 25 Kilometern pro Stunde wird die Anschubhilfe in Sachen Elektromobilität wirksam. Und dieses Tempo ist ihm denn doch zu bescheiden. Abgesehen vom Geld, das er für den Kauf aufbringen müsste – das würde er lieber in ein „schniekes Rennrad“ investieren. „Zum Dahingleiten, um die Landschaft zu genießen, ist ein Pedelec gut geeignet.“

Unterwegs hat er festgestellt, dass die Verfügbarkeit von vernünftigen Radwegen denn doch gelegentlich sehr zu wünschen übrig lasse. Die offizielle Radroute sei mitunter „lebensgefährlich“, stöhnt Mika. „Eine Fahrrad-Autobahn wäre nicht schlecht“, regt er an. In Aachen seien solche Schnellverbindungen in der Planung, zum Beispiel entlang der Jülicher Straße, reagieren die Vertreter der Stadt. Aber bis zur Realisierung eines Netzes könnte es noch etliche Jahre dauern.

Auch Ralf Robrock hat‘s ausprobiert. Er wohnt in Herzogenrath-Merkstein, hat „drei wunderschöne Steigungen“ unterwegs zu bewältigen. Da sei er gleich „Feuer und Flamme gewesen“, als er aufs Pedelec klettern konnte – auch wenn er zwischenzeitlich trotz Regenhaube mal „so richtig nass geworden“ sei: „Aber ich habe durchgehalten.“ Ihm fehlte ein „Turbo-Power-Knopf“ am Zweirad, um richtig nachlegen zu können, wenn‘s allzu steil wurde, zumal reichlich Zusatzgewicht im Vergleich mit herkömmlichen Fahrrädern bewegt werden muss. „Fürs gemütliche Fahren ist das eine tolle Sache“, ist er überzeugt. „Es hat Spaß gemacht.“

Thomas Dautzenberg kann von Aachen-Brand aus ein Stück den Vennbahnweg nutzen. Zeitlich habe er gegenüber einem normalen Rad, mit dem er auch öfters zur Arbeit kommt, nicht viel herausgeholt, sagt er und überlegt dennoch, sich ein Pedelec zu kaufen.

Und für Christoph Ploch aus Aachen-Eilendorf, der noch in der Ausbildung ist und nur einen kurzen Weg bis zur Arbeitsstelle hat, lohnt sich der hohe Anschaffungspreis von etwa 2000 Euro nicht, wie er sagt. Doch dabei hilft ein Zuschuss über 100 Euro vom Stromversorger.

Neue Ladestation installiert

Die Stawag hat kürzlich an der vielbefahrenen Vennbahnstrecke in Aachen-Kornelimünster vor dem Ausflugslokal „Bahnhofsvision“ eine Ladestation eigens für Elek-trofahrräder installiert. Bis zu sechs Akkus können in abschließbaren Fächern gleichzeitig mit frischem Saft versorgt werden – kostenlos, wie Stawag-Sprecherin Eva Wußing betont. In Aachen gebe es inzwischen bereits acht Ladestationen für lautlos-entspanntes Fahren mit Zweirädern – demnach also auch für Elektroroller.

Beim Messebauer Walbert- Schmitz überlegt Betriebsleiter Leo Spoden nach den guten Erfahrungen seiner Mitarbeiter mit der neuen Form gesundheits- und umweltbewusster Mobilität, ob das Unternehmen Pedelecs anschafft, damit sie es beim Aufbau der Ausstellungsstände etwa auf der weitläufigen Hannover-Messe ein Stück bequemer haben – auch das ein interessantes Ergebnis der spannenden Pedelec-Testwoche.

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