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Jedes Gramm zählt: Die EU begrenzt schrittweise den CO2-Ausstoß von Neuwagen

Von: Sabine Stahl, dapd
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Stuttgart/Berlin. Obwohl Kohlenstoffdioxid ein farb- und geruchloses Gas ist, wiegt das „Lüftchen” mit der chemischen Abkürzung CO2 schwer. Zumindest für die Automobilindustrie. Denn sie muss in Zukunft besser mit dem Klimagas haushalten und entsprechend CO2-ärmere Neuwagen anbieten.

Seit Jahresbeginn gilt der von der Europäischen Union (EU) beschlossene Sparplan, demzufolge neue Pkw im Schnitt nur noch 130 Gramm CO2 je Kilometer ausstoßen dürfen. Aber: es gibt zahlreiche Ausnahmen und viele Bedenken.

So kritisiert beispielsweise der ökologische Verkehrsclub von Deutschland (VCD) die schrittweise Einführung des Grenzwertes. „Wir hätten uns einen strengeren Wert gewünscht, der schon von diesem Jahr an zu 100 Prozent gilt”, sagt Michael Müller-Görnert vom VCD in Stuttgart.

Doch die Vorgaben müssten im Jahr 2012 nur von 65 Prozent der in der EU neu zugelassenen Pkws erfüllt werden. Erst 2015 gelte der Grenzwert wirklich für alle Neuwagen. Bis dahin heißt es laut einem Schreiben des österreichischen Umweltbundesamtes: „Die Unternehmen bestimmen, welche Fahrzeuge aus der Flotte für die Berechnung herangezogen werden.” In den ersten Jahren werden demnach wohl die größten und stärksten Fahrzeuge unberücksichtigt bleiben.

Bonus für „Öko-Innovationen”

Eine weitere Ausnahme von der Regel sind die sogenannten „Öko-Innovationen”. Die lassen größere CO2-Grenzwerte zu. Als Beispiel für eine solche Neuerung führt die Europäische Kommission ein Solardach auf, das Sonnenenergie in elektrische Energie umwandelt. Diese Regelung betitelt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) als Schlupfloch, ebenso wie die mehrfache Anrechnung von sparsamen Pkw.

Denn Autos, die weniger als 50 Gramm emittieren, werden bei der Berechnung des Flottenwertes im Jahr 2012 wie 3,5 Pkws gezählt. Diese Mehrfachwertung wird nach und nach reduziert, bis ab 2016 auch diese sparsamen Autos wie alle anderen Fahrzeuge eingestuft werden. Besonders viel Kritik gab es vonseiten der Umweltschutzverbände dafür, dass die Grenzwerte für die einzelnen Automobilhersteller abhängig vom Fahrzeuggewicht sind.

Im Klartext: Wer schwere Autos verkauft, hat einen höheren Zielwert. Laut einer Auflistung der Umwelt- und Verkehrsorganisation „European Federation for Transport and Environment” (T&E) muss zum Beispiel der japanische Autobauer Toyota seinen Flottenverbrauch bis 2015 auf 127 Gramm reduzieren, BMW jedoch nur auf 151 Gramm und Daimler auf 167 Gramm.

Eine „bizarre Wahl”

Die Gewichtsrelation ist nach Ansicht von T&E eine „bizarre Wahl” der EU. Denn das Gewicht des Fahrzeugs sage nichts über die Anzahl der darin transportierten Personen aus, mit der die Relation Gewicht-CO2-Ausstoß begründet worden sei. Schließlich gebe es Zweisitzer, die zwei Tonnen, und Siebensitzer, die nur 1,5 Tonnen wiegen würden. Mithin liefere diese Regelung keinerlei Anreize für die Hersteller, leichtere Autos zu bauen.

Und das, obwohl das Gewicht eine direkte Auswirkung auf den Verbrauch hat. Die EU begründet dies in einem Amtsblatt so: „Damit die Vielfalt des Automarktes und seine Fähigkeit, unterschiedlichen Wünschen der Verbraucher gerecht zu werden, erhalten bleiben, sollten die CO2-Ziele für Personenkraftwagen in linearer Abhängigkeit vom Nutzwert der Fahrzeuge festgesetzt werden.”

Durch den Regelwirrwarr bleibt von den anvisierten 130 Gramm pro Kilometer am Ende wohl wenig übrig. Das österreichische Umweltbundesamt rechnet beispielsweise vor, das durch all diese Ausnahmeregelungen der erlaubte CO2-Ausstoß von Neufahrzeugen im Jahr 2015 im Bereich von 140 Gramm liegen wird.

Dieser Wert hätte laut einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Automobilindustrie aus dem Jahr 1998 bereits vor vier Jahren erreicht werden sollen.
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