Frankfurt/Main - Klotzen statt kleckern: Autobranche zeigt auf IAA ihre Stärke

Klotzen statt kleckern: Autobranche zeigt auf IAA ihre Stärke

Von: Andreas Hoenig und Thomas Strünkelnberg, dpa
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Die Bänder der Autobauer laufen auf Hochtouren, auf der IAA in Frankfurt will die Branche ihre Stärke demonstrieren. Nach der Devise „Klotzen statt kleckern” haben die Hersteller millionenteure, futuristisch anmutende Messestände hochziehen lassen, Test-Parcours sollen die Besucher anlocken. Die Autoindustrie hat nach der Krisen-IAA 2009 ein grandioses Comeback gefeiert. Foto: Boris Roessler dpa/lhe

Frankfurt/Main. Die Bänder der Autobauer laufen auf Hochtouren, auf der IAA in Frankfurt will die Branche ihre Stärke demonstrieren.

Nach der Devise „Klotzen statt kleckern” haben die Hersteller millionenteure, futuristisch anmutende Messestände hochziehen lassen, Test-Parcours sollen die Besucher anlocken. Die Autoindustrie hat nach der Krisen-IAA 2009 ein grandioses Comeback gefeiert. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Denn wegen weltweiter Konjunktorsorgen und der anhaltenden Schuldenkrisen in den USA und Europa erwarten Experten im kommenden Jahr eine Wachstumsdelle in der Autoindustrie. „Über 2012 schweben angesichts der gegenwärtigen Gemengelage erste dunkle Wolken”, sagt NordLB-Experte Frank Schwope.

Nach den guten Jahren 2010 und 2011 könnte 2012 eine Stagnation des Automobilmarktes eintreten. Willi Diez von der Hochschule Nürtingen erwartet, dass sich das weltweite Wachstum von 7 Prozent im laufenden Jahr auf 3,5 Prozent 2012 abkühlt - in Europa werde es eine rückläufige Entwicklung geben, in den USA Stagnation.

Der Duisburger Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer geht davon aus, dass im kommenden Jahr weltweit 60,325 Millionen Autos verkauft werden - 5,3 Millionen weniger als noch vor fünf Monaten prognostiziert. „Konjunktureinbrüche, so wie sie jetzt in wichtigen Volkswirtschaften erwartet werden müssen, setzen den Automarkt und die Autobauer unter Druck.” 2011 liegt der weltweite Absatz der Prognose zufolge bei 60,320 Millionen Autos und damit deutlich höher als im Vorjahr.

Derzeit aber machen die Hersteller noch kräftig Kasse - die deutschen Autobauer besonders mit ihren Luxusschlitten, die sich auch und vor allem in Asien prächtig verkaufen. Das Geld können sie gut gebrauchen. Denn die Branche steht 125 Jahre nach der Geburtsstunde des modernen Autos vor grundlegenden Veränderungen: Neue Antriebstechnologien wie Elektro und Hybrid erfordern Milliardeninvestitionen.

Vor allem in den Städten verändert sich das Mobilitätsverhalten, neue Konzepte sind erforderlich. Dazu kommen Anstrengungen etwa beim Leichtbau oder dem „Downsizing” - weniger Hubraum und weniger Verbrauch bei möglichst gleicher oder besserer Motorleistung.

Besonders ein Begriff gilt als zukunftsträchtig: Elektromobilität. Auch auf der IAA versucht die Branche zu zeigen, dass sie auf ihrem „grünen” Weg vorankommt, wie bereits der Messe-Slogan zeigt: „Zukunft serienmäßig.”

Doch die Realität sieht noch anders aus: Zwar zeigt die IAA auch viele Neuheiten bei Kleinwagen und alternativen Antrieben. Auf der anderen Seite aber gibt es eine Vielzahl neuer, PS-starker Luxusschlitten, Sport- und Geländewagen - und gerade die deutschen Hersteller verdienen damit ihr meistes Geld.

Bei den neuen Antrieben wie Elektro und Hybrid haben die deutschen Autobauer noch Nachholbedarf, die Japaner seien weiter, sagt Analyst Schwope. Wegen vieler ungelöster Probleme etwa bei Reichweite, Batterietechnik und Preis hält sich hinter den Kulissen die Begeisterung für die E-Mobilität noch in Grenzen. Vor allem batteriebetriebene Autos werden daher in den Hintergrund treten, erwartet Diez. Im Fokus stünde zunächst die Hybrid-Technik.

Erst für 2022 rechnen Europas Automanager mit einem Massenmarkt der Elektroautos, wie es in einer Ernst & Young-Studie heißt, an der sich die Führungsetagen von gut 300 europäischen Zulieferern und Autobauern beteiligten. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen 2020 mehr als eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen rollen. Zum Vergleich: Derzeit fährt hierzulande nur eine kleine vierstellige Zahl Elektroautos - bei insgesamt gut 42 Millionen zugelassenen Fahrzeugen.

Trotz der erwarteten kleinen Delle im kommenden Jahr und der riesigen Herausforderungen: Die langfristigen Perspektiven für die Automobilindustrie gelten als hervorragend. Wachstumstreiber sind vor allem Länder wie Indien, Russland oder Brasilien.

Zugpferd Nummer eins aber bleibt China, auch wenn die Wachstumsraten auf dem Boom-Markt künftig „nur” im einstelligen Bereich liegen dürften. Nach Dudenhöffers Einschätzung werden 2012 mit der schwächelnden Nachfrage in Europa und Amerika die Exporte Chinas stagnieren. Also werden sich auch dort Wachstum und Autonachfrage abschwächen, wie der Experte folgert.

Auf lange Sicht aber bleiben die Perspektiven für die Autobauer in dem Riesenland atemberaubend - abgesehen allerdings von den wohl massiven Folgen für die Umwelt. Grundsätzlich fehlten in China noch mehr als 600 Millionen Autos, um auf den westlichen Standard von rund 500 Autos pro 1000 Einwohner zu kommen, sagt Schwope. „Somit liegt die Zukunft aller Hersteller in China.”
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